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Freundschaft:Brieffreunde fürs Leben

Robbinroger Beever and Saija Kuparinen in Finland, privat - 
Autor Martin Zips hat Einverständnis zur Veröffentlichung von Robbinroger  Beever

Robbie Beever und Saija Kuparinen führen eine - rein platonische - Fernbeziehung. Das Bild zeigt sie bei einem ihrer wenigen Treffen.

(Foto: privat)

Es begann mit dem Fund einer Flaschenpost im Jahr 1967, seither schreiben sich der US-Amerikaner Robbie Beever und die Finnin Saija Kuparinen Briefe. Gesehen haben sie einander fast nie, doch ihre Freundschaft ist unerschütterlich.

Von Martin Zips

Wer jemals daran gezweifelt hat, dass Freundschaft - über alle Grenzen hinweg - etwas ganz Wunderbares sein kann, der sollte diese Geschichte lesen. Es ist die Geschichte von Robbinroger, genannt Robbie, und Saija.

Robbie Beever, Sohn eines US-Diplomaten, spazierte gerade an einem Strand in Liberia, als er eine Whisky-Flasche fand. Es war das Jahr 1967, Robbie war 15, und als er die Flasche öffnete, fand er eine Nachricht, die der schwedische Seemann Gösta Martensson aus Göteborg zwei Jahre zuvor vor Zentralafrika ins Wasser geworfen hatte. Robbie schrieb sofort nach Göteborg, erzählte von sich, seinem britisch-US-amerikanischen Vater und seiner österreichisch-ungarisch-dalmatischen Mutter. Den Seemann muss das ein bisschen überfordert haben, denn nun beauftragte er die Schwester seiner Frau, Robbie zu antworten. Saija war damals 14 und lebte in Finnland.

"Ich habe mich entschlossen, Robbie auf Deutsch zu antworten", berichtet Saija Kuparinen, 68, am Telefon. "Deutsch hatte ich damals an der Schule. Das konnte ich besser als Englisch." Als er den Brief auspackte, verstand Robbie kein Wort. "Ich musste mir alles von meiner Mutter übersetzen lassen", erzählt er, heute auch 68 Jahre alt. "Aber diese Briefmarken! Dieses Mädchen! Dieses ferne Land!" Sie schrieben sich weiter, mindestens einmal im Monat. "Ich liebte es, wenn mir Saija Postkarten schickte", sagt Robbie. "Auch ihre Kuverts waren ein Traum! Sie faltete sie aus den Seiten von Modemagazinen."

Liberia, Saudi-Arabien, Ägypten, Bonn - er ist weit herumgekommen

Von Liberia zog Robbie in die USA, später erlebte er den Vietnamkrieg aus nächster Nähe, sein Vater arbeitete bei der US-Agentur für internationale Entwicklung in Taipeh. "Eine furchtbare Zeit. Ich habe so viel Schlimmes gesehen." Mittlerweile schrieben sich die beiden auf Englisch. Auch telefonierten sie erstmals, spielten sich die Stones vor, oder The Mamas & the Papas. Saija heiratete und bekam eine Tochter: "Aber unsere Brieffreundschaft setzte sich fort", sagt sie.

Robbie schickte nun Briefe aus Saudi-Arabien, wo er zehn Jahre lebte. Auch aus Ägypten, der Türkei und Japan kam seine Post. Dann aus Virginia, USA. Seit 2006 arbeitet Robbie für die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit in Bonn. Er ist seit 2005 mit einer deutsch-französischen Frau verheiratet, sie haben Zwillinge. Bei so vielen Briefen (Robbie hat sie noch fast alle!): Hat er sich denn nie in Saija verliebt? "Unsere Freundschaft ist bis heute surreal, wunderschön und zeitlos", antwortet er. "Gestritten haben wir nie. Vielleicht deshalb, weil wir uns erst 2003 zum ersten Mal getroffen haben. In Finnland. Weil ich meinen Pullover vergaß, musste ich gut zehn Jahre später nochmal hin."

Seit 54 Jahren schreiben sich Robbie und Saija. Heute meist Mails. Aber manchmal, sagt Saija, liege wieder so ein handgeschriebener Brief bei ihr im Kasten. "Dann weiß ich sofort, von wem er ist." Wenn es nicht Freundschaft wäre, man könnte es für Liebe halten.

© SZ/nas
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jtzt carlos torben / Fotos: Privat

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