Borussia Dortmund Mutmaßlicher Attentäter bestreitet Anschlag auf BVB-Bus

Bei dem Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus wurden der Spieler Marc Batra und ein Polizist verletzt.

(Foto: dpa)

Die Ermittlungen haben bisher keine weiteren Belege gebracht. Belastet wird der vermeintliche Täter vor allem durch verdächtige Transaktionen an den Börsen.

Von Hans Leyendecker und Georg Mascolo

Die Ermittlungen im Zusammenhang mit der Aufklärung des Anschlags auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verlaufen zäh. Die bisherige Auswertung des bei Durchsuchungen sichergestellten Materials hat nach Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR keine weiteren eindeutigen Belege für die Tat gebracht. Gleichwohl sind sich die Ermittler weiterhin sicher, dass der wegen dringenden Tatverdachts festgenommene 28-jährige Sergej W. den Anschlag auf den Bus verübt hat. Ihm wird versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

"Mein Mandant bestreitet die Tat", erklärt der Tübinger Anwalt Reinhard Treimer, der den 28-jährigen Mann vertritt. Sergej W. habe auch gegenüber dem Haftrichter des Bundesgerichtshofs bestritten, dass er der Täter gewesen sei.

Belastet wird der angebliche Täter vor allem durch verdächtige Transaktionen an den Börsen in Frankfurt und Stuttgart, die er gemacht haben soll. Auffällig ist auch, dass er am Tag des Anschlags im Dortmunder Mannschaftshotel des BVB gewohnt hatte. Von dort aus soll er einige auffällige Aktiengeschäfte gemacht haben. Er soll sich über das Wlan des Hotels ins Internet eingeloggt und bei der Onlinebank Comdirect Verkaufsoptionen auf die Aktie von Borussia Dortmund gekauft haben. Dabei soll er auf einen Kursrutsch der BVB-Aktie spekuliert haben, zu dem es durch das Verbrechen hätte kommen können. Vor dem angeblichen Kauf der Derivate auf die Aktie von Borussia Dortmund hatte er einen Verbraucherkredit in fünfstelliger Höhe aufgenommen. Der Täter soll aus Habgier gehandelt haben.

In einer Hecke nahe dem Hotel soll er angeblich vor der Tat am 11. April drei Sprengsätze platziert haben, die mit Metallstiften gefüllt waren. Die Ermittler vermuten, dass Sergej W. vom Fenster seines Hotelzimmers aus auf die Straße geschaut hat, auf der der Bus des BVB ins Stadion zum Champions-League-Spiel gegen Monaco unterwegs war. Die drei Bomben sollen mit Empfangsmodulen ausgestattet gewesen sein, die vermutlich per Handy gezündet wurden. Bei dem Anschlag wurden der Spieler Marc Bartra und ein Polizist verletzt. Nur weil die zweite der drei Bomben in der Höhe von einem Meter angebracht war und die Metallstifte dieser Bombe über den Bus flogen, wurde noch Schlimmeres verhindert.

Täter soll Selbstlaborat mit üblichen Stoffen gebastelt haben

Bei der Untersuchung des bei dem Anschlag verwendeten Sprengstoffs sollen Kriminaltechniker zu dem vorläufigen Ergebnis gekommen sein, dass es sich nicht - wie nach dem Anschlag häufiger spekuliert - um militärische Zünder und auch nicht um gewerblichen Sprengstoff gehandelt haben soll. Der Täter soll eine Art Selbstlaborat mit den dafür üblichen Stoffen gebastelt haben.

Sergej W. ist Spezialist für Elektrotechnik. Er war als Elektriker in einem Heizkraftwerk beschäftigt, welches das Tübinger Universitätsklinikum mit Wärme versorgt. Bei diversen Durchsuchungen soll aber keine Sprengstoff-Werkstatt gefunden worden sein.

Die Bundesanwaltschaft, die den Fall von der Dortmunder Staatsanwaltschft übernahm, will bis zum Ende der Ermittlungen die Zuständigkeit für das Verfahren behalten. Es ist allerdings möglich, dass sie für den Fall, dass es zu einer Anklage kommen sollte, den Fall wieder an die örtliche Staatsanwaltschaft abgeben wird.

Die Aktie des BVB, auf deren Verfall der angebliche Täter gesetzt haben soll, kratzt inzwischen an einem 52-Wochen-Hoch. Sie steht deutlich höher als vor dem Anschlag.

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