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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Na dann: Prast!

(Foto: Sapporo Brewery Ltd)

Wie eine japanische Brauerei einen Buchstaben auf einer Bierdose verwechselte - und damit großen Erfolg hatte.

Von Thomas Hahn

Das neue Dosenbier der japanischen Brauerei Sapporo soll etwas Besonderes sein. Die Firma sagt, man braue es nach einem Rezept aus dem 19. Jahrhundert, als sie noch ein staatliches Entwicklungsprojekt für die Nordinsel Hokkaido war. Neu an dem Bier ist also, dass es alt ist. Umso schlimmer muss es für seine Vermarkter gewesen sein, als sie sahen, dass jemand bei der Gestaltung der Dosen die bewährten Regeln der Rechtschreibung missachtet hatte: Statt LAGER stand da LAGAR. Der Brauerei war der Fehler so peinlich, dass sie den Verkauf stoppte.

Spott kann man sich sparen. Oder möchten Leute aus der Welt der lateinischen Buchstaben behaupten, sie hätten bei Ausflügen in die Welt der japanischen Schriftzeichen Zeilen wie 開拓使麦酒仕立て oder 明治9年から続く伝統製法 ganz sicher richtig geschrieben? Erstere heißt in etwa "Bier wie zu Zeiten der Entwicklungskommission", letztere "Traditionelle Methode seit 1876". Beide stehen auf der Dose, beide richtig. Das deutsche Wort "Lager" ist für japanische Menschen tückisch, weil sie kein Zeichen für die Silbe "ger" haben; sie verwenden dafür das Zeichen für "ga".

Japans Bierfreunden ist es egal, was auf der Dose steht. Sie interessiert mehr, was drin ist. Das las die Brauerei aus Kunden-Reaktionen im Internet. Einer twitterte: "Warum verkauft man das nicht als super limited Rechtschreibfehler-Edition?" Die "Lagar"-Dose kommt nun also doch in den Verkauf. Ab 2. Februar, unkorrigiert, so wie der Fehlerteufel sie schuf. Das falsche A ist perfekte PR. Es macht das neue Bier wirklich zu etwas Besonderem.

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