bedeckt München 25°

Bienenraub:Warum kriminelle Banden Bienen stehlen

2000 Euro kann so ein Bienenvolk wert sein.

(Foto: Michael Probst/AP)

Diebe haben einem englischen Imker ein ungewöhnlich großes Bienenvolk entwendet. Über ein neues uraltes Delikt.

Nur wenige Tage trennten einen der Höhepunkte in der Karriere des englischen Imkers Peter Clarke vom "schlimmsten Tag seines Lebens". Diese emotionale Achterbahnfahrt verdankt der 55-Jährige einem Bienenvolk, das ihm zunächst völlig unverhofft zufiel und kurz danach auf besonders dreiste Weise wieder gestohlen wurde.

Es begann mit einem Anruf am vergangenen Wochenende: Ein Ehepaar, das gerade in Groby, einem Vorort von Leicester, ein Haus gekauft hatte, bat um professionelle Hilfe, weil ständig tote Bienen aus dem Kamin ins Wohnzimmer fielen. Nachdem Clarke den Schornstein mit einem Wärmesensor untersucht hatte, entdeckte er, dass sich dort zwischen 130 000 und 160 000 Bienen häuslich eingerichtet hatten.

Der Imker übertrug die Insekten portionsweise mithilfe eines eigens umgebauten beutellosen Staubsaugers in spezielle Transportkisten und siedelte sie auf seine Farm im unweit gelegenen Örtchen Market Bosworth um.

Im Mittelalter stand auf Bienenraub die Todesstrafe

Obwohl Clarke im Laufe des Bienenumzugs Hunderte von Stichen abbekommen hatte, äußerte er sich anschließend in der Lokalpresse hocherfreut über den Fund. Es sei ein Glücksmoment nach dem Tod seiner Mutter, die vor Kurzem an Covid-19 gestorben war, und der Infektion seiner 15-jährigen Tochter mit dem Coronavirus.

Doch die Freude währte nur kurz: Nachdem diverse Medienberichte über den stattlichen Bienenfund erschienen waren, kehrte der Imker am vergangenen Dienstag auf seine Farm zurück und musste feststellen, dass das ganze Volk gestohlen worden war. "Ich dachte erst, es handele sich um einen Streich", sagte Peter Clarke der BBC. "Als mir klar geworden ist, was geschehen war, habe ich geweint." Anscheinend waren die Diebe durch die Berichterstattung auf den neu angelegten Stock aufmerksam geworden. Clarke vermutet, dass bei dem Diebstahl ein ähnlicher Staubsauger zum Einsatz kam wie jener, den er selbst verwendet. "Sonst wären ein paar tote Bienen auf dem Boden des Stocks zurückgeblieben."

Bienendiebstahl ist kein neues Delikt - im Mittelalter stand darauf in einigen Landstrichen die Todesstrafe - und es ist auch in unseren Tagen nicht sonderlich selten. In Deutschland häufen sich seit einiger Zeit die Fälle. Im Mai erst wurden einem Imker in Berlin acht Bienenvölker entwendet, im vergangenen Jahr verschwand in Brandenburg und Mittelfranken eine große Anzahl von Bienenstöcken. In den USA ist Bienenraub, bei dem Bienenstöcke aufgebrochen oder gewaltsam entfernt werden, zu einem lukrativen Geschäft für organisierte Banden geworden. Dabei sterben Zehntausende der Bienen, die eigentlich Felder bestäuben sollen. In Kalifornien ist das Problem mittlerweile so ernst, dass eigene Sondereinheiten gegründet wurden, die auf Bienenstockkriminalität spezialisiert sind.

Ungewöhnliche Größe

Was den Diebstahl in der Grafschaft Leicestershire ungewöhnlich macht, sind nicht nur die Umstände der Entdeckung des Bienenvolks, sondern auch seine Größe. Nach Angaben des britischen Imkerverbandes überstieg sie die eines durchschnittlichen englischen Bienenstocks, der rund 40 000 Insekten umfasst, ungefähr um das Drei- bis Vierfache.

Peter Clarke nimmt kein Geld für die Entfernung und Umsiedlung unerwünschter Insektennester; das Bienenvolk aus Groby hätte ihm beim Weiterverkauf aber umgerechnet gut 2000 Euro einbringen können. Schlimmer als der finanzielle Verlust sei für ihn allerdings der Schaden, der den Bienen selbst bei der Entführung zweifellos zugefügt worden sei. "Es bricht mir das Herz, wenn auch nur eine von ihnen getötet wird", so Clarke. Laut Leicestershire Police sind "Ermittlungen wegen des Verdachts auf Diebstahl im Gange, bisher wurden jedoch noch keine Verhaftungen vorgenommen".

© SZ/moge
Schweinenackensteakimsonderangebot / AD-Flat

SZ Plus
Fleischkonsum
:"Ein oralsadistischer Akt"

Der Ernährungspsychologe Christoph Klotter erklärt, wie Menschen es schaffen, das Leid der Tiere, die Gefahr für die Umwelt und die Ausbeutung der Arbeiter auszublenden, wenn sie Schnitzel für 1,50 Euro kaufen.

Interview von Moritz Geier

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite