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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Schluss mit Prestissimo

(Foto: Scherl/SZ Photo)

Wie Ludwig van Beethoven auf seine irrwitzigen Tempo-Angaben kam und warum Musiker aufatmen können.

Von Veronika Wulf

Dass die Zeit vergeht, ist eine recht banale Feststellung. Dennoch wird sie immer wieder getroffen, von älteren Verwandten wie von Sängern und Dichterinnen. Bei Madonna geht die Zeit "so slowly" vorbei, bei Mascha Kaléko steht sie sogar still. Doch meist eilt sie dem trägen Menschen davon, wie schon das lateinische Sprichwort "Tempus fugit" besagt. "Time waits for no one", wusste auch Freddie Mercury, Cher würde sie gerne zurückdrehen und Capital Bra sieht auf seiner Rolex, "wie schnell die Zeit vergeht".

Aber was heißt schon schnell. Musiker und Musikerinnen brauchen es genauer. Da helfen auch die seit dem 17. Jahrhundert verwendeten Tempoangaben wie Allegro, Presto und Vivace nur bedingt. Im Laienorchester gilt eh: Wer Sechzehntel spielt, eilt automatisch. Und auf die Ankündigung des Dirigenten, das Tempo werde noch "20 bis 30 Prozent" schneller, sollte man aufgrund seines Elans am Konzertabend sicherheitshalber noch mal fünf Prozent addieren.

Welch Segen war da das 1815 von Johann Nepomuk Mälzel erfundene Metronom, das mechanisch den Takt anzeigt, unabhängig von menschlichem Gemüt und Können. In Schlägen pro Minute gibt es Musizierenden eine verlässliche Zahl vor - vorausgesetzt, man weiß es zu benutzen. Ludwig van Beethoven wusste das offenbar nicht, wie nun eine Studie aus Spanien herausgefunden haben will: Er soll die Zahl statt oberhalb des Pendelgewichts unterhalb desselben abgelesen haben. Nicht nur Laienmusiker hatten sich über so manche Tempo-Angabe des Großmeisters gewundert: So schnell? Unspielbar! Die können nun aufatmen. So wie alle anderen: Auch ein Genie irrt mal.

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