Sternenhimmel Juli:Wolken aus Eis

Sternenhimmel Juli: Illustration: M. Rothe

Illustration: M. Rothe

Kurz vor Sonnenaufgang oder kurz nach Sonnenuntergang sind im Juli silbrig leuchtende Schleier über dem Horizont zu sehen: wunderschön - und doch nichts als gefrorener Staub.

Von Helmut Hornung

Highlight: Jetzt beginnt die Zeit der silbernen Schleier. Nach Sonnenuntergang oder vor Sonnenaufgang schimmern die Zirren für jeweils eine Stunde am Himmel über dem Nordhorizont. Diese leuchtenden Nachtwolken entstehen in etwa 83 Kilometern Höhe über dem Erdboden. Dort hüllt die Mesosphäre unseren Planeten ein, als eine von fünf Schichten der irdischen Atmosphäre. Während im unteren Bereich der Mesosphäre die Temperaturen bei null Grad Celsius liegen, fallen sie nach oben hin auf Werte von minus 100 Grad. Grund für diese eisige Kälte ist die extrem dünne Luft. In der Mesosphäre gibt es zwar wenig Wasserdampf, aber es existieren offenbar genügend Partikel, an denen sich Eis bildet. Noch rätseln die Forschenden, woher die Krümel stammen. Vermutlich bröseln sie von Meteoroiden ab, die als Meteore in der Mesosphäre verglühen. Steht die Sonne während der Dämmerung zwischen sechs und 16 Grad unter dem Horizont, beleuchtet sie diese Atmosphärenschicht schräg von unten. Die darin schwebenden eisigen Staubteilchen reflektieren das Sonnenlicht, und die leuchtenden Nachtwolken glimmen weiß, blau-weiß, gelb oder silbrig. In unseren Breiten ist Juli die beste Zeit, das seltene Phänomen zu beobachten, abends zwischen 22 und 23 Uhr, morgens zwischen drei und vier Uhr.

Sternenhimmel Juli: Illustration: M. Rothe

Illustration: M. Rothe

Sterne und Sternbilder: Im Südosten funkelt das Sommerdreieck mit den hellen Sternen Atair im Adler, Deneb im Schwan und Wega in der Leier. Richtung Westen prangen Herkules, Krone und Bootes, im Süden steht der unscheinbare Schlangenträger. Darunter finden wir das Bild Schütze sowie den Stachel des Skorpions. Mit steil aufgerichteter Deichsel hängt der Große Wagen im Nordwesten. Im Nordosten leuchtet das Viereck des Pegasus mit der angehängten Sternenkette der Andromeda, schräg darüber zeigt sich das "W" der Kassiopeia.

Planeten, Mond und Meteore: Erfahrene Sternenfreunde erspähen Merkur zwischen dem 4. und 15. Juli in der Morgendämmerung tief über dem Nordosthorizont. Venus markiert den Abendstern und geht am Monatsanfang gegen 23 Uhr unter. Um diese Zeit sinkt auch Mars unter den Westhorizont, ist aber sehr lichtschwach und mit bloßem Auge kaum noch zu erkennen. Jupiter im Wassermann und Saturn im Steinbock verlagern ihre Aufgänge im Lauf des Monats in die Abendstunden. Der Fahrplan des Mondes: letztes Viertel am 1., Neumond am 10., erstes Viertel am 17., Vollmond am 24. und wiederum letztes Viertel am 31. Juli. Von der Monatsmitte an flitzen die ersten Sternschnuppen der Perseiden über das Firmament. Am 5. Juli erreicht die Sonne mit rund 152 Millionen Kilometern den größten Abstand zur Erde.

© SZ/nas
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