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Anschlag auf BVB-Mannschaftsbus:"Es liegt nahe, dass der Bus gar nicht getroffen werden sollte"

Der Angeklagte im Prozess um den Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus, Sergei W., im Landgericht Dortmund

(Foto: AFP)
  • Im Prozess um den Anschlag auf den BVB-Bus kann dem Anwalt des Angeklagten zufolge nicht von einer gezielten Tat ausgegangen werden.
  • Seiner Meinung nach sollte der Bus gar nicht getroffen werden. Das sagte er im Anschluss an den ersten Verhandlungstag.
  • Außerdem wirft der Verteidiger der Staatsanwaltschaft Voreingenommenheit vor.

Im Prozess um den Splitterbomben-Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund kann dem Anwalt des Angeklagten Sergej W. zufolge nicht von einem gezielten Anschlag ausgegangen werden. Das sagte sein Verteidiger Carl W. Heydenreich im Anschluss an den ersten Verhandlungstag.

"Es liegt doch nahe, dass der Bus gar nicht getroffen werden sollte", sagte er. Schließlich seien nur zwei von Hunderten Metallstiften in das Fahrzeug eingedrungen. "Und der Bus ist ja kein Kleinwagen." Damit wollte der Verteidiger aber ausdrücklich nicht zum Ausdruck bringen, dass sein Mandant die Bomben gezündet habe.

Kurz zuvor hatte der Verteidiger den Staatsanwalt in der Verhandlung als voreingenommen kritisiert. Dieser habe Medienvertreter mit Inhalten aus der Ermittlungsakte versorgt und einseitig und tendenziös zulasten des Angeklagten ermittelt. Sein Mandant Sergej W. muss sich vor dem Dortmunder Landgericht verantworten. Dem 28-Jährigen werden 28-facher Mordversuch und die Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen. Er soll am 11. April drei Sprengsätze gezündet haben, als der Mannschaftsbus des BVB zum Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco ins Dortmunder Stadion fahren wollte. Sein Ziel war es nach Erkenntnis der Ermittler, bei Aktienspekulationen abzukassieren. Bei dem Anschlag hatte BVB-Abwehrspieler Marc Bartra einen Unterarmbruch erlitten.

Verteidiger Heydenreich regte noch vor dem Verlesen der Anklageschrift an, den Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft auszutauschen. Der Vorsitzende Richter entgegnete, er habe keinen Einfluss darauf, wen der Leiter der Dortmunder Staatsanwaltschaft in die Verhandlung schicke. "In wohl keiner deutschen Großstadt identifiziert sich die Bevölkerung so sehr mit dem Fußball wie in Dortmund", begründete Heydenreich seine Forderung. Ein enormer öffentlicher Erwartungsdruck laste auf dem Prozess. In die Richter habe der Angeklagte dagegen Vertrauen. Sergej W. selbst äußerte sich am ersten Verhandlungstag noch nicht zu den Vorwürfen.

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