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Italienische Alpen:Der pinke Gletscher

Am Presena-Gletscher in den italienischen Alpen liegt pinker Schnee.

(Foto: MIGUEL MEDINA/AFP)

Wissenschaftler erforschen das Phänomen, das zu einer schnelleren Schneeschmelze führt. Schuld soll eine Pflanze sein.

Mit gelbem Schnee hat so mancher schon schlechte Erfahrung gemacht. Auch farbenfroh, aber ganz ohne menschliche Ausscheidungen ist der pinke Schnee, der aktuell am Presena Gletscher in den italienischen Alpen liegt. Warum die Kristalle ihre Farbe wechseln untersuchen nun Wissenschaftler - und haben bereits eine Erklärung gefunden.

Eine Alge lebt in den Schneelandschaften ab einer Höhe von etwa 2600 Metern und sorgt dafür, dass der Schnee die hübsche pinke Farbe bekommt. Allerdings hat das Naturphänomen auch eine negative Seite. Denn gewöhnlich reflektiert der weiße Schnee etwa 80 Prozent der Sonnenstrahlen. Siedelt sich jedoch die Alge an, macht sie den Schnee minimal dunkler, sodass er mehr Strahlung aufnimmt, sich aufheizt und schmilzt. Diese Gletscherschmelze wollen die Wissenschaftler natürlich vermeiden und erforschen nun, wie sich der Schmelzvorgang verhindern lässt.

Wissenschaftler Biagio di Maio nimmt Proben des gefärbten Schnees.

(Foto: MIGUEL MEDINA/AFP)

Gesundheitsschädlich ist die Alge nicht, erklärt Forscher Biagio Di Maio von Nationalen Forschungsrat Italiens: "Sie ist nicht gefährlich, es ist ein Naturphänomen, das speziell im Frühling und Sommer in den mittleren Breiten wie auch an den Polen auftritt." Er und seine Kollegen versuchten, den nicht menschlichen Einfluss auf Erderwärmung zu quantifizieren.

Die Alge mit dem Namen Ancylonema nordenskioeldii führt dazu, dass sich der Schnee verfärbt.

(Foto: MIGUEL MEDINA/AFP)

Das Phänomen des pinken Schnees ist derweil nicht auf die italienischen Alpen begrenzt. 2019 posteten Ranger im Yosemite-Nationalpark im US-Bundesstaat Kalifornien auf Facebook ganz ähnliche Bilder von rosa gefärbten Schneeflächen. Auch in Grönland und der Schweiz kommt die Alge mit dem Namen Ancylonema nordenskioeldii vor.

© SZ/mkoh/ick
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