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"xkarenina":Vom Monster zum Meister

Die Schöne und das Buch: Früher gab „xkarenina“ Beauty-Tipps, nun macht sie literarische Entdeckungen.

(Foto: xkarenina)

Die Nürnberger Buch-Bloggerin will Lust am Lesen wecken.

Von Isabell Schirra

"Das Duschgelmonster ist zurück ..." - so meldete sich die Youtuberin "xkarenina" vor knapp zwei Jahren aus einer längeren Abwesenheit in den sozialen Medien zurück. Lange war es still gewesen um die in der Ukraine geborene Nürnbergerin. Und das, obwohl sie nicht nur eine der ersten deutschen Beauty-Influencerinnen war, sondern auch eine der erfolgreichsten. Im Schnitt 200 000 Menschen sahen sich die Videos an, in denen sie Kosmetikprodukte ausprobierte oder ihre Pflegeroutine vorstellte. Warum sie plötzlich von der Bildfläche verschwand, darum ranken sich noch heute Mythen und Legenden.

Bereits ihr Pseudonym, eine Anspielung auf Leo Tolstois Roman "Anna Karenina", verweist darauf, dass der Horizont dieser Frau nicht bei Lidschatten aufhört. Auf ihrem Instagram-Kanal, wohin sie ihre Online-Präsenz hauptsächlich verlegt hat, werden mittlerweile vor allem Bücherfreunde fündig. Xkarenina liest sich kreuz und quer durch Klassiker und Neuerscheinungen, gibt Leseempfehlungen, übt Kritik. "Dabei geht es mir gar nicht um eine Literaturkritik in diesem Sinne", sagt sie, "immer weniger Menschen lesen, und das tut mir von Herzen weh; denn Bücher sind für alle da, egal, ob zu Bildungszwecken oder zur Unterhaltung gelesen wird. Meine Hoffnung war schon immer, durch Teilen der Freude, die mir das Lesen bereitet, ein paar Neulinge anzulocken und zu begeistern." Ohne sie hätten wohl viel weniger Menschen ihr Lieblingsbuch "Der Meister und Margarita" angerührt, einen dieser "angsterregenden russischen Klassiker". Auch heute noch geht es auf ihrem knapp 100 000-Follower-starken Kanal bisweilen um Lifestyle. Doch bereits xkareninas Eigenbeschreibung - "Stokowski ist meine Braut, Bulgakov mein Bro" - zeigt, dass es hier eine Akzentverschiebung gab: von Beauty zum Buch.

© SZ vom 03.06.2020
Theo Vanity, 2018

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