Beginn der Zeckensaison:Gefahr im hohen Gras

Beginn der Zeckensaison: Die heimische Zecke ist ein blinder Lauerjäger: Sie wartet auf Blättern oder im hohen Gras auf einen vorbeilaufenden Wirt, der sie abstreift.

Die heimische Zecke ist ein blinder Lauerjäger: Sie wartet auf Blättern oder im hohen Gras auf einen vorbeilaufenden Wirt, der sie abstreift.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Der Landkreis ist weiterhin Risikogebiet für FSME und Borreliose. Deshalb rät die Ständige Impfkommission zur Immunisierung. Auch Haustiere sind gefährdet.

Von Lorenz Szimhardt, Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen

Endlich ist Frühjahr und die Temperaturen steigen. Damit erwachen allerdings nicht nur bei den meisten Frühlingsgefühle, sondern auch die Zecken aus ihrer Winterruhe. Klaus Holetschek (CSU) betonte anlässlich der beginnenden Zeckensaison, dass es Experten zufolge in diesem Jahr viele Blutsauger gibt. Deshalb und aufgrund der ernstzunehmenden Erkrankungen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose, die durch einen Zeckenbiss übertragen werden können, ist es "höchste Zeit für eine Schutzimpfung", so der bayerische Gesundheitsminister. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung für Personen, die aufgrund ihres Berufes, zum Beispiel in der Land- oder Forstwirtschaft, besonders gefährdet sind und für Menschen, die eine Reise in ein Risikogebiet planen oder in einem solchen Gebiet leben.

Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gilt bereits seit Mai 2013 als Risikogebiet, so Stephan Gebrande, Leiter des Gesundheitsamtes im Landkreis. Das Risiko, an FSME oder Borreliose zu erkranken, habe sich seitdem jedoch nicht verändert. Laut Daten des Gesundheitsamtes gab es im Landkreis im Jahr 2020 sieben Fälle von FSME und sowohl 2021 als auch 2022 zwei Fälle. Die Anzahl der Erkrankungen an Borreliose ist deutlich höher: Während aus dem Jahr 2020 36 Fälle bestätigt sind, waren es 2021 19 und 2022 25 Fälle. Dieses Jahr wurde bisher keine FSME-Erkrankung und nur ein Fall von Borreliose gemeldet.

Beginn der Zeckensaison: Der Tölzer Gesundheitsamts-Chef Stephan Gebrande.

Der Tölzer Gesundheitsamts-Chef Stephan Gebrande.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Durch die Klimaerwärmung häufen sich auch die Entdeckungen von Zeckenarten, die normalerweise in wärmeren Gebieten der Erde, beispielsweise Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Süd-Europas, beheimatet sind. Ein Beispiel hierfür ist die Hyalomma-Zecke. Diese scheint zwar weder FSME noch Borreliose zu übertragen, dafür allerdings eventuell andere Krankheiten, sagt Gebrande.

Um einen Zeckenbiss zu vermeiden, empfiehlt der Leiter des Gesundheitsamtes beim Wandern und Spazierengehen geschlossene Schuhe und eine lange Hose zu tragen. Sollte dennoch eine Zecke zubeißen, müsse man diese mit einer Pinzette sorgfältig herausziehen und darauf achten, dass keine Reste in der Haut verbleiben. "Danach empfiehlt es sich, die Stelle zu desinfizieren und ein paar Tage lang zu beobachten, ob sich ein roter Kreis um die Einstichstelle bildet", meint Gebrande. Eine solche Rötung wäre ein mögliches Symptom von Borreliose oder FSME. Wenn diese erscheint, solle man unverzüglich einen Arzt aufsuchen. FSME hat zudem Symptome wie Fieber oder Erbrechen, sagt Gebrande.

Nicht nur der Mensch ist gefährdet

Auch Haustiere können von Zecken befallen werden, warnt Bernhard Hauser, Leiter der Veterinärmedizin im Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen. Für diese seien vor allem die Übertragung viraler Krankheitserreger von Borreliose, Babesiose und Q-Fieber gefährlich. Im Vergleich der zwei beliebtesten Haustiere der Deutschen sind Katzen weniger stark von zeckenübertragenen Krankheiten betroffen als Hunde, so Hauser. Da Zeckenbisse in dickem Tierfell nur schwer zu erkennen seien, müsse man sich als Haustierbesitzer umso sorgfältiger um dauerhafte Schutzmaßnahmen kümmern.

Neben dem Absuchen des Haustieres nach einem Aufenthalt im Freien sei die Auswahl eines geeigneten Zeckenschutzmittels in Abstimmung mit dem Tierarzt wichtig. Auch bei der Entfernung der Zecke gibt es einiges zu beachten. Für eine erfolgreiche Entfernung der Zecke muss der Besitzer eine Zeckenzange und nicht seine Finger verwenden, da dabei "die Gefahr besteht, dass vorhandene Krankheitserreger aus der Zecke durch den Stichkanal noch in das Tier gedrückt werden", sagt Hauser. Zudem sollte das Herrchen oder Frauchen die Zecke "gleichmäßig und nicht zu stark aus dem Stichkanal nach oben herausziehen" und auf keinen Fall Öl, Alkohol, Klebstoff oder Äther zum Entfernen der Zecke verwenden.

Zur SZ-Startseite

Urteil am Landgericht München I
:Nur viermal Grillen im Monat

Ein Tölzer Pärchen hat geklagt, weil es sich durch den Rauch gestört fühlt, wenn ihr Nachbar sein Elektrogerät benutzt. Der Fall ging in Berufung, das Landgericht München I legt nun Höchstwerte fest.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: