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Freizeit im Oberland:Ein Stadtbad für Wolfratshausen

Badweiher

Der Badweiher in Wolfratshausen soll schöner werden. Derzeit fühlen sich hier vor allem Schwäne und Fische wohl.

(Foto: oh)

Dass der Badweiher am Campingplatz getreu seinem Namen wieder zu einer Freizeitoase wird, fordern Bürger und Politiker schon lange. Nun könnte der Vorstoß dank einer Änderung der Straßenentwässerung tatsächlich gelingen.

Ja, schwimmen würde er dort schon, sagt Andreas Zimmermann. Der 43-Jährige schaut vom Campingplatz auf den sogenannten Badweiher. Schwanenkot pflastert die Wege zum Weiher, modriges Gras treibt auf der Oberfläche, darunter schwimmen Grasfische, Forellen, Hechte und Karpfen. "Und danach würde ich duschen", fügt Zimmermann an, lacht und kehrt zu seinem Campingwagen zurück.

Dass indes der Weiher irgendwann auch ohne anschließende Dusche zum Bade locken wird, daran ist Wolfratshausen zurzeit so nahe dran wie noch nie: Denn mit der angeschobenen Sanierung der Zulaufrohre für 270 000 Euro wird der Grundstein für eine bessere Wasserqualität des inoffiziellen Badeweihers gelegt. Und so lebt die jahrzehntealte Vision eines Stadtbads für Wolfratshausen wieder auf.

Momentan ist dort das Schwimmen weder erlaubt noch verboten, sondern lediglich geduldet. Was auch an der fraglichen Wasserqualität liegt: Weil von der anliegenden Staatsstraße Wasser in den Badweiher fließt, wird dieser unter anderem auch durch Reifenabrieb und Streusalz verunreinigt. Das soll sich nun ändern. Nach einem Stadtratsbeschluss von Ende 2017 ist geplant, die Straßenentwässerung vom Einlauf in den Badweiher abzutrennen. Nur bei besonders starkem Regen soll das Wasser noch direkt in das Gewässer ablaufen. Hintergrund ist eine neu zu beantragende wasserrechtliche Genehmigung für den Regenwasserkanal - mit politisch forciertem, positivem Nebeneffekt für den Badeweiher. Zurzeit wartet die Wolfratshauser Verwaltung noch auf den entsprechenden Startschuss vom Landratsamt.

Mit dieser Chance auf eine bessere Wasserqualität lebt eine langjährige Vision auf, die bereits 2002 auf der Wahlwerbung der Wolfratshauser Bürgervereinigung (BVW) prangte und seitdem immer wieder hinten angestellt wurde. Dringlichere Projekte wie Rathaus und Loisachhalle, unklare Wassermessungen, mehr als 300 000 Euro teure Projektkosten und Haftungsfragen standen konkreten Planungen für ein Stadtbad im Wege. So verlief das Dauerversprechen der Bürgervereinigung stets im Nichts.

Dabei war der Weiher getreu seines Namens und der anliegenden Badstraße tatsächlich einmal ein offizielles Bad. In den 1940er Jahren wachte laut einer alten Postkarte sogar ein Bademeister über die Schwimmgäste. Ob ein solcher bei einem neuen Anstoß gewünscht ist, müsste der Stadtrat entscheiden - es wäre die teurere Variante mit Umzäunung, Bademeister, Duschen. Günstiger und somit wahrscheinlicher wäre eine schlichte Verschönerung des Weihers, in dem Schwimmer weiter geduldet wären und die Stadt weiter nicht in Regress genommen werden könnte.

Profitieren würden so oder so auch die Gäste des anliegenden Campingplatzes. "Fast alle Camper sind enttäuscht", sagt Betreiber Michael Kramer. Auch, weil Besucher zunächst annähmen, der Weiher gehöre zum Campingplatz. Um das zu ändern, hatte er unlängst Besuch von Vertretern der Verwaltung. Doch die Stadt hat sich dagegen entschieden, den trennenden Fußweg zwischen Campingplatz und Weiher auf die andere Seite zu verlegen.

Ein breiter Konsens zeichnet sich indes für einen attraktiveren Badweiher ab: Auch die langjährigen Pächter des Gewässers, die Mitglieder des Bezirksfischereivereins Wolfratshausen, sprechen sich für eine Ertüchtigung aus: "Sehr gut" sei es, wenn der Zufluss von der Straße abgetrennt werde, sagt etwa Karl Taschner. Ein von Badenden frequentierter Weiher scheint dem Fischer und Naturschützer keine Sorgen zu machen: "Dann schwimmen die Fische halt weg", sagt er.

Bis sich Mensch und Tier arrangieren müssen, würde es ohnehin noch Jahre dauern. Zurzeit wartet das Landratsamt auf die Stellungnahme vom Wasserwirtschaftsamt. Erst dann kann sie die Tiefbauarbeiten ausschreiben, was in Zeiten des Baubooms auch nicht gleich zum Erfolg führen muss. Und erst, wenn die neue Entwässerung steht, müsse sich zeigen, dass das Wasser im Weiher tatsächlich merklich besser wird - schließlich ist das Nass der Staatsstraße nicht der einzige Zulauf in den Badweiher.