Wolfratshausen Prominente Richterin wird Direktorin des Amtsgerichts

Wechsel an der Amtsgerichtsspitze: OLG-Sprecherin Andrea Titz folgt Elisabeth Kurzweil als Direktorin nach, die ans OLG wechselt.

(Foto: Christof Stache/AFP)

Elisabeth Kurzweil wechselt zurück nach München. Nachfolgerin Andrea Titz begleitete den NSU-Prozess und das Verfahren gegen Uli Hoeneß.

Von Benjamin Engel und Annette Ramelsberger

Der Wechsel an der Spitze dürfte dem Amtsgericht Wolfratshausen Aufmerksamkeit bescheren: Die bisherige Direktorin Elisabeth Kurzweil (60) ist künftig als Vorsitzende Richterin am Oberlandesgericht München tätig. Ihre Nachfolgerin wird zum 1. Juni dieses Jahr Andrea Titz. Die 47-Jährige war Sprecherin am Münchner Oberlandesgericht (OLG). In dieser Funktion stand sie während des NSU-Prozesses im Mittelpunkt des Medieninteresses. Für beide ist der Wechsel ein neuer Karriereschritt.

Bereits Mitte März hat Kurzweil den Vorsitz eines Senats für Familiensachen am OLG übernommen. Die Wolfratshauser Amtsrichterin Adelinde Gessert-Pohle bedauert zwar den Weggang, freut sich aber für ihre frühere Vorgesetzte. "Für uns ist es traurig, dass sie gegangen ist, für sie ist es aber eine Beförderung." Die offizielle Verabschiedung von Kurzweil und die Vorstellung ihrer Nachfolgerin in Wolfratshausen soll bald folgen. Der Termin stehe noch nicht fest, sagt Gessert-Pohle.

Elisabeth Kurzweil wechselt ans OLG.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Zum Jahresbeginn 2011 war Kurzweil Direktorin am Wolfratshauser Amtsgericht geworden. Sie wuchs in dem kleinen Ort Langenneufnach bei Augsburg auf und studierte Jura in München. Als junge Juristin hatte sie nach dem Zerfall der DDR in Chemnitz mitgeholfen, ein neues Rechtssystem aufzubauen und Rechtsfrieden zu schaffen. Am Landgericht München I arbeitete sie als Staatsanwältin und Richterin. Neun Jahre lang war sie Vorsitzende einer Kammer für Handelssachen. Am Amtsgericht Wolfratshausen ermöglichte sie etwa die Rechtsberatung für Menschen mit geringem Einkommen oder initiierte Rechtsschulungen für Asylbewerber.

Ihre Aufgabe als Juristin verstand Kurzweil umfassender, als nur im engeren Sinne Recht zu sprechen oder als Staatsanwältin eine Anklage auf die Beine zu stellen. Grundidee für ihre Berufswahl sei es gewesen, Rechtsfrieden zu sichern und zu schaffen, hatte sie zum Amtsantritt in Wolfratshausen betont. Deswegen setzt sie sich besonders stark dafür ein, Streitigkeiten mit Hilfe der Mediation zu lösen. Außerdem wollte Kurzweil das Amtsgericht Wolfratshausen stärker für die Bevölkerung öffnen, etwa mit Veranstaltungen zur "Woche der Justiz" oder mit einer "Krimi-Nacht" in den Gerichtsräumen.

Ihre Nachfolgerin Andrea Titz wird als Direktorin in Wolfratshausen für elf Richter und rund 70 Mitarbeiter verantwortlich sein. Vor vier Jahren hatte der damalige OLG-Präsident Andrea Titz um Unterstützung gebeten, als der Ruf des Gerichts durch die Organisation beim NSU-Prozess stark gelitten hatte. Titz wurde zum Gesicht des OLG. Sie erklärte die Position des Gerichts nicht nur im NSU-Prozess, sondern auch bei den Verhandlungen gegen den früheren Formel-1-Chef Bernie Ecclestone oder FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Auch optisch stach sie mit ihrer dunklen Mähne, hohen Stilettos und farbenfrohen Kleidern aus der juristischen Zunft heraus.

In der Oberpfalz ist Titz geboren und aufgewachsen. Die Juristin wechselte 2005 zur Staatsanwaltschaft München II. Später wurde sie dort Pressesprecherin, ehe sie der OLG-Präsident zum NSU-Verfahren holte. In der breiteren Öffentlichkeit wird Titz weiterhin präsent sein. Seit November ist sie Landesvorsitzende im bayerischen Richterverein und wird es bleiben.

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