Umstrittenes Bauprojekt Deininger Ansicht ändert sich

Bauernhäuser prägen die Ortsansicht von Deining. Weiter vorne an der Ortsdurchfahrt sollen nun aber Dreispänner und Doppelhäuser entstehen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Gemeinderat Egling befürwortet mit äußerst knapper Mehrheit und nach Kontroversen Bauanträge auf einem Grundstück an der Deiniger Ortsdurchfahrt - bevor das Landratsamt das Einvernehmen ersetzt.

Von Claudia Koestler

Ein umstrittenes Bauprojekt im Eglinger Ortsteil Deining wird konkret: Mit einer knappen Mehrheit von neun zu sieben Stimmen genehmigten die Gemeinderäte am Dienstag den Antrag für zwei Dreispänner und zwei Doppelhäuser mit insgesamt zehn Wohneinheiten entlang der Ortsdurchfahrt an der Alten Tölzer Straße. Während die einen damit den Anfang vom Ende eines bayerisch-pittoresken Bilderbuchdorfs befürchten, befürworten andere die Wohnraumschaffung vor den Toren Münchens in Zeiten von hohem Siedlungsdruck. "Eine Gemeinde, die sich der Zerstörung hingibt unter der Prämisse der Wohnraumschaffung", stöhnte jedoch ein Deininger Bürger, der nicht genannt werden wollte, nach dem Beschluss.

In einer vorangegangenen Sitzung hatten die Gemeinderatsmitglieder das Einvernehmen noch verweigert, weil die Anträge nicht dem genehmigten Bauvorbescheid entsprachen. Zwischenzeitlich hatte das das Landratsamt überprüft und kam zu dem Schluss, dass ein positiver Bescheid nicht versagt werden könne. Sollten sich die Eglinger Räte trotzdem dagegen entscheiden, werde das Einvernehmen ersetzt.

Die tiefe Spaltung über das Bauprojekt wurde am Dienstag nicht nur bei Zuschauern, sondern auch im Gemeinderat deutlich. Michael Neubauer (CSU) begründete seine Ablehnung damit, dass sich die Bebauung weder an- noch einfüge in den dörflichen Charakter. "Es ist eine vorstädtische Bebauung, die nicht nach Deining passt." Entgegen dem Landratsamt war er sehr wohl der Meinung, "dass das Ortsbild hier beeinträchtigt wird." Wenn die Kreisbehörde das Einvernehmen ersetze, "dann sollten wir so viel kommunales Selbstbewusstsein haben und das gerichtlich überprüfen lassen." Gänzlich anders sah das Stefan Kießkalt (VB). "Solche Häuser gibt es sehr wohl in Voralpendörfern wie Benediktbeuern oder Lenggries." Es sei keine übermäßige oder extreme Bebauung, sondern habe klar erkennbar getrennte Baukörper, die mit einer Garage verbunden sind. "Es ist kein Riegel", so sein Fazit. Kießkalt betonte zudem, "dass es vielleicht genau das ist, was uns weiterbringt: Mal kleinere Einheiten für Menschen, die nicht so finanzkräftig sind." Das sah Sonja Galli-Krottenthaler (FW) ähnlich: "Es herrscht eine dramatische Wohnungsnot, wir brauchen dringend Wohnraum für junge Leute, sonst sind die irgendwann weg. Neubauer erinnerte indes daran, dass man es mit einem Bauträger zu tun habe, der seinen Gewinn im Auge habe. "Ich bin mir sicher, dass hier niemals ein Einheimischer zum Zuge kommt." Hans Spindler (parteifrei) befürchtete zudem, dass "solch uniforme, gleichförmige Gebäude dicht aneinandergesetzt einen Präzedenzfall schaffen werden." Wohnraum für Einheimische entstehe so nicht: "Da muss man andere Wege gehen, etwa über genossenschaftliche Bauten." Auch Bürgermeister Hubert Oberhauser (FW) war klar, "dass bei dem Thema vielen zwei Herzen in der Brust schlagen." Doch die Rechtslage sei klar. Dem folgte schließlich die knappe Mehrheit - wenn auch begleitet vom Kopfschütteln aus den Reihen der Deininger, die der Versammlung beiwohnten.