Umstrittene Jagd:Schüsse im Moor

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Der BN-Kreisvorsitzende kritisiert die Entenjagd entlang der Loisach bei Kochel am See. Grundsätzlich ist es legal, dort die Wildtiere zu schießen. Angesichts des hohen Freizeitdrucks mahnt Friedl Krönauer aber zur Zurückhaltung

Von Benjamin Engel

Die Region um die Loisach-Kochelsee-Moore ist ein wichtiges Brut-, aber auch Überwinterungsgebiet für Vögel - und keine einsame Gegend. Bei Föhnlagen mit Wind zieht es die Wassersportler selbst in der kalten Jahreszeit auf den Kochelsee.

Umso kritischer bewertet Friedl Krönauer, dass im Vogelschutzgebiet entlang der Loisach um den Jahreswechsel intensiv Enten gejagt wurden. Einheimische hätten ihm von länger anhaltenden Schussgeräuschen rund um Brunnenbach berichtet, etwa am zweiten Weihnachtsfeiertag, so der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz (BN). "Im Loisach-Kochelsee-Moor sollte überhaupt nicht gejagt werden", sagt Krönauer. Jede zusätzliche Störung sei für andere im Winter aus nördlichen Regionen zugeflogene Vögel wie den Zwergtaucher oder die Krickente problematisch. Die Wasservögel würden aufgescheucht und flögen davon. So verbrauchten sie zusätzliche Energie, die sie benötigten, um gut durch den Winter zu kommen. "Sie verlieren wichtige Reserven", so Krönauer.

Allerdings ist grundsätzlich legal, was der BN-Kreisvorsitzende äußerst kritisch sieht. "Die Ausübung der Kirrjagd (dafür werden die Tiere mittels Auslegung von Futter angelockt, Anm. d. Red.) auf Wasserwild ist eine zulässige Form der Jagdausübung", so teilt die Pressestelle des Landratsamts Bad Tölz-Wolfratshausen auf Nachfrage der SZ mit. Gesetzlich geregelt ist, dass Stock- und andere Entenarten im Herbst und Winter bis zum 15. Januar gejagt werden dürfen. Das sei auch an der Loisach erlaubt und auch im am Fluss ausgewiesenen SPA-Gebiet - das Akronym steht für Special Protection Area, also spezielles Schutzgebiet - ebenso nicht verboten, so die Kreisbehörde. Die Jagd trage im Gegenteil zum Naturschutz bei. "Neben der im Gesetz vorgeschriebenen Pflicht zur Hege investieren Jäger nicht nur sehr viel ehrenamtliche Zeit, sondern auch beträchtliche private Gelder, um eine möglichst artenreiche und landschaftstypische Kulturlandschaft zu erhalten", erklärt die Kreisbehörde. Unzählige Tier- und Pflanzenarten profitierten davon. Zudem strebe die Untere Naturschutzbehörde an, mit den Jägern konstruktiv zusammenzuarbeiten. Ziel sei es ein "Rahmenprogramm" zur Bejagung im Gebiet zu erarbeiten.

Angesichts dessen fühlt sich der zuständige Jagdpächter unnötig angeprangert. "Es ist alles rechtens, wie das abgelaufen ist", sagt er. Warum der BN-Kreisvorsitzende die Öffentlichkeit informiert habe, ohne vorher mit ihm ein persönliches Gespräch zu suchen, verstehe er nicht. Die Pacht für das Revier an der Loisach habe er erst kürzlich übernommen. Dort sei es schon seit Jahren üblich, Enten zu jagen. Das sei wichtig, um das Artengleichgewicht zu erhalten.

Die Vorwürfe, dass zwischen Weihnachten und um den Jahreswechsel mehrmals Enten gejagt worden seien, stimme aber keinesfalls. Nur ein einziges Mal sei das geschehen und auch nicht am zweiten Weihnachtsfeiertag, sondern am Werktag danach.

Das Wechselverhältnis zwischen Jagd und Tierschutz ist immer diffizil. Davon spricht auch Wolfgang Morlang. Der Kreisvorsitzende des Jagdverbands betont jedoch, dass die Entenjagd außerhalb der Schonzeiten generell möglich sei. Dass die Öffentlichkeit alarmiert werde, wenn im Moor gejagt werde und Schüsse fallen, verstehe er. Doch müsse auch der Beitrag für das Gleichgewicht im Lebensraum gesehen werden.

Trotzdem wäre es Krönauer lieber, wenn im Schutzgebiet gar nicht gejagt würde. "Es stellt sich die Frage, ob alles was legal ist, auch als legitim angesehen werden kann", sagt der BN-Kreisvorsitzende. Am 2. Januar sei er an der Loisach vom Abfluss aus dem Kochelsee bis zur Einmündung des Lainbachs unterwegs gewesen. An diesem Tag habe er dort keinen einzigen Wasservogel mehr gesehen. Einige Hundert Meter südlich von Brunnenbach habe er ein sogenanntes Entenfloß am Fluss entdeckt. Mittels darauf platzierten Futters lockten Jäger die Vögel an. Angesichts des generellen Freizeitdrucks in der Region mahnt Krönauer zu Zurückhaltung.

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