Traumatisierte Polizisten Auszeit nach dem Albtraum

Im Ferienhaus der Polizeigewerkschaft können traumatisierte Beamte zur Ruhe kommen und ihre Erlebnisse verarbeiten.

(Foto: Manfred Neubauer)

Minister Markus Söder (CSU) übergibt die Erholungsstätte in Lenggries an die Stiftung der Polizeigewerkschaft.

Von Klaus Schieder, Lenggries

Es war am 17. September 2009, als ein 18 Jahre alter Amokläufer mit einem Beil und Molotow-Cocktails im Gymnasium Carolinum in Ansbach mehrere Schüler und Lehrer verletzte, zum Teil lebensgefährlich. Peter Gerlach ging rein, traf auf den Täter und stoppte ihn mit Schüssen aus seiner Dienstwaffe. Danach war für den Hauptkommissar nichts mehr wie vorher. Der Einsatz hatte ihn traumatisiert. Erholung fand er in dem Ferienhaus, das die Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft in dem beschaulichen Wohnviertel Fall in Lenggries eingerichtet hat. Das Gebäude hatte die Stiftung bisher vom Freistaat nur gemietet. Nun erhält sie es über ein 80 Jahre lang geltendes Erbbaurecht. Den Schlüssel für das Rückzugsdomizil überreichte Finanzminister Markus Söder am Donnerstag symbolisch an Berend Jochem, den Vorsitzenden der Stiftung.

Die Umwandlung der Miete in einen Erbbauvertrag hatte sich die Stiftung gewünscht, um in das Haus investieren zu können und langfristig Sicherheit zu haben. Seit 1999 betreibt sie das Anwesen mit sieben Appartements auf einem 3000 Quadratmeter großen Grundstück. "Sie leisten hervorragende Arbeit, ohne Sie würden Bayern und Deutschland nicht zu den sichersten Orten der Welt gehören", lobte Söder die Stiftung und die Arbeit der Polizeibeamten. Zugleich gab er bekannt, dass er als Finanz- und Heimatminister die politische Patenschaft für die Stiftung auf deren Bitte hin übernehme. Sie habe "für ihre wichtige Arbeit alle Unterstützung verdient", hob Söder hervor. Vorsitzender Jochem bezeichnete die Stiftung als "ein Netzwerk durch die Hilfe vieler Förderer und Freunde der Polizei". Zu ihnen zählten unter anderem die ehemaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und Günther Beckstein. Man brauche "einflussreiche Politiker, die die Sache der Polizei voll und ganz vertreten", erklärte Jochem.

In dem Ferienhaus in Lenggries sollen Polizeibeamte, die in ihrem Dienst traumatische Erlebnisse hatten, zur Ruhe kommen und ihre Erfahrungen verarbeiten können. Aber nicht nur sie. Das Domizil ist auch für Mitarbeiter anderer Sicherheitsbehörden wie Zoll, Feuerwehr oder Justiz gedacht. Sie müssen dort nicht allein leben, sondern können ihre Angehörigen mitbringen. Neben dem Anwesen in Lenggries unterhält die Stiftung ein Haus in Niedernach. Peter Gerlach litt nach dem Einsatz im Carolinum an Kopfschmerzen, Albträumen und Unruhezuständen. "Es war ein schwieriger Schritt zu erkennen, dass etwas mit mir nicht stimmt", sagte er 2010 bei seinem Aufenthalt in Lenggries.