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Technik:Die Robo-Jungs von Wolfratshausen

Viktor Lorentz und Vincent Jeltsch sind kaum volljährig, entwickeln aber schon kleine Maschinen und programmieren Apps. Jetzt geben sie Kurse für Kinder.

Während andere nach dem Abitur erst einmal ferne Länder bereisen, wollen diese beiden die Welt ein kleines bisschen besser machen. Dafür mischen Viktor Lorentz und Vincent Jeltsch gerade die digitale Welt auf - von Wolfratshausen aus. Zum einen mit ihrer selbst entwickelten App "Swapd": Weil damit jeder Gebrauchsgegenstände tauschen kann, statt sie kaufen zu müssen, wollen sie so das Thema Nachhaltigkeit als Lebensstil verbreiten. Zum anderen geben sie ihr Wissen in Sachen Technik ehrenamtlich mit "Robotik-Kursen" für Kinder weiter und begeistern so eine neue Generation für das "Selbermachen" von elektronischen Spielen und Anwendungen.

Technikaffin sind Lorentz (18) und Jeltsch (19) seit frühester Jugend. Getroffen haben sich die beiden Freunde aus Wolfratshausen und Egling zum ersten Mal, als sie in die fünfte Klasse des Gymnasiums Icking wechselten. Zwar konnten sie dort schon erste technische Projekte im Rahmen des Unterrichts umsetzen, etwa Stop-Motion-Filme mit Legofiguren. Doch sie wollten mehr. "Wir haben es immer vermisst, nicht nur Dinge zu nutzen, sondern eben auch selbst zu kreieren", erzählt Lorentz. Also brachten sie sich nach und nach das Wissen um aktuelle Techniken und Programmierungen selbst bei und bezogen ihre Informationen aus Portalen, Foren und Videos im Internet. Als sie vor drei Jahren als Austauschschüler nach Vancouver gingen, brach sich Jeltsch beim Snowboarden das Schlüsselbein. "Weil ich deshalb sonst wenig machen konnte, habe ich angefangen, kleinere Spiele zu programmieren", erzählt Jeltsch.

Vincent Jeltsch (li.) und Viktor Lorentz sind beide gerade erst volljährig - und geben ihr Wissen schon an den Technik-Nachwuchs weiter.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Zunehmend wurde den beiden bewusst, dass ihnen der Verkauf ihrer gebrauchten Gegenstände über herkömmliche Flohmarkt- oder Verkaufsportale keinen Spaß machte. "Es blieb oft das Gefühl, etwas unter Wert zu verkaufen." So wurde die Idee geboren, Menschen und ihren Besitz für den Tausch zusammenzubringen. Filme, Videospiele oder auch Freizeitartikel sollten lokal, übersichtlich und schnell den Besitzer wechseln. Das schaffe weniger Abfall und mehr Abwechslung, außerdem bringe jeder Austausch neue Leute zusammen. "Wir glauben, dass Menschen grundsätzlich gerne einander helfen und Gutes tun", sagen sie. Dazu gehöre eben auch, Alltagsgegenstände sinnhaft weiterzugeben. Geld fließt nicht, die App finanziert sich über Werbung. "Wenn wir es schaffen, dass das Durchtauschen funktioniert, dann hat jeder Zugang zu unendlich vielen Dingen", sind beide überzeugt. Für sie muss Nachhaltigkeit nämlich nicht heißen, Opfer zu bringen. "Man muss es den Leuten nur einfach machen und darf den Spaß nicht vergessen". Das zu belegen und umzusetzen ist ihre Idee hinter der App.

Spaß an den modernen Möglichkeiten zu haben, diese Philosophie gilt aber genauso auch für ihre Robotik-Kurse an der Wolfratshauser Schule der Phantasie (Klecks), die sie "als Ausgleich" für ihre Arbeit als Gründer eines Start-up-Unternehmens für "Swapd" geben. Sie selbst mussten sich ihr Wissen hart erarbeiten, "die Kinder sollen es da besser haben", erklären sie ihr Ehrenamt. Schließlich sei "immer mehr möglich, als man vielleicht anfangs denkt." Lorentz und Jeltsch verstehen ihren Kurs als "Technikspielplatz". Sie lassen den Kindern viel Spielraum für eigene Ideen und Entwicklungen, zeigen ihnen aber, wie man sich Wissen auch selbst beibringen kann. Einige Roboter haben die 12 Kinder des Kurses bereits gebaut, zudem arbeiten sie gerade an einer fast originalgroßen Nachbildung des "R2-D2"-Roboters aus den "Star-Wars"-Filmen. Dafür können sie bei Klecks inzwischen sogar einen 3D-Drucker nutzen. Und wenn es nach dem Wunsch der beiden Kursleiter geht, soll der Kurs künftig noch größer werden. "Schön wäre es, wenn es sich zu einem Maker-Shop ausweiten würde, zu dem jeder Technikinteressierte einfach kommen kann." Längst blieben schließlich auch die Eltern begeistert mit dabei, wenn ihre Kinder dort schrauben und programmieren. Inzwischen gibt es sogar eine Warteliste.

3D-Drucker dank Crowdfunding

Die Anschaffung des 3D-Druckers, den Viktor Lorentz und Vincent Jeltsch in ihren Robotik-Kursen an der Schule der Phantasie (Klecks) nutzen, ist das Ergebnis des ersten erfolgreichen Crowdfunding-Projekts, das die Raiffeisenbank Isar-Loisachtal ermöglichte. Seit Februar 2016 ist die Crowdfunding-Plattform der örtlichen Raiffeisenbank online, am Donnerstag wurde sie offiziell vorgestellt. Crowdfunding ist ein neues, onlinebasiertes Finanzierungsmodell, bei dem eine Vielzahl von Menschen mit kleinen Spendenbeiträgen einem Projekt zur Umsetzung verhelfen. "Das entspricht unserem genossenschaftlichen Grundprinzip, was einer nicht schafft, schaffen viele", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl Hupp. Das traditionelle Engagement der Raiffeisenbank für soziale Einrichtungen ändere sich durch das Crowdfunding nicht, sondern werde ergänzt, sagte Andreas Pentenrieder. Das Spendenbudget der Bank wurde deshalb um 10 000 Euro aufgestockt, die in das Crowdfunding fließen. Denn für jede Spende von Bürgern, die fünf Euro übersteigt, legt die Raiffeisenbank ihrerseits fünf Euro für das Projekt dazu. Die Bank ruft dazu auf, Projekte einzureichen. Voraussetzungen sind Projekte in der Region Isar-Loisachtal, die durch einen Vereinsvorstand legitimiert sind, damit Spendenquittungen ausgestellt werden können. Die Bank sichtet die Projektbeschreibung und wenn sie sinnvoll ist, beginnt die Startphase. Innerhalb von zwei Wochen müssen genug Fans gewonnen werden. Sind genug überzeugt, beginnt die Finanzierungsphase. Innerhalb von 90 Tagen müssen genügend Spender die Projektsumme geben. Im Erfolgsfall erhalten die Spender als Dank Geschenke der Begünstigten. Wird sie nicht erreicht, erhalten alle Unterstützer ihr Geld zurück. Die Spendensumme der Raiffeisenbank wird dennoch ausbezahlt. Das erste Projekt "KlecksX - Technik entdecken" schaffte es sogar in 30 Tagen, die rund 2000 Euro für den 3D-Drucker einzusammeln. Zwei weitere Projekte sind derzeit noch am Start: ein Klettergerüst für den Kindergarten St. Andreas sowie Übungsgeräte für die Feuerwehr Neufahrn links der Isar suchen noch Spender. cjk

Was die Kinder des Robotik-Kurses bereits gebaut haben, lässt sich am Samstag, 4. Juni, im Rahmen der Klecksinale bewundern. Von 13 bis 18 Uhr, in den neuen Räumen der Schule, Untermarkt 65. Nähere Informationen zur Tausch-App unter www.swapd.de; Download für Android- oder iOS-Geräte ist über alle gängigen App-Stores möglich.

© SZ vom 03.06.2016
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