Steigende Preise Günstige Wohnungen

Rund 3,9 Millionen Euro zahlte die Stadt Bad Tölz für die Häuser an der Osterleite. Dort entstanden 18 Wohnungen zu günstigen Mietpreisen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Ein Gesprächsabend im Tölzer Kurhaus dreht sich um die Frage, wie Städte und Gemeinden preiswert bauen und damit auch die angespannte Lage auf dem Immobilienmarkt stabilisieren können.

Von Klaus Schieder

Städte und Gemeinden stehen vor einer großen Herausforderung. Sie geraten unter Druck, weil die Bürger mehr bezahlbare Wohnungen fordern. Seit mehr als einem Jahrzehnt steigen die Preise für Immobilien und für Mieten unaufhaltsam an. Und doch hat es fast ebenso viele Jahre gedauert, bis die Politik dieses Problem endlich erkannt hat.

"In Zeiten, in denen sich vor allem einheimische Familien auch in unserer Region die in die Höhe steigenden Grundstücks- und Mietpreise immer weniger leisten können, ist der kommunale Wohnungsbau eine der zentralen Aufgaben", sagt der stellvertretende Landrat Thomas Holz (CSU).

Wie diese Herausforderung gestemmt werden kann, ist Thema bei dem Kommunalen Wohnungsbaugespräch, das die Bauinnung Bad Tölz und der Bayerische Ziegelindustrie-Verband (BZV) am Donnerstag, 14. Februar, 17 Uhr, im Tölzer Kurhaus veranstalten. Über die Lage auf dem Wohnungsmarkt und in der Baubranche diskutieren außer dem stellvertretenden Landrat Holz auch der Tölzer Bürgermeister Josef Janker (CSU), BZV-Vorsitzender Johannes Edmüller und Herbert Kozemko, Obermeister der Tölzer Bauinnung. Außerdem informieren Bauexperten in Kurzvorträgen über Möglichkeiten, wie Kommunen günstigen Wohnraum und gute Qualität schaffen können. Das Motto des Abends lautet: "Bezahlbarer Wohnungsbau - nachhaltig, wohngesund und kosteneffizient".

Für Edmüller hat die Politik einen erklecklichen Anteil an der momentanen Situation auf dem Wohnungsmarkt. Die Abschaffung des sozialen Wohnungsbaus im Jahr 2001 und der Eigenheimzulage fünf Jahre später hätten zur aktuellen Krise beigetragen, meint der BVZ-Vorsitzende. Immerhin hätten Berlin und München mittlerweile erkannt, "dass das gesellschaftliche Megathema Bauen nur mit Unterstützung der Politik gemeistert werden kann". Für Edmüller gäbe es einige Wege, um die Bauwirtschaft und damit auch den Immobilienmarkt wieder zu stabilisieren. Um mehr Boden für Neubauten zu bekommen, bedürfte es seiner Ansicht nach zum Beispiel "steuerlicher Regelungen, die den Verkauf von Baugrund für Landwirte attraktiver machen". Außerdem sollten die Bauherren selbst darüber entscheiden dürfen, mit welchen Baustoffen und Technologien die Vorgaben zum Energieeinsparen bei ihrem Bauprojekt erreicht werden sollen. "Das würde die Genehmigungsverfahren beschleunigen, das Bauen günstiger machen und damit den angespannten Wohnungsmarkt zügiger entlasten", verdeutlicht der BZV-Vorsitzende.

Der Gesprächsabend im Kurhaus ist für Bürgermeister Janker ein Baustein, um "das Thema bezahlbarer Wohnraum aktiv anzugehen" und auch die Debatte darüber ein wenig transparenter zu gestalten. Die Kurstadt schuf in den vergangenen beiden Jahren in Eigenregie drei Häuser mit 18 preiswerten Wohnungen an der Osterleite. Kostenpunkt: rund 3,9 Millionen Euro. Davon zahlte der Freistaat etwa 1,5 Millionen Euro. Damit bietet Bad Tölz insgesamt 320 Wohnungen zu bezahlbaren Mieten an. Für Janker spielt dabei auch die richtige Bauweise eine Rolle. Kurz und halb im Scherz gesagt: "Ich lebe gerne in der Steinzeit." Damit widerspricht er dem Credo, dass nur Holzbau modern sei. Der Mauerwerk-Ziegelbau, so der Rathauschef, habe sich über die Jahrhunderte bewährt und komme ohne zusätzliche Dämmstoffe, Dichtungen, Folien und Dampfsperren aus, die teuer seien. So könne man kosteneffizient und qualitativ hochwertig bauen. "Ein Ziegelbau ist nachhaltig, weil nach der Lebensdauer eines Massivhauses die nachfolgenden Generationen nicht mit der umweltschädlichen Entsorgung von Sondermüll wie Styropor belastet werden."

Wie Kommunen preiswert und umweltfreundlich bauen können, erläutern drei Bauexperten in kurzen Referaten. Neue Prüf- und Dokumentationspflichten, die auf Unternehmen im Wohnungsbau über das Bauordnungsrecht zukommen, erklärt Peter Bachmann. Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum gesundheitlichen Mindestschutz in Gebäuden. "Hier auf der sicheren Seite zu sein, ist ein Gebot der Stunde", meint der Geschäftsführer der Sentinel Haus Institut GmbH. Am Beispiel eines neuen Mehrfamilienhauses mit sechs Sozialwohnungen in Warngau zeigt Hans Epp auf, wie Kommunen mit dem Mauerziegel die vorgegebenen Standards erreichen. "Das sollte in den Rathäusern ankommen, denn der kommunale Wohnungsbau wird künftig für günstigen Wohnraum sorgen müssen", so der Inhaber der Nürnberger & Epp Bau GmbH.

54 Smart Homes für 120 bedürftige Menschen: Dieses Bauprojekt der Stadt Frankfurt, des Roten Kreuzes und der Wohnsiedlungsgemeinschaft Niederfeld stellt Markus Gildner, Verwaltungsrat der Solgarden GmbH, vor. Dort leben Flüchtlinge, Alleinerziehende, junge Familien und Senioren in Reihen- und Mehrfamilienhäusern beisammen, die in Passivhausbauweise errichtet wurden. Eine Besonderheit: Rollläden, Licht und Heizung werden über das Sprachsystem Alexa gesteuert. Das erspare das Verlegen von Kabeln und Schaltern.