Revue mit Texten und Musik Die Revoluzzer und ihre Spuren

Das Programm des Revue-Abends präsentierten Historiker Michael Holzmann, Vereinsvorsitzende Sybille Krafft, ihr Stellvertreter Bernhard Reisner und Kabarettist Claus Steigenberger (v. li.).

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Historische Verein Wolfratshausen erinnert an den Ausbruch der bayerischen Revolution am 7. November 1918 - nicht zuletzt in der Loisachstadt selbst.

Von Claudia Koestler

Während Tausende von Menschen gerade auf die Theresienwiese strömen, will ein fünfjähriger Bub mit seinem Bruder einfach nur spielen. Doch die Hoftüre zur Straße mag nicht aufgehen. Als die Kinder sie schließlich doch aufstemmen, erkennen sie den Grund: Ein Mann liegt davor, erschossen in den Wirren der bayerischen Revolution. Es ist das Jahr 1918, genauer gesagt der 7. November.

Der kleine Bub wird später der Vater des Schauspielers und Kabarettisten Claus Steigenberger und erlebte damals, wie eine Gruppe linker Oppositioneller die Wittelsbacher vom Thron vertrieb und in München eine blutige Revolution ausbrach. Einen Tag später sollte Kurt Eisner die Republik ausrufen. Auf den Tag genau 100 Jahre später erinnert nun der Historische Verein Wolfratshausen mit einem abendfüllenden Programm an die sozialistische Umwälzung und die darauf folgende Räterepublik mit ihren Konflikten zwischen "Roten" und "Weißen" Garden - mit einem besonderen Fokus auf das Oberland. Denn auch und besonders in Wolfratshausen hat diese turbulente Zeit Spuren hinterlassen, die das Programm "War einmal ein Revoluzzer ... " am Mittwoch, 7. November, im Pfarrheim Sankt Andreas nachzeichnet.

Der Geretsrieder Historiker Michael Holzmann wird den Hauptvortrag halten, der "Gewerkschaftchor Quergesang" sowie weitere Künstler untermalen den Abend mit Revolutionsliedern, und Claus Steigenberger wird Passagen aus Werken von Schriftstellern wie Oskar Maria Graf, Erich Mühsam und Victor Klemperer lesen, die ihre Eindrücke der damaligen Ereignisse schilderten. Holzmann strukturiert seinen Vortrag in drei Teile: Zunächst will der Kenner dieser Zeit darlegen, wie es zu den Ereignissen am 7. November 1918 kommen konnte. In der zweiten Passage erläutert er die weiteren Entwicklungen bis hin zur Niederschlagung. Den verbleibenden Part widmet der Historiker den Geschehnissen im damaligen Landkreis Wolfratshausen und dem Marktflecken an der Loisach. Holzmann hat dafür lange und intensiv Akten, Unterlagen und alte Wochenblätter im Staatsarchiv durchforstet. "Daraus ist quasi als Extrakt der Vortrag entstanden", erklärte er am Donnerstag bei einem Pressegespräch. Doch auch amüsante Episoden hätten sich abgespielt, eine besondere Rolle spielte dabei der Wolfratshauser Humplbräu. Näheres aber wollte Holzmann nicht vorab verraten, um die Spannung aufrecht zu erhalten.

"Die allgemeinen Revolutionsereignisse sind gut erforscht", erklärte auch die Vereinsvorsitzende Sybille Krafft. "Aber die Geschichte hier in der Region ist etwas Besonderes", betonte sie. Krafft wird den Vortrag von Holzmann mit der weiblichen Sichtweise ergänzen: "Auch wenn die Akteure auf der politischen Bühne Männer waren, dürfen die Frauen nicht vergessen werden. Sie hatten das Elend des Ersten Weltkriegs an der Heimatfront erlebt, die kämpfenden Truppen versorgt, sie gepflegt, Angehörige verloren und ihre politischen Schlussfolgerungen daraus gezogen." Das habe dazu geführt, dass sie die Revolutionsstimmung entscheidend mitgetragen hätten, sagte Krafft.

Die Veranstaltung "War einmal ein Revoluzzer ... " findet am Mittwoch, 7. November, im Saal des Pfarrheims Sankt Andreas Wolfratshausen statt. Anmeldungen unter Telefon 08171/34 59 05 oder per E-Mail an info@histvereinwor.de. Einlass ist von 19 Uhr an, Beginn um 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet zehn Euro. Da der Platz begrenzt ist, wird um Pünktlichkeit gebeten.