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Neue Parkregeln und eine eigene App:Rettung für Kochel- und Walchensee

Ein typisches Bild am Walchensee: Kein Durchkommen zum Strand vor lauter parkenden Autos.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Tourismus-Berater Christian Oberleiter präsentiert das Konzept, das er mit Beteiligten und Fachleuten gegen Verkehrschaos und für mehr Lebensqualität erarbeitet hat

Eine Verkehrsanalyse, Parkgebühren, ein Parkleitsystem, gezieltes Umlenken auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und eine eigene App: Dies sollen die Säulen des "Walchenseekonzepts" sein, mit dem das Verkehrschaos rund um Walchen- und Kochelsee behoben, Touristen besser informiert und die Lebensqualität der Bewohner verbessert werden sollen. Berater Christian Oberleiter hat den Entwurf am Freitag auf Einladung des Landratsamts in der Jachenau vorgestellt. Er hat die Infrastruktur rund um den Walchensee untersucht und mit Arbeitsgruppen Lösungsansätze erarbeitet. Dabei waren neben Politikern auch Vertreter des Bunds Naturschutz, des Segelclubs Walchensee, der Bergwacht Kochel und des größten Grundeigentümers am Walchensee, der Bayerischen Staatsforsten. Landrat Josef Niedermaier (FW) zeigte sich begeistert: "Ich finde es ganz toll, was hier in den letzten Monaten geschehen ist und erarbeitet wurde."

Mit am Tisch saß Richard Huber, der zweite Bereitschaftsleiter der Kochler Bergwacht. Dass am Walchensee etwas geschehen muss, steht für ihn außer Frage. "Wir haben Tage, an denen bis zu 30 Autos die für den öffentlichen Verkehr gesperrte Straße nach Sachenbach hinterfahren. An schönen Wochenenden haben wir am Kesselberg immer Stau. Früher gab's das vielleicht an ein bis zwei schönen Herbstwochenenden."

"Google Maps austricksen"

Oberleiter, Management-Trainer und Tourismus-Berater, stellte eine Liste von 14 Maßnahmen vor, die erforderlich seien. Zunächst einmal steht eine sorgfältige Verkehrsanalyse auf dem Plan. Dazu komme ein "klares Ja" zu Parkgebühren, eine deutlichere Beschilderung rund um den See und ein Parkleitsystem. Oberleiter schlägt zudem ein Park-and-Ride-System vor und eine Verkehrsregulierung. Man müsse "Google Maps austricksen", damit nicht zu viele Autofahrer den Weg über die Bundesstraße 11 am Walchensee entlang nehmen. Wichtig erscheint dem Berater eine Stärkung des ÖPNV. Man habe die Bahnhöfe Lenggries und Kochel in unmittelbarer Nähe. Diese günstige Lage solle genutzt werden, um mehr Menschen in Busse und Bahnen zu locken.

Oberleiter, der das Entwicklungskonzept für die Gemeinden Kochel am See, Jachenau und den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen erstellt, betonte: "Mir ist die Region ans Herz gewachsen. Das reizvolle Wechselspiel von Walchen- und Kochelsee ist einzigartig." Allerdings sei auch viel zu tun, was die Verkehrslenkung und die Digitalisierung angeht. In der Bevölkerung herrsche ein "Veränderungsdrang", zudem liege ökologisches Denken im Trend, gleichzeitig bestehe eine Sehnsucht nach Bewegung und nach "digitaler Auszeit". Dies müsse man nutzen. Man dürfe jedoch auch die Risiken nicht aus den Augen verlieren. Die steigende Mobilität führe regelmäßig zu einem Verkehrschaos, was bei gleichzeitigem Bevölkerungszuwachs in der Region eine Beeinträchtigung der Lebensqualität bedeute. Oberleiter warnt eindringlich vor einem Point of no Return, einem Kollaps, den man nur verhindern könne, indem man tätig werde. "Es liegt extrem viel Arbeit vor uns", sagte der Berater. Auch gebe es keine "Schnell-schnell-Lösung". Man müsse weg von den Verboten und hin zu den Geboten, um die Menschen nicht zu vergraulen.

Speziell am Südufer will Oberleiter das Konzept der Nachtstellplätze überarbeitet wissen, auch müsse geklärt werden, wer die Überwachung und Kontrolle der Gebote übernimmt und wie hoch die Bußgelder und Strafen bei Nichtbeachtung ausfallen. Am Südufer soll ein Naturlehrpfad angelegt werden, darüber hinaus ist eine Tageskurkarte in der Diskussion. Oberleiter regt an, die Pressearbeit zu verbessern, um das Bewusstsein in der Bevölkerung für die Situation am Walchen- und Kochelsee zu schärfen.

Zuletzt empfiehlt der Tiroler Touristiker eine App für Tagesbesucher, Übernachtungsgäste und Durchreisende. Dieses digitale Instrument könnte "Informationen zur aktuellen Parksituation und zum Verkehr liefern, man könnte online Parktickets erwerben, sich über ÖPNV-Anbindungen informieren, Veranstaltungen ankündigen und Attraktionen präsentieren sowie Verleihangebote online stellen".

Nun ist es an den Kommunen und dem Landkreis, die erarbeiteten Lösungsansätze in die Tat umzusetzen. "In dieser Hinsicht können wir von den Tirolern noch etwas lernen", sagte Landrat Niedermaier. Für ihn ist die Regelung des Verkehrs das drängendste Problem. "Wenn die ersten Ergebnisse da sind, wird diese Runde wieder einberufen."