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Millionenprojekt:Knappe Mehrheit für Fraas-Schule

Die Sanierung und Erweiterung der Wolfratshauser Hammerschmiedschule beschäftigt die Stadt seit mehr als fünf Jahren. Nun wird ein weiteres Kapitel hinzugefügt mit der Prüfung einer alternativen Planung.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Wolfratshauser Stadtrat beschließt, den Entwurf des CSU-Mitglieds für die Einrichtung am Hammerschmiedweg prüfen zu lassen. So soll ein Vergleich mit den bisherigen Plänen der Architekten möglich werden.

Von Konstantin Kaip

Seit mehr als fünf Jahren befasst sich der Wolfratshauser Stadtrat mit der Sanierung und Erweiterung der Hammerschmiedschule. Am Mittwoch sollten nun im zweiten Anlauf die Einsparungen für das größte Bauprojekt der Kommune beschlossen werden, mit dem bislang das Münchner Architekturbüro karlundp beauftragt ist. Dazu kam es indes nicht. Nach langer Diskussion stimmte das Gremium mit der denkbar knappsten Mehrheit von 13 zu zwölf für einen Antrag von CSU und Wolfratsauser Liste, ein alternatives Konzept für den Schulbau prüfen zu lassen, das von Stadtrat Alfred Fraas (CSU) stammt. Die Prüfung durch einen "Projektmanager" soll eine Vergleichbarkeit mit der Planung der Architekten ermöglichen, für die bereits 700 000 Euro ausgegeben wurden. Wie lange sie dauert und wie viel sie kostet, bleibt zunächst offen.

Fraas hatte zwischen Januar und Juni kurzerhand selbst eine Schule geplant, weil sich eine Kostenexplosion für das Großprojekt abgezeichnet hatte. Die Architekten, die in ihrer Machbarkeitsstudie noch von 30 Millionen Euro ausgegangen waren, hatten eine Kostenberechnung für alle vom Standrat beschlossenen Module inklusive Lehrschwimmbecken, Tiefgarage und Aula-Neubau vorgelegt, die auf 60 Millionen Euro kam. Dass man sich das nicht leisten könne, ist Konsens im Stadtrat. Bei einer Klausur im Sommer hatte Fraas dann seinen Entwurf vorgestellt, der einen Holz-Neubau, eine multifunktionale Glaspyramide als Aula und Mensa, sowie eine zusätzliche Dreifachturnhalle mit Pausenhof auf dem Dach und Garage im Erdgeschoss vorsieht. Anders als im Konzept von karlundp soll die alte Madlschule nicht abgerissen, sondern nur saniert werden. In einer Kostenschätzung, die ein Geretsrieder Ingenieurbüro aufgrund der Fläche ermittelte, kommt Fraas auf 29,6 Millionen Euro. Es sei "fahrlässig, diesen Beschluss abzulehnen" und die Chance auf eklatante Einsparungen nicht zu ergreifen, begründete CSU-Sprecher Peter Plößl den Antrag.

Er habe sich mit Fraas' Entwurf "intensivst auseinandergesetzt", sagte der Schulentwicklungsreferent Fritz Meixner (SPD). Er überzeuge ihn jedoch nicht. So sei die im karlundp-Konzept mit Schulleitung und Behörden abgestimmte Funktionalität der Schule mit klarer Abgrenzung von Grund- und Mittelschule, notwendigen Ganztagsräumen und mehr "hier nicht gegeben". Mit einer Prüfung von drei bis vier Monaten sei es auch nicht getan, sagte Meixner. "Wenn wir uns entscheiden, mit der Fraas-Variante weiterzumachen, braucht es diese intensive Arbeit mit den Nutzern noch einmal ganz von vorn." Er betonte die Dringlichkeit zusätzlicher Räume für die Grundschule. Ohne sie brauche es teure Container, die laut Architekten mehr als fünf Millionen Euro kosten. "Wenn wir diese lange Schleife drehen, brauchen wir Interimslösungen für unsere Grundschüler."

Meixner und andere Stadträte äußerten auch erhebliche Zweifel, ob Fraas' Kostenschätzung Bestand habe. Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) plädierte dafür, bei der bisherigen Planung zu bleiben, die nach Einsparungen für 36 Klassenzimmer und Schwimmbad etwa 43,5 Millionen Euro koste. Sie werde modular durchgeführt, zunächst könne man den Grundschulsatellit mit Mensa für etwa 20 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren errichten, später die Mittelschule in Auftrag geben. Es liege ein "abstimmungsfähiges Konzept" vor, sagte seine Fraktionskollegin Ulrike Krischke. Fraas' Entwurf sei hingegen in der Planungstiefe vergleichbar mit der Machbarkeitsstudie. Ihn nun zu prüfen, sei mit erheblichem Zeitaufwand verbunden und "würde bestimmt auch die 40-Millionen-Marke überschreiten". Die geforderte Untersuchung nannte sie in Anlehnung an Plößls Appell "hinsichtlich Nutzen und Kosten einen fahrlässigen Umgang mit Steuergeldern".

Anders sahen das unter anderem Helmut Forster (Wolfratshauser Liste) und Fritz Schnaller (SPD). Für etwa 50 000 Euro könne man in einigen Monaten eine "fachlich qualifizierte Einschätzung" als Vergleichsgrundlage bekommen, sagte Schnaller. Und Forster zeigte sich zuversichtlich, dass die anvisierte Fertigstellung der Grundschule bis 2029 eingehalten werden könne. Am Ende stimmten 13 Stadträte für den Antrag: neben den geschlossenen Fraktionen von CSU und Wolfratshauser Liste auch Fritz Schnaller (SPD), Hans Schmidt (Grüne), sowie Josef Praller, Peter Ley und Helmuth Holzheu (alle BVW).

Die Planungen der Architekten liegen damit zunächst auf Eis, der Prozess der Schulentwicklung geht in die nächste Runde. Immerhin konnten die Stadträte am Mittwoch zwei Eckpunkte festlegen. So bekannten sie sich mehrheitlich zum Erhalt der Grundschule in Weidach. Sie in die Hammerschmiedschule zu integrieren, wurde mit 14 zu elf Stimmen abgelehnt. Laut einstimmigem Beschluss sollen die vier zusätzlichen Klassenzimmer dort aber dennoch realisiert werden: als Interimsräume für die Weidacher Schüler und als Puffer für steigende Schülerzahlen. Auch die bislang verfolgte Variante, die einen gemeinsamen zentralen Mittelschulstandort am Hammerschmiedweg vorsieht, mit Option auf eine Ganztagsgrundschule in Waldram, wurde mit 17 zu acht als "Grundlage weiterer Planungen" beschlossen.

© SZ vom 20.11.2020/aip

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