Max Mannheimer Ein wichtiger Fürsprecher, ein Freund

Max Mannheimer hat sich von Beginn an dafür eingesetzt, das Waldramer Badehaus zu erhalten und zu einer Gedenkstätte zu machen. Sybille Krafft und Otto-Ernst Holthaus erinnern sich.

Von Ingrid Hügenell

"Er war für mich persönlich, aber auch für unseren Verein ein ganz besonderer Freund." Das sagt Sybille Krafft über Max Mannheimer, der am Freitag im Alter von 96 Jahren gestorben ist. Der Überlebende der Konzentrationslager Dachau und Auschwitz war immer wieder als Zeitzeuge im Landkreis gewesen. Vor allem aber unterstützte er die Bemühungen, das Badehaus in Waldram, im früheren Lager Föhrenwald, zu erhalten und zu einer Erinnerungsstätte zu machen. Am Freitagnachmittag wird dort Richtfest gefeiert, aber fröhlich und unbeschwert wird die Feier nicht werden. Denn Max Mannheimer erlebt sie nicht mehr mit.

Zwar hätte er ohnehin nicht mehr nach Waldram hinauskommen können, sagt Sybille Krafft - zu krank und schwach sei er eben schon gewesen. Aber sie hatte Max Mannheimer, den sie als väterlichen Freund bezeichnet, versprochen, ihm von der Feier zu berichten. Stattdessen wird sie nun an ihn erinnern. Daran, wie er darauf bestand, im neu gegründeten Verein "Bürger für das Badehaus" Mitglied Nummer 1 zu werden. Wie er später gerne die Ehrenmitgliedschaft annahm, aber dennoch darauf bestand, seinen Mitgliedsbeitrag zu bezahlen. Wie er immer wieder zu Veranstaltungen kam. Wie er nicht weitersprechen konnte, weil ihn die Gefühle, die Erinnerungen überwältigten, als er berichtete, wie er sich im Lager Föhrenwald um die "Hardcore cases" kümmerte, die Menschen, die vom Konzentrationslager schwer gezeichnet waren, körperlich wie seelisch. Die Szene ist in einem Youtube-Video über die Kinder vom Lager Föhrenwald zu sehen.

2013 zeichnete Max Mannheimer in der Wolfratshauser Berufsschule die Stationen seines Lebens an der Tafel nach, links Religionslehrer Rene Vollmar.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Das Lager für Displaced Persons in Waldram kannte Mannheimer aus eigener Anschauung sehr gut. Er arbeitete dort für eine amerikanisch-jüdische Organisation, unterstützte die jüdischen Überlebenden des Holocausts, darunter eben auch die besonders schwer traumatisierten, die dort von 1945 bis 1956 untergebracht waren und versuchten, in einen normalen Alltag zurückzufinden.

So war es nur folgerichtig, dass Sybille Krafft, die Mannheimer mehr als 20 Jahre kannte, bei ihm Rat und Unterstützung suchte, als sie und ihre Mitstreiter 2012 den Plan gefasst hatten, das Badehaus zu retten. "Er hat uns ermutigt und bestärkt, diesen Kampf aufzunehmen", sagt sie. Eine wertvolle Unterstützung war das, ohne die das Projekt es mindestens viel schwerer gehabt hätte. "Seine Stimme hatte Gewicht und wurde überall gehört." Auch von skeptischen Politikern.

Doch Krafft hat nicht nur einen Mitstreiter verloren, sondern auch einen Freund, an den sie sich gerne erinnert. "Er war ja ein großer Charmeur, ein Freund der Frauen. Er konnte wunderbar Geschichten erzählen, auch Witze", sagt sie. "Ich konnte ihn immer um Rat fragen. Er war immer für mich da."

Auch viele junge Leute im Landkreis konnten Max Mannheimer über die Jahre erleben, denn fast bis zuletzt kam er in die Schulen, um von seinem Leben als verfolgter Jude in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur zu berichten. "Es war faszinierend zu sehen, welche Verbindung er zu jungen Menschen hatte", sagt Krafft. "Wie die aufmerksam zugehört haben, weil sie gespürt haben, dass er echt und aufrichtig war. Und weil sie gespürt haben, dass er weiß, wovon er spricht."

Sybille Krafft mit Max Mannheimer auf dem Weg zum Badehaus.

(Foto: Hartmut Pöstges)

In seiner Erinnerungsarbeit war Mannheimer immer wieder gemeinsam mit Otto-Ernst Holthaus unterwegs. Der Gründer des Isarkaufhauses hatte als Jugendlicher den Todesmarsch von Dachauer KZ-Häftlingen an seinem Elternhaus vorbeiziehen sehen und widmet sich auch mit mittlerweile 85 Jahren dem Kampf gegen das Vergessen. Die Nachricht vom Tod Mannheimers erreichte Holthaus im litauischen Kaunas, auf einer Sühnereise mit einer Gruppe zu Orten, an denen die Nazis schreckliche Verbrechen verübten. Zur Beerdigung am Dienstag kann er deshalb nicht kommen. "Ich bin in seinem Sinne auf den Spuren der Ermordeten unterwegs", sagt er am Montag, "da hat der Max mehr davon." Mit Mannheimer habe ihn eine langjährige, tiefe Freundschaft verbunden. "Wir kennen uns seit gut dreißig Jahren und waren fast wöchentlich in Kontakt." Nun pflegt Holthaus den Kontakt zu Mannheimers Familie und will die Erinnerungsarbeit weiterführen.

Denn wie Mannheimer gesagt habe: "Wir machen uns schuldig, wenn wir nicht laut und deutlich für die Demokratie eintreten und das Unrecht nicht anprangern." Auch zum Richtfest des Badehauses wird Holthaus nicht kommen können. Denn am Freitagnachmittag will er mit Max Mannheimers Tochter Eva Faessler das Grab des Freundes auf dem jüdischen Friedhof in München besuchen.