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Leerstand in den Citys:Wo die Ödnis droht

Immer mehr Leerstand macht Städten und Gemeinden zu schaffen. Im Landkreis und in Penzberg finden Kommunen unterschiedliche Strategien, um ihre Zentren attraktiver zu gestalten. Eine wichtige Rolle spielen City-Manager.

Die Innenstädte drohen zu veröden: Davor warnt eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung und des Handelsverbands Deutschland (HDE) aus diesem Jahr. Besonders betroffen sind demnach Klein- und Mittelstädte. Leerstände sind auch in der Region keine Seltenheit. Städte wie Wolfratshausen, Geretsried (Bad Tölz-Wolfratshausen) oder Penzberg (Weilheim-Schongau) beschreiten unterschiedliche Wege, wie sie ihre Zentren für die Bürger attraktiver gestalten können.

Wolfratshausen

Um leer stehende Geschäfte in Wolfratshausen macht sich Dietlind Diepen Sorgen. Die Sprecherin des Arbeitskreises Stadtlandschaften im Verein Lebendige Altstadt (LAW) sieht die Entwicklung kritisch, bleibt aber optimistisch. "Wir haben Probleme in Wolfratshausen, wir sind aber auch nicht wesentlich stärker betroffen als die anderen Städte in der Region", sagt sie. In jüngster Zeit hätten Läden wie etwa der Blumenhandel "Wilde Rosen" am Untermarkt oder das Wollgeschäft in dessen direkter Nähe geschlossen. Dafür entstehe an anderer Stelle Neues, etwa die Schokoladenmanufaktur am Obermarkt. "Das ist eine Wellenbewegung", sagt Diepen.

Damit eine Stadt wie Wolfratshausen langfristig florieren kann, braucht es aus ihrer Sicht mehr Aufenthaltsqualität und Attraktivität. Nach Jahren des Stillstands sieht sie Ansätze für eine positive Entwicklung. Dass der Stadtrat beschlossen habe, am Hatzplatz ein Parkhaus durch einen Investor errichten zu lassen, sei wichtig. "Das kann eine Initialzündung sein." Es sei ein wichtiger Baustein, um das westliche Loisachufer für Passanten attraktiver zu gestalten. "Im Moment ist das ein besserer Hinterhof", sagt Diepen. "Wir brauchen den Mut, Nägel mit Köpfen zu machen."

Darin einig ist sie sich mit dem LAW-Vorsitzenden Hans-Werner Kuhlmann. Er betont, dass Wolfratshausen auf einem guten Weg sei, insbesondere weil sich eine Lösung für das seit mehr als vier Jahren leer stehende Isarkaufhaus abzeichne. Ein Investor plane dort einen Neubau mit großen Ladenflächen im Erdgeschoss. Das könnte wieder mehr Kunden in die Innenstadt ziehen. "Die jetzigen Leerstände könnten dann schnell wieder gefüllt werden." Gleichwohl streitet er nicht ab, dass die modernen Formen des E-Commerce die Ladengeschäfte in ihrer Existenz gefährdeten. Mehr Schwung verspricht sich Kuhlmann auch durch den neuen City-Manager, der 2018 zu arbeiten beginnen soll.

Bad Tölz

Keine Probleme mit Leerständen hat die Stadt Bad Tölz. Zwar funktionierten mache Geschäfte in der heutigen Zeit nicht mehr, sagt Wirtschaftsförderer und City-Manager Falko Wiesenhütter. Dafür gebe es einen Nutzungswandel. So sei ihm nicht bange um etwaige Leerstände im Badeteil, in der Salzstraße oder der Nockhergasse. In letzterer tue sich was nach Jahren bei der Immobilie, wo sich einst der Supermarkt Plus befand, erzählt der Wirtschaftsförderer. "Das hört sich gut an." Im Badeteil könnten Bekleidungsgeschäfte nicht mehr existieren, sagt Wiesenhütter. "Dafür aber spezielle Läden wie für Tee."

Tölz habe den Vorteil, dass Läden in der Marktstraße, "in unserer ersten Lage", nie lange leer stünden. Zuversichtlich sei er auch beim Trachtengeschäft Rita Braun. Nur müsse die Immobilie "grundsätzlich angefasst" werden, um sie attraktiver zu machen. "Die Lage am Amortplatz ist toll."

Geretsried

In Geretsried tut sich was: Während sich die Leerstände in den beiden Stadtzentren an der Egerlandstraße und an der Sudetenstraße 2016 noch häuften, konnten 2017 einige Geschäftsräume wieder belebt werden, vorrangig mit Dienstleistern. Ein langjähriger Leerstand an der Sudetenstraße - in dem sich ehemals eine Drogerie befand - ist nun durch eine Raumteilung in Büros umgewandelt worden. Ein benachbartes Gebäude, in dem sich vorher ein Modegeschäft befand, ist abgerissen worden und wird derzeit neu bebaut.

Die Stadt Geretsried hat Bauprojekte auf den Weg gebracht, um gegen die innerstädtische Verödung vorzugehen: Ein Häuserblock am Karl-Lederer-Platz ist abgebrochen worden und soll durch ein modernes Wohn- und Geschäftshaus ersetzt werden. Vergleichbare Pläne gibt es für die noch viel längere Häuserzeile an der Egerlandstraße. Mit diesem neuen Zentrum und einer geräumigen Garage unter der Erde will die Stadt einen Anreiz für sogenannte Kundenmagneten schaffen, die für Laufkundschaft unverzichtbar sind. Frequenzbringer wie Mode- oder Fastfoodketten haben Ansprüche an Geschäftsräume, die Altbestände nicht bedienen können. Die eignen sich dann noch für Dienstleister wie die Zahnarztpraxis am südlichen Ende der Egerlandstraße, die dort einen Leerstand aufgefüllt hat.

Penzberg

In Penzberg im Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau treiben den Verein "Pro Innenstadt" ähnliche Sorgen um wie die LAW in Wolfratshausen. Es geht um die Innenstadt, den Bereich um Bahnhof- und Karlstraße. Auf einem Stadtplan hat Vorsitzende Monika Uhl eingezeichnet, welche Läden leer stehen, bei welchen Geschäften eine Übergabe gesichert ist und welche in ein paar Jahren schließen wollen. Zu den momentanen Leerständen kommen fünf Ladenschließungen in Bälde hinzu, etwa die Boutique Insider Treff oder Augenoptik Bastian.

Aber es gebe auch gute Nachrichten, sagt Uhl. Die Goldschmiede Güntner habe einen Nachfolger gefunden, bei Friseur und Fußpfleger Berger komme ein Bestattungsinstitut rein. Sorgenkind sei die Karlstraße von der Hauptkreuzung in Richtung Bichler Straße. Neben Augenoptik Bastian gibt es dort drei weitere Leerstände. Aber auch in der anderen Richtung, vor allem im sogenannten City-Center, haben einige Geschäfte aufgegeben.

"Es gibt einen Generationenwechsel", sagt Uhl. Dieser Herausforderung möchte sich der Gewerbeverein stellen. Denn mit der Schließung der Läden ginge der Verlust an Warensortimenten einher. So fehle es in Penzberg an Schuhen und Bekleidung für Kinder von null bis 14 Jahren. Oberstes Ziel müsse sein, dass in die Leerstände wieder Einzelhandelsgeschäfte einziehen. Alleine könne "Pro Innenstadt" nichts erreichen, betont Uhl. Daher hat sie unter anderem Bürgermeisterin Elke Zehetner und die Wirtschaftsreferenten des Stadtrats kürzlich zu einem Gespräch geladen. Uhl möchte die Stadt ins Boot holen, um ein Leerstandsmanagement auf die Beine zu stellen. Im Januar plant sie Gespräche mit den Stadtratsfraktionen. "Wir haben eine funktionierende Innenstadt", betont Uhl. Die Hände in den Schoß legen dürfe man dennoch nicht.