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Probeabstimmung für Jugendliche:Wählen, was man kennt

Eine Woche vor der Bundestagswahl können Geretsrieder Schüler Demokratie üben und Kandidaten treffen.

In diesen Wahlkabinen konnten Zehntklässler am Freitag ihr Stimmen angeben. Die zählen allerdings nicht - richtig wählen darf man erst ab 18.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Vor den Wahlkabinen haben sich lange Schlangen gebildet, plaudernde Schüler warten mit Zetteln in den Händen auf den Gang hinter den Vorhang. Es sind die zehnten Klassen des Gymnasiums Geretsried: Gerade haben sie sich noch einen Vortrag über das deutsche Wahlsystem angehört, jetzt sollen sie eine Entscheidung treffen. Die bleibt zwar ohne Folgen, denn in der Bundesrepublik dürfen nur Volljährige an der echten Wahl teilnehmen. Doch beim Projekt U 18 geht es vor allem ums Üben und Kennenlernen eines Akts, der in einer Demokratie zum Leben dazugehört.

Im Foyer des Gymnasiums hängen gedruckte Antwortkarten, auf denen die Parteien ihre Positionen darlegen. Wohin entwickelt sich Deutschland? Welche Themen liegen den Parteien am meisten am Herzen? Vereinzelt bleiben Schüler vor der bunten Girlande stehen und lesen. Es erreicht nicht alle, wie unter den Schülern vor den Wahlkabinen zu vernehmen ist. "Viele kreuzen halt nur schnell an, was sich gut anhört", sagt die 15-jährige Hanna. Ihr und drei Mitschülerinnen sagen die Namen der Direktkandidaten nichts.

Die der Parteien dafür schon ein wenig mehr - zumindest die CSU ist den Gymnasiastinnen ein Begriff. "Ich kenne Merkel, und man weiß, dass es funktioniert", sagt Anja. So sieht es auch Hanna: "Was einmal funktioniert, funktioniert vielleicht wieder." Die anderen Parteien seien ihnen entweder nicht bekannt oder sie wüssten nicht, wofür sie stünden. Kleinparteien wie die Tierschutzpartei fallen für Hanna aus, "weil die sowieso nicht reinkommen". Die Mädchen kritisieren, dass ihnen in der Schule nichts über die Parteien erzählt worden sei. Wenigstens die wichtigsten hätten im Unterricht vorgestellt werden sollen. So machten drei der Mädchen ihre Kreuze bei der CSU, die vierte wählte die SPD - danach ging es weiter in den Matheunterricht.

Die Ergebnisse wurden am Freitagabend im Jugendzentrum Saftladen bei einer Wahl-Party mit Kandidaten und anderen Parteienvertretern bekannt gegeben und diskutiert. Bei der "richtigen" Bundestagswahl vor vier Jahren kam die CSU auf 53,4 Prozent der Zweitstimmen, die SPD auf 14,4. Für die Grünen stimmten 8,3 Prozent, für die AfD 5,6 und für die FDP 5,5 Prozent. Die Linke kam auf 2,8 Prozent, die Freien Wähler auf 3,4.

Die sieben Direktkandidaten im Wahlkreis geben in dieser Ausgabe der SZ in Fragebögen Auskunft. Wer sich über die Parteiprogramme informieren und persönlich mit den Kandidaten sprechen möchte, hat dazu noch Gelegenheit. Die CSU hat am Samstag Infostände, von 10 bis 13 Uhr am Edeka in Waldram, und von 10 bis 12 Uhr mit dem Bundestagsabgeordneten Alexander Radwan am Winzererdenkmal in Bad Tölz. Die Linke mit dem Kandidaten Andreas Wagner informiert am Samstag von 9 bis 12 Uhr zwischen der ehemaligen Post und dem Isar-Kaufhaus. Die SPD präsentiert sich am Samstag von 10 bis 14 Uhr in Icking vor dem Rathaus, der Bundestagskandidat Hannes Gräbner ist zeitweise anwesend. Grünen-Kandidat Karl Bär ist am Samstag um 7 Uhr vor dem Specker-Bäck in Bad Heilbrunn und von 10 Uhr an vor dem Isarkaufhaus in Geretsried. Am Montag gehen die Grünen von 17 Uhr an in Wolfratshausen von Tür zu Tür.

Unter www.abgeordnetenwatch.de finden sich Profile der Bewerber, beim Kandidaten-Check kann man herausfinden, mit wessen Meinungen die eigenen am besten übereinstimmen.