Landratsamt Mehr Ranger an der Isar

„Einen ganz großen Dank“ zollte Landrat Josef Niedermaier (links) den Isarrangern Kaspar Fischer, Bernhard Wahler (Naturschutzwacht), Axel Kelm, Siegfried Thalhammer, Bernhard März und Stefan Goller (von links) für ihren Einsatz

(Foto: Manfred_Neubauer)

Das Tölzer Landratsamt stockt die Zahl der Mitarbeiter auf, die in den Schutzgebieten am Fluss nach dem Rechten sehen. Dadurch wird es in diesem Jahr mehr Bußgeldverfahren geben als 2017. Probleme bereiten nach wie vor manche Party-Bootsfahrer

Von Klaus Schieder

Schon in normalen Sommern ist die Isar mit ihren Schutzgebieten am Ufer von Badegästen, Freizeitsportlern und Wanderern überlaufen. In diesem Rekordhitzejahr nimmt der ohnehin hohe Freizeitdruck stark zu: Die Bundesstraße 307 vom Sylvensteinsee bis nach Vorderriß ist am Straßenrand oftmals lückenlos zugeparkt. Obwohl die Isar am oberen Lauf wegen der Trockenheit kaum noch Wasser führt, kommen Bootsfahrer auch dorthin und tragen ihr Gefährt dann streckenweise übers Kiesbett. Verbotenes Übernachten im Freien, Müllablagerungen, Falschparken, illegale Lagerfeuer: Etwa 250 Verfahren wegen einer Ordnungswidrigkeit hat das Tölzer Landratsamt im Vorjahr eingeleitet. "Diese Zahl wird heuer sehr viel höher sein", sagt Franz Steger, Leiter des Sachgebiets Umwelt.

Das liege allerdings nicht so sehr an der hohen Zahl der Erholungssuchenden in diesem Hitzesommer, meint er. "Das ist bedingt durch die gute Personalausstattung." Bislang waren vier Isarranger als eine Art Hausmeister an dem Wildfluss von der österreichischen Grenze bis nach Icking im Einsatz. Für den nördlichen Landkreis sind Bernhard März und Siegfried Thalhammer zuständig, im Süden sieht Kaspar Fischer nach dem Rechten.

Neu im Team ist nun der 54 Jahre alte Landschaftsarchitekt Stefan Goller aus Wolfratshausen, der sich ebenfalls um das Gebiet zwischen Bad Tölz und Vorderriß kümmert. Hinzu kommen Axel Kelm, 51, aus Bichl und Alfred Matuschek, 47, aus Geretsried. Beide sind im Zuge des Interreg-Projekts der EU im Einsatz, das unter anderem Infrastruktur, Raumplanung und Umweltschutz zum Inhalt hat. Der Landesbund für Vogelschutz sei dabei Lead-Partner, wie Steger sagt. Außerdem gehört Bernhard Wahler (66) aus Gaißach für die Naturschutzwacht Bayern mit zum Team.

Die Ranger kümmern sich um die Beschilderung, beseitigen Abfall und Feuerstellen, halten Wege instand, bekämpfen invasive Pflanzenarten, sehen nach der Tierwelt, gehen mit Schulklassen auf Exkursion. Nicht zuletzt klären sie Besucher über die Regeln in den Natur- und Landschaftsschutzgebieten auf.

"Es gibt eben auch ein paar Deppen"

Goller und Kelm zeigen sich unisono schockiert von den vielen Scherben, die sie als gefährliche Hinterlassenschaften am Isarufer fanden. Auch Feuerstellen hat Goller schon beseitigen müssen. Allerdings darf man solches Fehlerverhalten nicht verallgemeinern, wie der neue Isarranger betont: "90 bis 95 Prozent der Besucher sind in Ordnung und nehmen ihren Müll mit, aber es gibt eben auch ein paar Deppen." Bernhard März traf unlängst einige Jugendliche am Fluss, die ein kleines Grillfeuer angezündet hatten. Daraufhin habe er sie über das Naturschutzgebiet und die dort geltenden Regeln aufgeklärt, wovon die jungen Leute nicht gelangweilt, sondern sogar "sehr angetan" waren, wie März sagt. Beim Ansprechen komme es eben auf "die richtige Mischung zwischen Lockerheit und Ernst" an.

Zu den Vorschriften zählt, dass das Betreten der Kiesbänke während der Brutzeit von Vogelarten, wie etwa dem Flussregenpfeifer, verboten ist. Darauf weisen künftig auch gelbe Stopp-Schilder hin, auf denen dieser Vogel abgebildet ist. Die Tafeln sind aus Pressspanplatten gefertigt. Von Alu-Schildern habe man abgesehen, da sie womöglich im Fluss landen könnten, so Steger. Neu ist auch, dass keine Drohnen mehr über Naturschutzgebiete und Natura 2000-Flächen fliegen dürfen. Also auch nicht entlang der Isar im Landkreis. Wo der Drohnenflug erlaubt sei, könnten Besitzer im Internet (geoportal.bayern.de/bayernatlas) erfahren, sagt Sabine Walter von der Unteren Naturschutzbehörde.

Axel Kelm wohnt schon seit gut 20 Jahren an der Isar. Die Anlieger hätten das Gefühl, dass der Freizeitdruck mittlerweile zu viel für den Fluss sei, sagt er. "Sie erwarten, dass vom Landratsamt etwas kommt." Was das Problem mit den vielen Bootsfahrern auf der Isar anbelangt, wäre Landrat Josef Niedermaier (FW) ein Lizenzierungssystem wie im benachbarten Österreich am liebsten. Das heißt: Gewerbliche Anbieter bekommen eine Lizenz, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. "Das wäre ein probates Mittel", sagt Niedermaier. Allerdings sei dies hierzulande rechtlich nicht so einfach. Deshalb kündigt er eine Verordnung an, um die Auswüchse des Bootsfahrens zu bekämpfen. "Das ist besser als zu sagen, ihr bleibt draußen und dürft alle nicht." Die Isarranger würden eine solche Regelung gutheißen. Ein Teil der Freizeitkapitäne betrachte die Isar bloß als Partyfluss, "die steigen schon besoffen ein", sagt März. Sein Kollege Kaspar Fischer hält es für verkehrt, dass gewerbliche Anbieter mit dem Fluss ihren Gewinn machten, ohne eine finanzielle Verpflichtung zu haben und Unterhalt zu zahlen. "Das Ganze geht auf Kosten der Natur."