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Jubiläum des Franz-Marc-Museums:Die Attraktion im Blauen Land

Das Franz-Marc-Museum hat in zehn Jahren 700 000 Besucher angezogen. Direktorin Klingsöhr-Leroy kann sich keinen besseren Ort für Kunst vorstellen, Bürgermeister Holz kein Kochel ohne das Haus.

Der Blick aus dem großen Panoramafenster des Museums auf den Kochelsee.

(Foto: Harry Wolfsbauer)
Franz-Marc-Museum Kochel

Das Franz-Marc-Museum Kochel

(Foto: Museum/OH)
Franz-Marc-Museum Kochel

Der Eingang am Franz-Marc-Museum Kochel

(Foto: Museum/OH)

Kochel am See - Zu allen Seiten trifft der Blick auf die Natur. Einmal fliegt er aus dem Fenster: Voralpen, Wald, der Kochelsee im Tal. Im nächsten Moment fällt er auf die Landschaften, die Franz Marc, Mitbegründer des Blauen Reiters, zu Beginn des 20. Jahrhunderts ganz in der Nähe gemalt hat. Seit mehr als zehn Jahren zeigt das Franz-Marc-Museum in Kochel am See die Werke des großen Expressionisten. Das Gebäude, das zunächst skeptisch beäugt, dann von den Kochlern ins Herz geschlossen und für seine Architektur sogar mit einem Preis ausgezeichnet wurde, hat seither zu 32 Sonderausstellungen eingeladen und mehr als 700 000 Besucher angezogen. Bürgermeister Thomas Holz (CSU) nennt das Museum "einen Eckpfeiler" im Tourismus der Region: "Man kann es nicht hoch genug einschätzen."

Bis vor zehn Jahren war das Franz-Marc-Museum noch ein gelb angestrichenes Häuschen aus der Zeit um 1900. Der Münchner Galerist Otto Stangl initiierte die Gründung der Franz-Marc-Stiftung, die eine Sammlung von 50 Werken des Expressionisten erwarb; hinzu kamen die von Kunstsammler Stangl und anderen eingebrachten Werke sowie einige Leihgaben der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München. Das Museum war somit von Anfang an ein privat getragenes Projekt, das bis heute ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand auskommt. Die Verwandlung geschah 2008. Mit dem Neubau legte das Franz-Marc-Museum das Erscheinungsbild eines Heimatmuseums ab und erstand neu - nun nicht mehr gelb wie Franz Marcs berühmte Kuh, sondern in elegantem Grau. Ideale Ausstellungsbedingungen treffen auf eine warme, intime Atmosphäre; die Fenster reichen vom Boden bis zur Decke, die von Marc so hoch geschätzte Natur ist überall rundum. In einem Aussichtsraum atmet man in eine meditative Stille hinein.

"Ich liebe dieses Museum und seine Sammlung sehr, es ist der perfekte Ort für die Kunst", sagt die promovierte Kunsthistorikerin und Kuratorin Cathrin Klingsöhr-Leroy, die das Museum seit zehn Jahren leitet. Sie erinnert sich noch an das Misstrauen, das die Bewohner des Orts dem modernen Kastenbau damals entgegenbrachten. "Das gehört hier nicht hin, da muss ein Haus mit Walmdach stehen", hätten manche gesagt. Heute sind die Kritiker verstummt. Das Museum ist ein Teil von Kochel.

Die Jahre seien wie im Flug vergangen, sagt Klingsöhr-Leroy. Doch es habe sich viel getan. Heute habe das Museum wichtige Partner - das Lenbachhaus und die Pinakothek der Moderne in München, seit kurzem auch das Museum Berggruen in Berlin. Durch seine hochkarätige Sammlung und seine 32 Ausstellungen habe sich das Haus "ein sehr gutes Standing" erarbeitet, sagt die Leiterin. "Da spürt man, dass zehn Jahre vergangen sind."

60 Prozent der Betriebs- und Ausstellungskosten trägt das Museum durch seine Einnahmen, die übrigen 40 Prozent finanzieren sich durch Spenden und die Stiftung Etta und Otto Stangl. Die ergänzte die Sammlung auch um den Brücke-Expressionismus, etliche Werke Paul Klees und die Malerei der Nachkriegsabstraktion. Drei Ausstellungen jährlich zeigt das Museum, die wichtigste stets im Sommer, wenn die meisten Besucher kommen. Nur im Jahr 2018 ist wegen des Jubiläums alles ein wenig anders. Es beginnt mit einer durchaus wichtigen Ausstellung der Landschaften Paul Klees, die von Sonntag an bis 10. Juni zu sehen ist. Gleichzeitig zeigt die Pinakothek der Moderne die Ausstellung "Paul Klee. Konstruktion des Geheimnisses". Die beiden Museen arbeiten Hand in Hand, organisieren Ende April ein gemeinsames Symposium und haben einander Bilder geliehen.

Wer Kochel auf den Spuren des Künstlers durchwandern will, kann das mit einer Smartphone-App tun. Für die Gemeinde ist das Museum ein Coup: Die Kunstfreunde reisen teilweise aus dem Ausland an, "darunter Klientel, die sonst nicht nach Kochel kommen würde", sagt Bürgermeister Holz. "Wir sind heilfroh, dass wir das Museum haben."

© SZ vom 24.02.2018
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