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Kultur in Bad Tölz:Literat und Herrchen

Thomas Mann Tage Kogelhaus

In Gmund am Tegernseel ist nicht nur der berühmte Schriftsteller skulptural verewigt, sondern auch sein Hühnerhund Bauschan.

(Foto: Manfred Neubauer)

Im einstigen Café Kogel stimmen die Veranstalter auf die Thomas-Mann-Tage ein, die im Oktober in Tölz stattfinden

Von Sandra Freudenberg, Bad Tölz

"Immer wenn ich ,Kindheit' denke, denke ich zuerst an 'Tölz' ", schreibt Klaus Mann in seiner Autobiografie. Viele Sommer hatte er mit seinen Eltern und Geschwistern in dem Anwesen in der Heißstraße am Waldrand über dem Klammerweiher verbracht. Unter Kastanienbäumen wurde ihm Frühstück serviert, im Winter ging das Kindermädchen am Hang unterhalb des Café Kogel mit ihnen zum Schlittenfahren. "Das Paradies hat den bittersüßen Duft von Tannen, Himbeeren und Kräutern", schreibt Klaus Mann, "vermischt mit dem charakteristischen Aroma des Mooses, das von der Sonne durchwärmt ist, der großen mächtigen Sonne eines Sommertages in Tölz."

Thomas Mann verkaufte das herrschaftliche Haus im Sommer 1917 an einen Verleger, der im Jahr 1930 von Tölz aus die Zeitschrift "Corona" herausgab. Vermutlich im Sommer 1916 erwarb der spätere Literatur-Nobelpreisträger den Hund "Bauschan" von der Wirtin des Cafés. Diese charmante Verbindung entdeckte der geistige Urheber und Kurator der Thomas-Mann-Tage in nTölz, Christof Botzenhart. So kommt es, dass im Café Kogel auch aus der eher unbekannten, sehr lesenswerten autobiografischen Erzählung "Herr und Hund" vorgelesen wird

Bevor es los geht, nehmen Musiker Perry Schack und Schauspieler Markus Eberhard mit den Gästen noch eine Erfrischung auf der Veranda der Familie Fuhrmann. Gut ein Jahrhundert lang genossen Ausflugsgäste von hier die Aussicht auf den Kurort. Dann erwarb die Familie das Haus, baute es um, gab ihm einen neuen Anstrich, "statt Münchner Gelb wählten wir Ochsenblut", so Tobias Fuhrman. Der Hausherr bemüht sich, "die Würde des Hauses zu bewahren und weiter zu pflegen". Zum Beispiel, indem er eine Ferienwohnung für Gäste anbietet.

Gitarrist Schack schätzt Thomas Mann sehr: "Seine Bücher erinnern mich an Musikstücke, die sich nicht sofort erschließen." Eberhard berichtet, dass er sich "in die Welt des Erzählers sehr intensiv eingearbeitet" habe.

Die Gäste nehmen dann in der Küche Platz, deren Mittelpunkt ein alter Wamsler-Herd ist. In einer Nische steht ein Klavier. Schacks Gitarrenvortrag glänzt durch Leichtigkeit und Spielfreude. Markus Eberhard, der an der Tölzer Musikschule Schauspiel unterrichtet, schafft es, den subtilen Wortwitz der von Thomas Mann beschriebenen Mensch-Hund-Beziehung zu artikulieren: Mit Tempowechseln und Temperament lässt er sowohl den fröhlichen Vierbeiner als auch sein intellektuelles Herrchen lebendig werden. In der Ich-Erzählung kommt Manns Wohlwollen zur Geltung, das er der schlitzohrigen Wirtin des Cafés entgegenbringt, die auf listig-servile Art den Hund an Mann bringen will. Im weiteren Verlauf trägt Eberhard zart-effektvoll zwei Schlüsselpassagen aus Manns großer Novelle "Der Tod in Venedig" vor.

Das zwischen 1911 und 1913 entstandene Werk steht im Mittelpunkt des diesjährigen Thomas-Mann-Festivals, das von 18. bis 29. Oktober in Bad Tölz stattfindet. Botzenhart hat mit vielen ehrenamtlichen Helfern erneut ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt, mit Lesungen, Musik und Fachvorträgen hochkarätiger Mann-Experten. So beleuchtet etwa Ruprecht Wimmer zur Eröffnung "Thomas Mann und das Kunstlied", und unter dem Titel "die Rache des Dionysus" sucht Dieter Borchmeier nach "Spuren des Euripides" in der Novelle. Geboten werden zudem eine literarische Stadtführung in München und Luchino Viscontis Verfilmung, die im Tölzer Capitol-Kino gezeigt wird.

Der laue Sommerabend im Café Kogel stimmt treffend auf die kommenden Tölzer Mann-Tage ein. Bevor dann alle noch einmal zu den Häppchen greifen, meldet sich der Herr auf dem Hocker aus dem hinteren Teil der Küche zu Wort: Herr Basina. Er habe schon viel erlebt in diesem Café, sagt er. "Da wo Sie jetzt sitzen, stand der Kachelofen. Daneben pflegte die Gräfin Douglas, die 32 Jahre lang Dauergast im Hotel Kogel war, mit Onkel Otto zu sitzen. Die beiden lauerten auf einen dritten Kartenspieler für Skat. Ich hielt mich für einen sehr guten Spieler und willigte ein. Die beiden haben mir buchstäblich die Hosen ausgezogen."

Informationen zum Programm des Thomas-Mann-Festivals und zum Kartenverkauf gibt es auf der Homepage der Stadt unter www.bad-toelz.de unter der Rubrik "Was ist los" oder telefonisch unter 08041/78671

© SZ vom 23.09.2020

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