Kommunalwahlen in Bad Tölz "Neue Wege wagen"

Die Tölzer SPD nominiert Michael Ernst zum Bürgermeisterkandidaten. Der 39-jährige gebürtige Brandenburger präsentiert sich als dynamischer Macher.

Von Petra Schneider

Die Tölzer SPD hat einen neuen Hoffnungsträger: Michael Ernst, seit Oktober Ortsvereins vorsitzender, ist nun auch einstimmig nominierter Bürgermeisterkandidat. "Wir wollen im zukünftigen Stadtrat 2020 stark vertreten sein. Und wir wollen ein gewichtiges Wort mitreden, wenn es um die Besetzung des dann vakanten Amtes des Bürgermeisters im nächsten Jahr geht", sagte der 39-Jährige bei der Mitgliederversammlung im "Kolberbräu".

Etwa 20 Genossen waren gekommen, und dass Ernst neuen Schwung bringen will, sorgte für Erleichterung. Denn schwere Zeiten liegen hinter dem Ortsverband: Nach dem Umzug der 2016 neu gewählten Vorsitzenden Katarina Koper nach Rosenheim rührte sich wenig bei den Tölzer Genossen. Das soll sich mit dem frisch gekürten "Mister 100 Prozent" ändern, wie Kreisvorsitzender Wolfgang Werner sagte. Auch Stadträtin Camilla Plöckl freute sich, "dass du dich mit soviel Herzblut zur Verfügung stellst und der SPD wieder auf die Füße hilfst."

Die Kommunalwahl in Tölz dürfte interessant werden: Etwa die Hälfte der Mitglieder im Stadtrat werden nicht mehr antreten, zudem gibt es vier Kandidaten für die Nachfolge von Josef Janker (CSU), der wegen der Altersgrenze nicht mehr kandidieren kann. Die CSU hat bereits Ingo Mehner nominiert, fest steht zudem Stadtrat Michael Lindmair als Kandidat der Freien Wähler. Auch die Grünen wollen einen Bewerber ins Rennen schicken, der im Herbst nominiert werden soll. SPD-Kandidat Ernst ist ein politischer Neuling: Erst seit Januar 2018 ist er Mitglied der Tölzer SPD und erfülle auch sonst nicht unbedingt die Voraussetzungen, die "gestandene Tölzer" von ihrem Bürgermeister erwarteten, wie er in seiner launigen Rede einräumte: "Weder bin ich hier geboren, noch spreche ich bairisch." Er sei nicht katholisch, nicht im Stadtrat und bisher nicht politisch engagiert. Als Grund seiner Kandidatur nannte er, dass er etwas bewegen wolle für Bad Tölz, das für ihn seit vielen Jahren "Heimatstadt" sei. Ernst lebt seit 2002 in Tölz. Der gebürtige Brandenburger absolvierte in Cottbus eine Ausbildung zum Zimmerer. Weil ihm dort "zu wenig Wald und Holz" war, zog er mit seiner Frau nach Oberbayern. 2001 machte er eine Lehre als Bankkaufmann in München, arbeitete als Filialleiter bei der Postbank und seit 2016 bei einer Genossenschaftsbank in Penzberg. Im Juli tritt er eine Stelle bei der Raiffeisenbank Oberland in Tölz an. Er sei stolz, dass seine beiden Kinder in der Kurstadt geboren sind und er hoffe, dass dies zukünftig wieder für alle Babys möglich sein werde. Ernst ist "Freizeitvolleyballer" und stellvertretender Vorsitzender des Tölzer Turnvereins. Seinen Wahlkampf hat er unter das Motto "Miteinander reden, anpacken, neue Wege wagen" gestellt. Er betonte den Stellenwert von Bürgerbeteiligung und präsentierte sich als dynamischer Macher. In einem "Arbeitspapier", das laufend ergänzt werde, will er Standpunkte und Themen sammeln und dabei auch Anregungen von Bürgern aufnehmen. Ab Mai stehe dazu auch seine Webseite ernst-waehlen.de zur Verfügung. Am Mittwoch fielen seine politischen Ideen noch recht allgemein aus: Bezahlbarer Wohnraum "für jeden Geldbeutel", Chancengleichheit bei der Bildung und weiterer Ausbau des Angebots an Kinderbetreuung und Bildungsangeboten. Beim wichtigen, "aber auch emotionalen Thema" Hotel, Gastronomie und Tourismus müssten alle Beteiligten ins Boot geholt werden, um Tölz auch in Zukunft für Urlauber und Kurgäste attraktiv zu halten.

Auf die Frage von Dieter Lehmann, wie er zu einer Bebauung der Zwickerwiese stehe, antwortete Ernst: Er sei grundsätzlich für Wohnraum für alle Schichten. Beim Projekt Hintersberg vertraue er Bürgermeister und Stadtrat, "dass sie die Planungen sauber erarbeiten und die Bürger einbeziehen". Ernst will eine Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre unterstützen. Denn wie die "Fridays for Future"-Bewegung zeige, wollten sich junge Menschen beteiligen und mitgestalten. "Die Tölzer Wahlbeteiligungen dümpeln meist deutlich unter denen von anderen Landkreiskommunen", sagte Ernst. Das müsse in Zukunft anders werden.

Asprirant auf den Chefsessel im Tölzer Rathaus: Michael Ernst ist seit Oktober Ortsvorsitzender der SPD und nun auch Bürgermeisterkandidat. Seinen Wahlkampf stellt er unter das Motto "Miteinander reden, anpacken, neue Wege wagen".

(Foto: Hartmut Pöstges)