Preisträger im Porträt IV:"Einer allein bewirkt nichts"

Preisträger im Porträt IV: "Das ist noch lang kein Normalzustand", sagt Peter Priller über Menschen, die ihre sexuelle Orientierung offen leben.

"Das ist noch lang kein Normalzustand", sagt Peter Priller über Menschen, die ihre sexuelle Orientierung offen leben.

(Foto: Manfred Neubauer)

Peter Priller ist schwul und Priester, engagiert sich im Verein SchuTz für die Community.

Von Benjamin Engel, Bad Tölz

Für die LGBTQ-Community sind Menschen wie Peter Priller wichtig: Knapp drei Jahrzehnte lang lebt der 62-jährige Priester offen schwul und setzt sich dafür ein, dass jeder seine sexuelle Orientierung frei zeigen kann. Mit seinem früheren, inzwischen gestorbenen Partner Josef Hanfstängel gründete Priller 1994 den Verein "SchuTz - Schwule und Lesben in Tölz und dem Oberland".

Dass er zu den Preisträgern der Isar-Loisach-Medaille zählt, habe ihn zuerst etwas erstaunt, sagt Priller. "Einer allein bewirkt gar nichts." Daher nehme er die Auszeichnung stellvertretend für die LGBTQ-Community an. Vieles habe sich verbessert. Wer lesbisch, schwul, bisexuell, transgender oder queer (dafür steht das Buchstabenkürzel) lebe, müsse sich immer noch mit Ängsten und Vorurteilen auseinandersetzen. "Das ist noch lang kein Normalzustand."

Mitte der Neunziger exkommuniziert

Trotzdem würde er jeden ermuntern, zu seiner sexuellen Orientierung zu stehen. In Zeiten eines gesellschaftlichen Rückschritts und zunehmender Vorurteile in Teilen der Bevölkerung sei das wichtiger denn je, so Priller. In der katholischen Kirche hat er es irgendwann nicht mehr ausgehalten, ein Doppelleben als schwuler Priester zu führen. Drei Jahre lang war er als Kaplan in Tölz tätig gewesen, als er sich Mitte der 1990er-Jahre Kardinal Friedrich Wetter offenbarte. Daraufhin kam es zum Bruch mit der katholischen Kirche. Priller wurde exkommuniziert.

Das habe ihn damals hart getroffen, obwohl er um die Konsequenzen wusste, sagt er. Geholfen hat Priller sicherlich, dass er dennoch einen Weg gefunden hat, seine Berufung als Priester und seine sexuelle Orientierung ohne Heimlichtuerei vereinbaren zu können. Er wechselte zu den Alt-Katholiken, für die er bis heute tätig ist. Dieser Kirchenzusammenschluss hat kein Pflichtzölibat, Homosexualität wird akzeptiert und Frauen können sich zu Priesterinnen weihen lassen.

Für die regionale LGBTQ-Community ist der Verein SchuTz seit 1994 eine wichtige Anlaufstelle. Die Mitglieder organisieren Stammtische und Feste, informieren über gesundheitliche und gesellschaftliche Themen. Es ist gerade diese Sichtbarkeit, die für Priller wichtig ist. Mit seinem heutigen Mann lebt er in Tölz. Als Theologe wolle er praktisch zeigen, dass eine Beziehung und ein christliches Leben kein Widerspruch sein sollten, sagt er.

In München hat Priller für die Beratungsstelle "Rosa Alter" für lesbische, schwule, Trans- und Inter-Senioren gearbeitet. Das Versprechen der Anonymität ziehe viele aus der Community vom Land in die Großstadt, sagt Priller. Doch gerade der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sei heute alles andere als reaktionär. Womöglich könne ein schwules Paar sogar unbehelligter durchs Dorf laufen als durch bestimmte Großstadtviertel.

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