Innovation im Isartal Vorbild Silicon Valley

Constantin von Mutius (li.) und Michael G. Hoesch wollen 2019 mit ihrem jüngsten Projekt, der "Captain Frank GmbH", durchstarten.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Schäftlarner Unternehmer Michael Hoesch und Constantin von Mutius bringen Spitzentechnologie ins Isartal. Ihr jüngstes Projekt: Ein Fluggastportal, das Verspätungen aufkauft und Kunden unkompliziert entschädigt. Für 2019 ist das nächste Vorhaben in der Mache

Von Katharina Schmid

Michael G. Hoesch und Constantin von Mutius sind Unternehmertypen. Hoesch, 59, im Trachtenjanker, lebt in Zell, von Mutius, 42, im dunklen Sakko, in Irschenhausen. Beide haben in ihrem Leben bereits mehrere Firmen gegründet, waren in Frankfurt, München und Prag tätig. Doch beide hat es irgendwann zurück ins Isartal verschlagen, wo sie nun mit ihren Familien leben. Und wo seit zwei Jahren ihr jüngstes und gemeinsam gegründetes Unternehmen, die "Captain Frank GmbH", ihren Sitz hat, ein Portal für Flugpassagiere.

Der Weg ins Büro nach Hohenschäftlarn dauert für die beiden Geschäftsführer keine fünf Minuten - einer der großen Vorteile, wenn das eigene Unternehmen direkt vor der Haustür liegt. Captain Frank ist für die Passagiere da, deren Flug verspätet war, annulliert oder storniert wurde. Ist eine Maschine drei Stunden und mehr verspätet, steht den Passagieren laut europäischer Fluggastverordnung eine Entschädigung zu, die je nach Strecke unterschiedlich hoch ausfällt. Das Schäftlarner Unternehmen nimmt den Geschädigten in solchen Fällen die Arbeit ab, ihren Anspruch auf Entschädigung geltend zu machen, kauft die Entschädigungsforderung sofort oder auf Erfolgsbasis an und kümmert sich um den Papierkram mit der Fluggesellschaft. Der Kunde bekommt die Entschädigungssumme abzüglich 30 oder 20 Prozent von Captain Frank ausgezahlt.

Hoesch und von Mutius haben Captain Frank Ende 2016 gegründet. Geht es nach ihrem Willen, soll das Fluggastportal 2019 nach zweijähriger Testphase durchstarten und den europäischen Markt erobern. Derzeit stemmen die Arbeit fünf Mitarbeiter, etwa 100 bis 200 Kunden pro Monat, vornehmlich aus Deutschland, melden sich bei Captain Frank. "Es läuft sehr gut", zieht von Mutius eine Zwischenbilanz. "Wir haben quasi als Entdecker begonnen und sind jetzt ready for take-off."

Das Portal lebt von seinen automatischen Abläufen. "Unsere Plattform ist darauf ausgelegt, große Volumina an Kleinstforderungen innerhalb kürzester Zeit zu prüfen", erklärt von Mutius. "Wir sind in der Lage, alle relevanten Informationen rund um die Forderung digital abzurufen und zu bewerten." Trotz der Automatisierung der Abläufe will Captain Frank, das betonen beide Geschäftsführer, nicht nur elektronisch Kontakt mit den Kunden halten, sondern auch über den Postweg oder per Telefon. "Wir hören unseren Kunden zu und lassen sie auch mal ihre ganze unerfreuliche Flugverspätungsgeschichte erzählen", sagt von Mutius. Die "menschliche Komponente" dürfe neben dem effizienten Arbeiten mit Daten nicht verloren gehen. Deshalb haben die Kunden von Captain Frank auch die Möglichkeit, ihre Entschädigung direkt an die SOS-Kinderdörfer zu spenden. Eine Aktion, die "gut angenommen wird", so Hoesch.

Der gelernte Diplomkaufmann steckt noch hinter einer anderen Firma, die in Hohenschäftlarn ansässig ist: "Lifebond". Das vor 16 Jahren gegründete Unternehmen ist spezialisiert auf den Forderungsankauf von Lebensversicherungen. Der 59-jährige Hoesch, Vater von fünf Kindern, bringt damit die Expertise zum Forderungsankauf gleich mit in sein neuestes Projekt. Von Mutius, dreifacher Familienvater, ist wiederum der Technologie-Spezialist. Der 42-jährige gebürtige Schweizer studierte in Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen und gründete bereits in den 2000er Jahren seine erste Firma. Später verschlug es ihn nach München und Prag. Seit Juli arbeitet von Mutius Vollzeit bei Captain Frank.

Was die beiden am Unternehmerdasein schätzen? "Man hat das Gefühl, freier zu sein in seinen Entscheidungen", sagt Hoesch, "auch wenn das letztlich vielleicht nur ein Gefühl ist". Von Mutius fügt an: "Dinge bewegen können und die Wirkung seines Tuns direkt zu spüren." Die beiden Geschäftsleute schätzen es, für ihren Erfolg und ihre Fehler selbst verantwortlich zu sein. "Unternehmen ist das Gegenteil von unterlassen", bringt es von Mutius auf den Punkt. Ihn fasziniere es, mit "extrem interessanten Menschen" in Kontakt zu kommen. Als Beispiele nennt er die Kinder seines Kollegen Hoesch, die mit Kommilitonen immer wieder Input für den Aufbau von Captain Frank geliefert hätten.

Hoeschs Tochter arbeitet derzeit im kalifornischen Silicon Valley, dem wohl wichtigsten Standort der IT- und High-Tech-Industrie weltweit. Durch sie hat der Vater ein Ohr am amerikanischen Markt und bekommt Infos zu Neuigkeiten aus der Branche quasi aus erster Hand. Hoesch und von Mutius bedauern, dass in Deutschland die Entwicklung neuer Technologien "verschlafen" werde. "Die relevanten Zukunftsthemen werden aktuell in Amerika und Asien entschieden", sagt von Mutius. Die schnelle Entwicklung auf dem Sektor gehe in Deutschland an der Gesellschaft vorbei: "Die Menschen hier sind satt."

Nicht so Hoesch und von Mutius. Sie haben das nächste Projekt von Captain Frank bereits in der Mache. Internationale Entwicklungen wollen sie nicht nur beobachten, sondern selbst darin mitspielen - aus dem Isartal am liebsten ein "Isar Valley" machen. Läuft alles glatt, will Captain Frank 2019 eine Flugverspätungsversicherung auf den Markt bringen. Eine Idee, welche die beiden Schäftlarner zusammen mit einem Blockchain-Technologie-Unternehmen ausarbeiten. Dessen Firmensitz: Icking.