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Gesundheit:Spezialist muss man sein

Kreisklinik Wolfratshausen Moosbauerweg

In der Kreisklinik wurde beretis am Freitag ein Task-Force-Team gebildet.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Im Wettstreit um Patienten setzt Ingo Kühn, der neue Chef der Kreisklinik Wolfratshausen, auf Fachabteilungen wie die Bauchchirurgie. Nur mit solchen Leistungsangeboten könne man als kleines Krankenhaus noch überleben

Nach fast drei Jahrzehnten hat die Kreisklinik Wolfratshausen einen neuen Chef. Ingo Kühn löste zum Jahreswechsel Hubertus Hollmann an der Spitze des Krankenhauses ab. Im Gespräch mit der SZ erklärt der neue Geschäftsführer seine Strategie, um das Kreisklinikum trotz der enormen Konkurrenz mit anderen Krankenhäusern in der Region finanziell konsolidieren zu können.

SZ: Herr Kühn, Sie sind seit 1. Januar 2020 neuer Geschäftsführer der Wolfratshauser Kreisklinik. Wie muss man sich Ihren neuen Büroalltag vorstellen?

Ingo Kühn Geschäftsführer Kreisklinik Wolfratshausen

Der neue Geschäftsführer Ingo Kühn findet es großartig Inhalte mitgestalten und Veränderungsprozesse initiieren und begleiten zu dürfen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Ingo Kühn: Mein Büroalltag ist von vielen Gesprächen geprägt. Einerseits gibt es tägliche interne Besprechungen mit verschiedensten Gesprächspartnern - vom ärztlichen Direktor über die Chefärzte, Abteilungsleiter, dem Betriebsrat bis hin zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Hier werden Projekte, Abläufe und Aufgaben besprochen. Insbesondere möchte ich dem Personal mit Rat und Tat zur Seite stehen. Anderseits gibt es Telefonkonferenzen und Besprechungen mit Externen. Das können niedergelassene Ärzte, Dienstleister, Rechtsanwälte oder Mieter sein. Und dann ist da noch eine Flut an E-Mails, Berichten und, und, und.

Wie geht es Ihnen mit der persönlichen Verantwortung?

Persönlich bin ich sehr glücklich, diese neue Position innezuhaben, denn darauf habe ich hingearbeitet. Verantwortung zu übernehmen, ist doch großartig und als Geschäftsführer kann man Inhalte mitgestalten, Veränderungsprozesse initiieren und begleiten, was diese Position anspruchsvoll und sehr attraktiv macht. Am Ende sollte ein Geschäftsführer auch Unternehmer sein, damit es sowohl den Patienten und Patientinnen als auch den Beschäftigten gut geht.

Nach 27 Jahren unter Hubertus Hollmann geht mit Ihrem Amtsantritt eine lange Ära zu Ende. Ist damit ein strategischer Neubeginn verbunden oder setzen Sie seine Arbeit ohne Zäsur fort?

Für einen Klinikgeschäftsführer sind 27 Jahre eine sehr, sehr lange Zeit. Das hierfür notwendige Geschick, das Engagement und die Erfahrung sprechen eindeutig für meinen Vorgänger. Herr Hollmann hat hierfür meine höchste Anerkennung und meinen Respekt. Unsere Kreisklinik ist ein Haus der Grund- und Regelversorgung. Damit steht die grundsätzliche Ausrichtung fest. Wir analysieren und bewerten die medizinische und strategische Ausrichtung in einem fortlaufenden Prozess. Daraus abgeleitete Entscheidungen werden konsequent umgesetzt, um unseren Gesundheitsstandort langfristig zu erhalten. Die Gesundheitspolitik - auch die des Bundes - macht es uns dabei nicht gerade leicht, dies zu erreichen. Insofern müssen wir unsere Strategien ständig den sich permanent ändernden Rahmenbedingungen anpassen, um konkurrenzfähig sein zu können.

Ein paar statistische Daten: Wie groß ist derzeit das Personal und wie umfangreich sind die Umsätze und die finanziellen Mittel, mit denen Sie auskommen müssen?

Die Kreisklinik beschäftigt rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie erwirtschaftet Umsatzerlöse in Höhe von circa 27 Millionen Euro im Jahr. Die Kreisklinik bekommt für Investitionen Fördermittel von der Regierung von Oberbayern in Höhe von rund 500 000 Euro - ohne Baumaßnahmen. Die Krankenhauserlöse und die Fördermittel reichen aber leider nicht aus.

Ein relativ kleines Krankenhaus wie das Wolfratshauser steht in permanenter Konkurrenz mit den großen medizinischen Versorgungseinrichtungen.

Mit welchen Ideen hat die Verwaltung bisher das Überleben gesichert?

Kreisklinik Wolfratshausen Geburtshilfe Außenstelle Klinikum Starnberg

Der neue Geschäftsführer setzt im Kreisklinikum auf die Kooperation mit anderen Krankenhäusern. In Wolfratshausen ist zum Beispiel bei der Geburtshilfe nur eine Außenstelle des Klinikums Starnberg zu finden.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Ergänzend zu einer starken Grund- und Regelversorgung hat man seit 2013 Spezialbereiche implementiert. Die Kreisklinik hat sich dabei an den Bedürfnissen der Bevölkerung ihres Einzugsgebietes orientiert. Zu nennen sind hier die Bauchchirurgie, die Akutgeriatrie und die Errichtung des Weaningzentrums, in dem Patienten von Beatmungsgeräten entwöhnt werden, außerdem die Ausweitung des unfallchirurgisch-orthopädischen Leistungsspektrums. Solche Spezialisierungen sind notwendig, um die finanzielle Situation langfristig zu stabilisieren und zu verbessern.

Ist am Moosbauerweg noch mit größeren Umbaumaßnahmen zu rechnen?

Es werden immer wieder auch bauliche Veränderungen notwendig sein. Das Gebäude der Kreisklinik weist eine Struktur aus dem Jahre 1966 auf. Auch haben sich die Erwartungen der Patienten verändert: Einzel- oder Doppelzimmer sind heute Standard. Wir haben daneben auch noch eine Dreibettzimmer-Struktur. Um neue Fachkräfte gewinnen zu können, muss ein Krankenhaus bezahlbaren Wohnraum anbieten. All diese Themen müssen gemeinsam mit dem Träger gelöst werden. Aus den genannten Gründen muss mittel- und langfristig investiert werden. Ein Ziel ist die Errichtung einer psychiatrischen Tagesklinik für Jugendliche und Erwachsene durch die KBO München.

Welche Rolle spielt die Kooperation mit anderen Krankenhäusern?

Kleinere wie auch größere Kliniken leben von Kooperationen mit anderen Häusern. Beispielsweise können Spezialuntersuchungen in Schwerpunktkliniken erbracht und die Patienten anschließend in kleinere Kliniken zurückverlegt werden. Unser Haus hat einige Kooperationen, etwa mit dem Klinikum Starnberg in der Geburtshilfe und Gynäkologie. Hier stellen wir dem Klinikum Starnberg Räumlichkeiten zur Verfügung und unterstützen die Starnberger Kollegen im anästhesiologischen und weiteren Bereichen. Bei der Schlaganfalleinheit arbeiten wir eng mit dem Universitätsklinikum Großhadern zusammen. Mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten kooperieren wir in der Orthopädie, der Radiologie - also im Kern bei CT und MRT - und in weiteren Bereichen.

Wie weit ist der medizinische Fortschritt denn überhaupt noch finanzierbar in einer Zeit, in der die Krankenkassen wieder Defizite melden?

Wie erwähnt bekommen wir etwa 500 000 Euro Fördermittel, die aber bei Weitem nicht ausreichen. Die Mittel der Krankenkassen sollen den Kliniken zum Ausgleich der laufenden Kosten wie etwa medizinischen Sachbedarf und Personalkosten gezahlt werden. Der Ausgleich von Investitionen ist dabei nicht vorgesehen. Um jedoch dem medizinischen Fortschritt standhalten zu können, müssen wir regelmäßig Investitionen auch mit Eigenmitteln finanzieren. Wir sind in der sehr glücklichen Lage, einen Förderverein zu haben, durch dessen großartige Unterstützung wir schon viele Hightech-Geräte anschaffen konnten. In Summe konnten wir hierdurch Maßnahmen in Höhe von über 700 000 Euro finanzieren. Zu erwähnen ist insbesondere auch der Landkreis, der als Träger der Klinik in sein Haus investiert, beispielsweise im Zuge der Erweiterung der Intensivstation.

Über jedes Krankenhaus hört man Lob und Kritik. Lässt sich die Qualität einer Klinik verlässlich bemessen? Und wie beurteilt sich das Wolfratshauser Kreiskrankenhaus selbst?

Ja, auch über unsere Klinik hört man Lob und Kritik. Jede Patientin und jeder Patient hat die Möglichkeit, seinen Aufenthalt zu bewerten. Wir sind sehr froh, wenn wir Hinweise bekommen, was noch nicht so gut läuft. Aufgabe des klinikinternen Qualitätsmanagements ist es, allen Hinweisen nachzugehen und zu eruieren, woran es liegt. Wir sind sehr darauf bedacht, uns ständig zu verbessern, damit sich die Patientinnen und Patienten bei uns in guten Händen wissen. In einigen Bereichen sind wir zertifiziert, zu nennen wären das Bauchzentrum und das Weaningzentrum. Ich selbst bin von der Qualität unseres Hauses absolut überzeugt.

© SZ vom 22.01.2020
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