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In der Tölzer Innenstadt:Protestlauf fürs Klima

Etwa 200 Demonstranten laufen am Freitag vom Tölzer Rathaus runter zur Isarbrücke. Bei der Fridays for Future-Veranstaltung fordern sie von der Politik nachhaltige Maßnahmen, um den Klimawandel zu stoppen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Trotz schlechten Wetters kommen am Freitag rund 200 Leute zur "Fridays for Future"-Demonstration in Bad Tölz. Die Bananafishbones belohnen die durchnässten Teilnehmer am Ende mit einem kleinen Konzert.

Emily, 8, und Phillip, 9, strahlen über das ganze Gesicht. "Wir sind schon das zweite Mal dabei", rufen die beiden Schüler der Tölzer Südschule, die mit ihrem Lehrer Michael Zürl zur Fridays for Future-Demo gekommen sind. "Bei uns an der Schule ist das ein großes Thema", sagt Zürl. An der Südschule finde gerade kein Unterricht statt, da die Schule einen Weihnachtsmarkt veranstalte. So konnte Zürl am Freitag mit mehreren Schülern an der Demonstration teilnehmen.

"Die Initialzündung für meine Schüler war das diesjährige Ramadama", erzählt Zürl. Da sei so viel Müll zusammengekommen, dass sie Bürgermeister Josef Janker einen Brief geschrieben hätten. "Er hat uns ins Rathaus eingeladen und wir haben gemeinsam die Müllpolitik der Stadt diskutiert", berichtet der Lehrer. Das habe viele Schüler auf die ganze Umweltthematik und auf die Fridays for Future-Bewegung aufmerksam gemacht.

Es ist ein Querschnitt der Gesellschaft, der am Freitag vom Khanturm runter zur Isarbrücke marschiert. "Senior/innen for Future" steht auf einem Plakat, "Scientists for Future" auf dem nächsten, auch "Doctors for Future" sind mit dabei. Jemand streckt ein "Carbon die Oxide"-Schild in die Luft.

Michael Backhaus, 65, ist pensionierter Lehrer aus Düsseldorf mit Zweitwohnsitz in Lenggries. Er hat sich heute spontan mit angeschlossen, reckt stolz sein Schild in die Höhe. "Hier ist etwas weniger los als in Düsseldorf", sagt er. "Ich wollte einfach mal sehen, wer hier so mitgeht." Und was er sieht, ist ein sich stetig vergrößernder Protestzug. Waren zu Beginn etwa 80 Demonstranten am Rathausplatz versammelt, schließen sich im Laufe der Zeit mehr und mehr Menschen an. Am Ende sind es fast 200 Protestler, die sich an der Isarbrücke einfinden.

Ein erboster Autofahrer lässt neben dem Protestzug das Fenster herunter, ruft: "Geht's arbeiten!" Das ficht die Demo-Teilnehmer allerdings nicht an. "Hoch mit dem Klimaschutz, runter mit der Kohle", skandieren die bunt beschirmten Klimaschützer, als sie am Gabriel-von-Seidl-Gymnasium vorbeiziehen. Spontan werden Schüler dazu aufgefordert, sich anzuschließen. "Alle Leute groß und klein, reiht euch in die Demo ein!", schallt es gegen die Schulwände.

Ob Hans Schmidt von den Wolfratshauser Grünen, die Ickinger Bürgermeisterkandidatin Beatrice Wagner oder Christian Schneeweiß von der ÖDP - die Fridays for Future-Bewegung ist für die Landkreisparteien das ideale Vehikel, um sich für die kommende Kommunalwahl in Szene zu setzen. Wagner ist beeindruckt, dass sich trotz des schlechten Wetters - es regnete zwischenzeitlich in Strömen - so viele Menschen in der Kurstadt eingefunden haben. "Das zeigt, wie wichtig den Menschen das Thema ist", sagt die Paartherapeutin.

Geduldig wird die Demonstration von der Polizei eskortiert. Nach gut einer Stunde ist die Isarbrücke erreicht. Unter der Brücke sind dumpfe Trommeltöne zu vernehmen. Der Zug macht eine Rechtskurve und versammelt sich unter der Brücke am Westufer der Isar. Die Bananafishbones haben sich aufgebaut und heizen den teils durchnässten Demonstranten kräftig ein. "I started making plans to kill my own kind", singt Sebastian Horn und beschwört die Bewegung: "Fridays for Future never fall apart!"

Schließlich betritt Nick Altenburger die Bühne. Der Gymnasiast und Mitinitiator der Tölzer Fridays for Future-Bewegung fordert "eine Utopie", die man sich als Ziel setzen müsse. "Ich halte es für wichtig", sagt er, "bis Ende dieses Jahrhunderts wieder null Grad Unterschied zur vorindustriellen Mitteltemperatur zu erreichen."