Umfrage der Industrie- und Handelskammer:Landkreis bleibt für Unternehmen attraktiv

Umfrage der Industrie- und Handelskammer: Die Unternehmen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, wie hier im Gewerbegebiet Farchet in Bad Tölz, bewerben ihren Standort sehr positiv.

Die Unternehmen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, wie hier im Gewerbegebiet Farchet in Bad Tölz, bewerben ihren Standort sehr positiv.

(Foto: Manfred Neubauer)

158 Firmen zwischen Bad Tölz und Wolfratshausen geben dem Standort die Gesamtnote 2,0. Kritisch sehen sie jedoch den Mangel an bezahlbaren Wohnungen, fehlende Mobilitätsangebote und die zunehmende Bürokratie.

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Pandemie, Ukraine-Krieg, Energiekosten, Inflation: Inmitten der Krisen bewerten ansässige Unternehmen den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen als nach wie vor gute Adresse. Dies ist das Ergebnis der Standortumfrage 2023 durch die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern. Die 158 teilnehmenden Firmen gaben dem Landkreis eine Gesamtnote von 2,0 - dies ist sogar etwas besser als im Vor-Corona-Jahr 2019 (2,1). "Das finde ich erfreulich, dass Unternehmen und Gewerbetreibende sagen, der Standort ist per se gut", sagte Renate Waßmer, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Bad Tölz-Wolfratshausen, beim Pressegespräch im Tölzer Sparkassen-Center.

Vier von fünf Betrieben verteilten die Note "gut" oder "sehr gut". 88 Prozent gaben an, sie würden sich wieder im Landkreis niederlassen. Dies sei oberbayernweit eines der besten Ergebnisse, erklärte Waßmer. Und "überraschend gut" nach all den Krisen, ergänzte Thorsten Leupold, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Weilheim. Zufrieden zeigten sich die Unternehmen vor allem mit der Energieversorgung, dem Freizeit- und Sportangebot, sowie der Anbindung an das regionale Straßennetz. Auch die Loyalität und Motivation der Mitarbeitenden beurteilten sie positiv.

Standort-Nachteile sind teure Wohnungen und Lücken im Mobilitätsangebot

Aber es gibt auch Kritik. Die schlechte Verknüpfung mit der Schiene für den Güterverkehr wird ebenso bemängelt wie das Fehlen von alternativen Mobilitätsangeboten, beispielsweise Carsharing. In diesem Zusammenhang verwies Waßmer auf das IHK-Projekt "Mitfahren im Oberland" (MiO) - eine Plattform per App, die im Mai im Landkreis Weilheim-Schongau gestartet ist und auf Bad Tölz-Wolfratshausen ausgedehnt werden soll. Ziel ist es unter anderem, den Individualverkehr durch gemeinsame Fahrten zur Arbeit und damit CO²-Emissionen zu reduzieren.

Damit das Konzept aufgeht, sind insgesamt circa 1000 Mitarbeitende im einem Landkreis erforderlich, die zu einem Knotenpunkt fahren. Noch gibt es Leupold zufolge keine Erfahrungswerte im Nachbarlandkreis Weilheim. Ansonsten habe sich im Nahverkehr in Bad Tölz-Wolfratshausen zuletzt einiges getan, sagte Waßmer. Als Beispiele nannte sie den X-Bus und die Anbindung des Südlandkreises an den MVV.

Umfrage der Industrie- und Handelskammer: Die Ergebnisse der Standort-Umfrage erläuterten Renate Waßmer, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Bad Tölz-Wolfratshausen, und Thorsten Leupold, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Weilheim.

Die Ergebnisse der Standort-Umfrage erläuterten Renate Waßmer, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Bad Tölz-Wolfratshausen, und Thorsten Leupold, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Weilheim.

(Foto: Manfred Neubauer)

Dringenden Handlungsbedarf sehen die Firmen auf dem Wohnungsmarkt. Dort fehlt es an bezahlbaren Domizilen, "das ist gerade hier in der Region massiv herausfordernd", sagte Waßmer. Vor allem vor dem Hintergrund des gravierenden Fachkräftemangels. Der Landkreis gelte zwar als attraktiv, wenn es jedoch um Wohnungen gehe, "dann wird es zäh", so die IHK-Regionalvorsitzende. Immerhin würden Erhebungen zufolge in den nächsten zehn Jahren bundesweit circa 1,5 Millionen Menschen mehr in Rente gehen, als Erwerbstätige nachfolgen. Ebenso bemängeln die Betriebe die hohen Preise für Gewerbeflächen und Grundstücke.

"Deutschland leidet unter einem Bürokratie-Burnout"

Hinzu kommt der Kampf mit der Bürokratie. Die Unternehmen sehen die ausufernde Regulatorik als Problem, wie Waßmer ausführte: "Deutschland leidet unter einen Bürokratie-Burnout." Daran muss die Politik nach ihrem Dafürhalten ansetzen, auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Sie müsse den Rotstift nehmen, baurechtliche Vorschriften und DIN-Normen reduzieren. "Nötig ist eine lösungsorientierte, nicht eine absicherungsorientierte Vorgehensweise", sagte sie.

Trotz der Krisen haben die Firmen in ihren Standort im Landkreis in den vergangenen drei Jahren investiert. Diese Bereitschaft hat sich sogar von 23 auf 25,5 Prozent erhöht, dies sind 4,8 Prozent mehr als im oberbayerischen Durchschnitt. Was die Zukunft angeht, zeigen sich die Betriebe jedoch vorsichtiger als früher. Nur noch knapp zwölf Prozent wollen erweitern oder investieren.

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