Ickinger Straßennamen Ungenauigkeiten und eine Schwindelei

Nach den Recherchen des Arbeitskreises will der Gemeinderat zwei Straßen umbenennen. Anwohner sollen aber gehört werden.

Claudia Koestler

Der Ickinger Gemeinderat hatte nach Bekanntwerden der politischen Verstrickungen des Straßennamensgebers Paul Wenz beschlossen, dass es einer Aufklärung aller personenbezogenen Straßennamen bedarf, die während der NS-Zeit lebten und wirkten. Deshalb hatte der Arbeitskreis neben dem Wenzberg noch sechs weitere Straßen untersucht - von denen nun zwei tatsächlich umbenannt werden sollen, zumindest sprach sich der Gemeinderat am Montag dafür aus. Vor der endgültigen Entscheidung sind allerdings noch die Anlieger zu hören.

Umbenannt werden sollen die Straßen allerdings nicht, weil ihre Namensgeber nationalsozialistisch belastet sind, sondern weil sie für den Arbeitskreis nicht korrekt heißen. Darunter fällt der Ickinger Rosenfeldweg. Dieser ist benannt nach der Historikerin und Sozialfürsorgerin Else Behrend-Rosenfeld (1891-1970), Verfolgte des NS-Regimes. Mit ihrem Mann, dem jüdischen Juristen Siegfried Rosenfeld, und den Kindern floh sie 1933 nach Bayern und fand in Icking einen Rückzugsort. Während ihr Mann und die Kinder später emigrierten, lebte Else Behrend-Rosenfeld bis 1941 in Icking. Dort erhielt sie Schutz, unter anderem vom damaligen Bürgermeister Johann Pischeltsrieder und dessen Bruder Josef. In den 1950er Jahren kehrte sie nach Icking zurück und wohnte dort halbjahresweise. Da es sich um eine für Icking bedeutende Persönlichkeit handelt, sollte der Straßenname deshalb in "Else-Rosenfeld-Weg" korrigiert werden.

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Ebenfalls umbenennen will die Gemeinde den Geheimrat-Heindl-Weg. Der Jurist und Kriminologe Robert Heindl (1883-1958) hatte laut Arbeitskreis kriminalpolitische Vorstellungen gefestigt, welche die Nationalsozialisten später radikal in die Tat umsetzten. 1933 wurde er aber pensioniert, seine Personalakte enthält keinerlei belastendes Material. Doch die Recherchen ergaben eine Schwindelei: Heindl war zwar Legationsrat, bekam aber nie den Titel Geheimrat verliehen. Deshalb sollte der Weg künftig "Robert-Heindl-Weg" heißen. Bleiben werden nach dem Willen der Gemeinde der Haiderweg, benannt nach dem Maler Karl Haider (1846-1912), der Gert-Fröbe-Weg (1913-1988), der Schleichersteig, benannt nach dem Maler und Kunstpädagogen Adolf Schleicher (1887-1982) und der Johann-Pischeltsrieder-Weg, benannt nach jenem Landwirt und Bürgermeister, der zwar NSDAP-Mitglied war, doch von der Spruchkammer nicht nur als Mitläufer eingestuft wurde, sondern als "grundanständiger Charakter". Er habe im Amt alles getan, "den verderblichen Parteitendenzen und Befehlen entgegen zu treten und nachhaltigst einen Kampf gegen die Partei" zu führen.