Ickinger Politik:Wertstoffbörse: Kaum beschlossen, schon wieder vor dem Aus

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Ickinger Politik: Der Ickinger Wertstoffhof liegt direkt an der B11.

Der Ickinger Wertstoffhof liegt direkt an der B11.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Von Susanne Hauck

Beatrice Wagner ist enttäuscht vom Ickinger Gemeinderat. "Das Projekt mit der Wertstoffbörse ist wahrscheinlich gestorben", sagt die Ortsvorsitzende des Bunds Naturschutz (BN) am Tag nach der Sitzung des Ickinger Gremiums. Denn: "Wenn die Auflagen so bleiben, sehen wir keine Möglichkeit, das zu stemmen."

Der BN hatte die Idee gehabt, in einem Bauwagen am Wertstoffhof eine Wertstoffbörse für gebrauchte, aber noch verwendbare Sachen einzurichten, die sich die Bürger kostenlos mitnehmen können. Der Gemeinderat war am Montag strikt gegen die Lösung gewesen, dass ein Bauhof-Mitarbeiter die Gegenstände annehmen solle und hatte seine Zustimmung nur unter der Bedingung gegeben, dass der BN die Betreuung leisten müsse. Außerdem war zunächst nur ein dreimonatiger Probebetrieb genehmigt worden. "Das wäre aber das Aus", so Wagner im Nachgang frustriert. "Die Auflage, dass wir dreimal in der Woche zwingend anwesend sein müssen, können wir nicht erfüllen." Viele Mitglieder seien berufstätig und müssten während der Öffnungszeiten des Wertstoffhofs arbeiten, andere seien im fortgeschrittenen Alter und körperlich weniger belastbar. Sie selber etwa habe gerade am Samstag in ihrer Therapiepraxis Hochbetrieb. Selbstverständlich sei es aber der Plan gewesen, den Bauhof-Mitarbeiter, der seine Bereitschaft bereits signalisiert hatte, zu den absehbaren Stoßzeiten zu unterstützen, ebenso hatten sie es übernehmen wollen, die gespendeten Sachen sauber in die Regale einzuräumen und nach geraumer Zeit auch wieder auszumisten.

Ickinger Politik: Ausrangierte Elektrogeräte auf einem Wertstoffhof.

Ausrangierte Elektrogeräte auf einem Wertstoffhof.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die größte Hürde ist aber der dreimonatige Probebetrieb, den der Gemeinderat verlangt. Denn was in der Sitzung gar nicht zur Sprache kam: Den Bauwagen muss erst noch gekauft werden. Wagner hatte die Summe von 2000 Euro für das gebrauchte Modell mittels Crowdfunding aufbringen wollen. "Dafür hätte die Gemeinde aber klar hinter dem Projekt stehen müssen", bedauert Wagner, die die Spendenbereitschaft angesichts der kurzfristigen Zeitspanne stark bezweifelt. "Ich sehe deshalb nicht, dass wir das mit dem Bauwagen schaffen." Wagner versteht die vielen Vorbehalte nicht, die die Kommune der guten Idee entgegenbringt. "In anderen benachbarten Gemeinden wie Pullach oder Grünwald läuft die Wertstoffbörse doch auch." Sie hätten sich viele Modelle angeschaut und der Gemeinde ihr Konzept ausführlich vorgestellt. Überhaupt sei die Idee dazu entstanden, weil auf dem Ickinger Bauhof große Nachfrage seitens der Bürger nach Möglichkeiten der Abgabe oder Mitnahme von gut erhaltenen Gegenständen herrsche. Einfach einen noch brauchbaren Campingstuhl abzustellen oder sich aus dem Container mitzunehmen, das sei aber verboten und sogar strafbar. "Wir wollten mit der Wertstoffbörse das Recycling unkompliziert und legal unterstützen", so Wagner.

Eine andere Befürchtung der Gemeinderäte war gewesen, dass die Leute so bequem haufenweise Schrott entsorgen könnten. "Die Gefahr sehe ich weniger, die meisten nehmen doch nur ein oder zwei Dinge mit, wenn sie sowieso zum Wertstoffhof fahren", sagt Wagner. Wie es nun weitergeht, ist noch völlig offen. Wagner hat zwar die Hoffnung auf Nachverhandlungen für einen längeren Probebetrieb oder weniger strenge personelle Auflagen noch nicht aufgegeben. Aber der Frust sitze tief, auch bei den übrigen Vereinsmitgliedern.

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