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Gesundheitswesen in Bad Tölz:"Wir stehen bereit"

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In der Tölzer Asklepios-Stadtklinik arbeiteten über 800 Menschen, die sich "mit viel Herzblut und Sachverstand reinhängen", betonte Pressesprecher Horn.

(Foto: Veranstalter/OH)

Trotz schwieriger Finanzlage liebäugelt die Tölzer Asklepios-Stadtklinik mit einem Einstieg beim Kreiskrankenhaus.

Von Petra Schneider

Die Entlassung von neun Stationshilfen im März, die Schließung der Geburtshilfeabteilung vor vier Jahren. Oder die Übernahme der neurologischen Fachklinik in Lenggries 2013, die anschließende Verlegung der neurologischen Abteilung nach Bad Tölz und der Verkauf der in Lenggries aufgebauten geriatrische Rehaklinik nach nicht einmal vier Jahren: All das hat nicht dazu beigetragen, das Vertrauen in den Klinikkonzern Asklepios, der bundesweit 160 Einrichtungen betreibt, zu stärken. Die öffentliche Meinung wendet sich im Moment generell gegen Privatisierungen im Gesundheitswesen, "und wir kommen in der öffentlichen Wahrnehmung derzeit schlecht weg", räumte Geschäftsführer Felix Rauschek am Montag ein. Damit sich das ändert, hat sich die Klinikleitung bei einem Pressegespräch viel Zeit genommen, Vorwürfe zu entkräften und die Leistungen der Klinik für die Gesundheitsversorgung im Landkreis deutlich zu machen. Asklepios ist als ein möglicher Partner zum Erhalt der Kreisklinik Wolfratshausen im Gespräch - und dass seitens des Tölzer Betreibers Interesse besteht, ließ sich am Montag heraushören. Die Entscheidung, ob und wer als "strategischer Partner" für Wolfratshausen in Frage kommt, obliege dem Kreistag, sagte Pressesprecher Christopher Horn. Aber "wir stehen bereit, um ergebnisoffen in die Diskussion einzusteigen."

Das Pressegespräch solle "keine Werbeveranstaltung sein", betonte der Ärztliche Direktor und Chefarzt der Neurologie, Rüdiger Ilg am Montag. Aber der Eindruck, der im Moment vorherrsche, sei nicht gerechtfertigt. In der Tölzer Asklepios-Stadtklinik arbeiteten mehr als 800 Menschen, die sich mit viel Herzblut und Sachverstand "reinhängen", sagte er. "Das sind Dinge, die nichts mit Profit, sondern mit Verantwortung zu tun haben." Die Klinik biete seit 20 Jahren in zwölf Fachabteilungen eine hohe Qualität, die in diversen externen Gutachten zertifiziert sei. Auch bei Patientenbefragungen habe sie überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Das Krankenhaus sei einer der größten Arbeitgeber im Landkreis und biete in der eigenen Pflegefachschule über 90 Ausbildungsplätze.

Die Entlassung der Stationshilfen sei nicht leicht gewesen, sagte Rauschek. "Während Corona ist das schwer nachvollziehbar, das ist uns bewusst und tut uns leid." Als Grund nannte der Geschäftsführer das im vorigen Jahr in Kraft getretene Pflegepersonalstärkungsgesetz. Um examinierte Pflegekräfte besser bezahlen zu können, wurden sie aus dem großen Topf ausgegliedert. Krankenhäuser müssen nun die durch sie entstandenen Kosten nachweisen, die dann in vollem Umfang von den Krankenkassen erstattet werden. Die Fallpauschalen, über die die Stationshelfer abgerechnet wurden und "die schon vorher auf Kante genäht waren", seien dadurch allerdings um 20 Prozent gesunken. Man habe allen neun Stationshilfen eine ein- oder dreijährige Pflegeausbildung im eigenen Haus angeboten und eine Festanstellung in Aussicht gestellt. Einige hätten das Angebot angenommen, Voraussetzung sei aber ein Schulabschluss, den nicht alle vorweisen könnten. Aufgaben der Stationshelfer, wie zum Beispiel Essensausgabe oder Bettenbeziehen, würden in der Regel die examinierten Pflegekräfte mit einjähriger Ausbildung übernehmen. "Es macht keinen Sinn, eine hoch qualifizierte Schwester in der Essensausgabe einzusetzen", sagte Ilg. "Aber es macht Sinn, durch eine einjährige Ausbildung mehr qualifizierte Kräfte zu bekommen." Seit 2019 habe die Tölzer Asklepios-Klinik 59 zusätzliche, ausgebildete Pflegekräfte eingestellt. Warum der Konzern die Kosten für die Stationshelfer nicht selbst übernehmen könne, sei eine "berechtigte Frage", sagte Rauschek - die sich allerdings mit Blick auf das Jahresergebnis beantworte: Im vergangen Jahr habe die Asklepios-Gruppe ein Minus von 65 Millionen Euro eingefahren. "Wir müssen uns so aufstellen, dass es uns auch in 20 Jahren noch gibt und wir gute Arbeit leisten können", sagte Rauschek. Erhebliche Investitionen seien nötig, um die Behandlungsqualität halten und das Spektrum ausbauen zu können: So seien seit 2002 48,5 Millionen Euro investiert worden, davon fast 34 Millionen aus Eigenmitteln. "Die Frage ist, wo kommt das Geld her, wenn man die Verantwortung hat, das selbst zu erwirtschaften", sagte Ilg.

Die aktuellen Vorwürfe sind nach Ansicht von Geschäftsführer Felix Rauschek auch dem beginnenden Wahlkampf geschuldet. "Wenn Herr Barthel bei uns vor der Tür eine Demo macht, dann trifft das die Menschen, die hier einen guten Job machen."

© SZ vom 11.05.2021/aip
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