Geretsried:Fahrräder statt Lebensmittel

Penny Markt Einstein

Der Penny ist geschlossen. Bis zum Einzug des Radgeschäfts saniert die Baugenossenschaft innen das Anwesen am Steiner Ring 1-5.

(Foto: Manfred_Neubauer)

Nach der Schließung des Penny-Markts im Ortsteil Stein stimmt die Mehrheit im Rathaus für ein neues Konzept am Steiner Ring

Von Felicitas Amler

Die rund 2500 Einwohner des südlichsten Geretsrieder Stadtteils Stein bleiben ohne Supermarkt. Stattdessen siedelt sich jetzt ein Fahrradgeschäft mit Werkstatt dort an. Der Bauausschuss des Geretsrieder Stadtrats hat am Dienstag mit 6:5 Stimmen die baurechtlichen Grundlagen dafür geschaffen. Nachdem der Penny-Markt am Steiner Ring voriges Jahr geschlossen hatte, habe die Eigentümerin des Anwesens - die Baugenossenschaft Geretsried (BG) - alles unternommen, um wieder einen Nahversorger zu gewinnen, erklärte die Rathausverwaltung. Dies sei vergeblich gewesen, es handle sich bei dem 900 Quadratmeter großen Laden (Erdgeschoss plus Keller) um "keine zukunftsfähige Einzelhandelsfläche".

Die meisten Stadträte bedauerten dies außerordentlich - allerdings mit unterschiedlichen Konsequenzen. Martina Raschke (Grüne) sagte, es sei viel zu früh, um aufzugeben; Edmund Häner (FDP) nannte die Entscheidung "viel zu schnell". Heidi Dodenhöft erklärte, dass sich kein Nahversorger finde, sei "unfassbar in so einem Riesengebiet" und "ein Wahnsinn für die Leute, die da wohnen". Sabine Gus-Mayer (CSU) stimmte zu: "Glücklich macht mich das auch nicht." Sie sah aber keinen Ausweg. Ebenso wenig ihr Fraktionskollege Ewald Kailberth, der betonte, man müsse "realistisch sein", es werde bei der Größe des Geschäfts "nie ein Einzelhändler reingehen", jedenfalls keine der "großen Ketten, von denen wir träumen"; allenfalls könnte dies "eine Privatinitiative" tun.

Franz Wirtensohn (CSU) erinnerte daran, dass die Geltinger einst dasselbe Problem hatten, als Edeka wegging. Dort hätten sich "ehrgeizige Bürger" zusammengetan und den Dorfladen gegründet. Man müsse aber auch feststellen, so Wirtensohn: "Den Edeka-Markt haben wir verhungern lassen." Denn wenn man in einem kleinen Geschäft nur einkaufe, was man bei Aldi vergessen habe, könne dieses nicht überleben.

Patrik Kohlert (Geretsrieder Liste) beantragte, dass den Stadträten erst einmal die Dokumentation der Bemühungen der BG um ein Nachfolgegeschäft vorgelegt werde. Dies sei möglich, erklärte die Verwaltung. Dem Antrag, der eine Vertagung implizierte, stimmten aber neben Kohlert nur Raschke, Dodenhöft und Häner zu. Volker Witte (Grüne), der die Entwicklung zuvor heftig beklagt ("Ich begreife es heute noch nicht") und angekündigt hatte, nicht zuzustimmen, votierte gegen die Vertagung und am Ende zusammen mit der CSU und Sonja Frank (Freie Wähler) für das Vorhaben. Frank leitete als Dritte Bürgermeisterin die Sitzung für diesen Punkt, weil Bürgermeister Michael Müller (CSU), der im Aufsichtsrat der Baugenossenschaft sitzt, sich befangen erklärt hatte.

Der Bebauungsplan, in dessen Umgriff der Laden liegt, stammt aus dem Jahr 1978 und ist seitdem mehrmals geändert worden. Aus dem ursprünglichen Gewerbe- wurde ein Wohngebiet. Konkret waren 1992 dabei als Ziele "Wohnraumbeschaffung und Nahversorgung" festgelegt worden. Witte erinnerte daran, dass in dem Anwesen schon verschiedene Läden gewesen seien, eine Metzgerei, ein Getränkemarkt und eine Bäckerei. "Der Penny müsste eigentlich gelaufen sein", konstatierte er.

Patrik Kohlert erinnerte daran, dass der Bauausschuss gerade erst dem Aldi-Markt an der Sudetenstraße eine gewünschte Vergrößerung abgelehnt habe - und zwar, um die Nahversorgung in Stein zu schützen.

Der Bauausschuss erteilte schließlich mehrheitlich dem Entwicklungsausschuss des Stadtrats den Auftrag, sich des Themas Nahversorgung in Stein im Rahmen des dortigen Integrierten Stadtquartiersentwicklungskonzepts anzunehmen. Stadtbaurat Rainer Goldstein brachte eine Machbarkeitsstudie ins Gespräch, um geeignete Flächen für Einzelhandel zu finden.

© SZ vom 15.07.2021
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