Streit im Bus:Zu wenig Platz für Kinderwagen und Rollstuhl

Streit im Bus: In den meisten Bussen ist jeweils nur ein Platz für einen Kinderwagen oder einen Rollstuhl reserviert.

In den meisten Bussen ist jeweils nur ein Platz für einen Kinderwagen oder einen Rollstuhl reserviert.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Wenn nur eine Stelle reserviert ist, entscheidet der Busfahrer, wer bleiben darf. In Geretsried ist darüber ein Streit eskaliert, den die Polizei beendete.

Von Felicitas Amler, Geretsried

Lena Gneist ist in der Stadt Geretsried als streitbare Kämpferin für mehr Ökologie bekannt. Sie meldet sich oft und gern in öffentlichen Versammlungen zu Wort, ruft den Bürgermeister schon mal direkt an und postet Kritik, Wünsche und Forderungen in den sozialen Medien. Besonders unerschrocken ist sie aber, wenn es um ihren Lebensgefährten geht, für den sie nicht nur Pflegeperson, sondern auch rechtliche Betreuerin ist. Der Mann sitzt im Rollstuhl, und Gneist kennt die Hindernisse, die Rollstuhlfahrern genauso wie Menschen mit Rollatoren im alltäglichen Leben immer noch viele Wege versperren. Akut ist sie empört darüber, dass ihr Lebensgefährte von der Polizei zum Verlassen eines öffentlichen Busses gedrängt wurde.

Ein Donnerstagmittag in Geretsried-Stein. Gneist und ihr Freund wollen den 370er-Bus nach Wolfratshausen nehmen. Sie steigt ein und hievt den Rolli in den Bus. Ein Vater mit Baby im Kinderwagen ist bereits an jenem Platz, der dafür vorgesehen ist. Der Rollstuhl habe aber problemlos daneben gepasst, sagt Gneist, ihretwegen hätte es losgehen können. Doch der Busfahrer erklärte, er dürfe nur einen Kinderwagen oder einen Rolli transportieren.

Gneist war sauer, denn sie habe das schon zigmal erlebt, sagt sie: "Entweder sind wir rauskomplimentiert oder gar nicht erst reingelassen worden." Nun wollte sie sich und ihren Lebensgefährten nicht mehr vertreiben lassen. Ein Wort gab das andere, zwei junge Frauen stellten sich auf Gneists Seite, der Busfahrer bestand auf seiner Sicht, Gneist rief die Kundenbetreuung des MVV an, der Fahrer schaltete die Polizei ein.

Die kam mit zwei Beamten, die nachdrücklich darauf bestanden, dass der Mann im Rollstuhl den Bus verlassen sollte. Erneuter Wortwechsel, schließlich gab Gneist auf. Draußen seien sie und ihr Lebensgefährte einer intensiven Kontrolle unterzogen worden, sagt sie, einer der Beamten habe gesagt: "Ja, ja, wir kennen Sie schon."

Andreas Feuerecker, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Geretsried, bestätigt den Vorfall im Großen und Ganzen, wenn auch ohne derartige Zitate. Er appelliert ans Verständnis für den Busfahrer. In diesem Bus sei eben nur ein Platz - entweder für einen Kinderwagen oder für einen Rolli. Und der Vater mit Baby sei zuerst dagewesen. Der Busfahrer aber habe die Verantwortung für die sogenannte Ladungssicherung.

Auf die Frage, ob es nicht sehr martialisch sei, einen Rollstuhlfahrer von zwei Polizisten zum Aussteigen bewegen zu lassen, sagt Feuerecker, es sei ja - wie Gneist auch berichtet - zu einem Streit gekommen, und da sei die Polizei als Schlichter gefragt.

Der MVV, so Pressesprecherin Sonja Schneider, unterscheide bei der Beförderung nicht zwischen einer Person mit Kinderwagen und einer im Rollstuhl. Niemand werde zurückgewiesen, "es sei denn, dass durch Platzmangel die Betriebssicherheit beeinträchtigt wird". Dann entscheide der Busfahrer. Dieser habe "das Hausrecht", er dürfe und müsse bestimmen, unter welchen Umständen die Betriebssicherheit gewährleistet ist. Auf der Strecke zwischen Geretsried-Stein und Wolfratshausen fahre der MVV fast im Zehn-Minuten-Takt, daher liege es nahe, "dass der Fahrer die Fahrgäste auf den nächsten Bus verweist". Der MVV bedauere diesen Vorfall sehr und werde die Verkehrsunternehmen, die für den Verbund unterwegs sind, noch einmal darauf hinweisen, "allen Fahrgästen zu jeder Zeit ein Mitfahren zu ermöglichen".

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