Festakt Ein Mensch als Glücksfall

Dörte Sambraus gründete 1982 das Inselhaus als Anlaufstelle für benachteiligte Kinder. Für ihre Tochter Catherine Kemeny ist Rolf Merten (Mitte), der das Haus mehr als drei Jahrzehnte lang führte, ein Mensch mit unerschütterlichem Vertrauen in die Machbarkeit von Projekten. Doch dazu brauchte es auch die Unterstützung seiner Frau Monika (links).

(Foto: Hartmut Pöstges)

Politiker und Weggefährten verabschieden Rolf Merten als Leiter und Geschäftsführer der Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe in den Ruhestand - mit bewegenden Worten, Dank und vielen Umarmungen.

Von Julian Erbersdobler

Als Rolf Merten am Freitag auf der Bühne des Beuerberger Gasthauses "Zur Mühle" stand und in den vollen Saal blickte, sprach er von einem Einschnitt in seiner Biografie, einem unwirklichen Gefühl. Er sei überwältigt von dem Zuspruch und den vielen Menschen. Fast 200 Gäste waren an diesem Abend gekommen, um den Mitgründer der Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe zu verabschieden. Darunter Politiker wie Eurasburgs Bürgermeister Moritz Sappl (GWV), aber auch ehemalige Heimkinder, langjährige Mitarbeiter, Freunde und Weggefährten.

Die ersten Worte des Abends richtete Catherine Kemeny an Merten. Sie ist die Tochter der 1996 verstorbenen Dörte Sambraus, ohne die es die Inselhaus-Jugendhilfe nicht geben würde. "Du hast das Lebenswerk und den Geist meiner Mutter weitergeführt und das Inselhaus auch zu deinem Lebenswerk gemacht", sagte Kemeny. Besonders beeindruckt habe sie der Mut Mertens, den sie als Mensch mit einem unerschütterlichen Vertrauen in die Machbarkeit von Projekten beschrieb.

Nach jeder Rede stand der 65-jährige Merten auf und bedankte sich mit einer Umarmung. Und davon gab es an diesem Abend einige. Seine Nachfolgerin Angelika Schmidbauer erinnerte sich in ihrem Beitrag an die erste gemeinsame Begegnung, ein Bewerbungsgespräch vor sechs Jahren. "Ich hatte gleich das Gefühl, dass du mir zuhörst." Der Entschluss, im Inselhaus zu arbeiten sei deshalb eine reine Bauchentscheidung gewesen, sagte Schmidbauer. Er habe ihr von Anfang an das Vertrauen gegeben, "auch wenn ich Sachen anders mache als du". Dass der Übergang so gut gelinge, sei keine Selbstverständlichkeit. Merten war insgesamt mehr als 35 Jahre lang Geschäftsführer der Einrichtung, die Jugendliche und deren Familien unter die Arme greift.

Zwischen den Reden kam immer wieder Claudia Sommer mit ihrer Akustik-Gitarre auf die Bühne. Die Musikerin hatte 2015 den "Dörte-Sambraus-Preis" erhalten. Sommer begeisterte unter anderem mit Whitney Houstons "Greatest Love Of All". Später trat auch noch der Kabarettist Peter Spielbauer auf. Mertens Frau Monika saß neben ihm an einer von drei langen Tafeln. Das Ehepaar hat einen Sohn und drei Pflegekinder großgezogen. "Deine Frau möchte ich besonders erwähnen", sagte Karola Laukat, langjährige Mitarbeiterin im Inselhaus. Jeder starke Charakter brauche jemanden, der einem den Rücken freihält, aber auch eigene Ideen einbringe.

Dass Rolf Mertens Engagement auch bei der Politik angekommen ist, machte die Würdigung des CSU-Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber deutlich. Er nannte den Betriebswirt und Psychologen einen "Glücksfall", wie er nur selten vorkomme. "Heute ist das Inselhaus eine Institution, die über den Landkreis hinaus in Bayern bekannt ist." Mittlerweile arbeiten dort etwa 100 Menschen. Mertens eigene Rede wurde zu einem flammenden Plädoyer für die Menschlichkeit. Mehr als 20 Minuten sprach er über die heutigen Herausforderungen in der Jugendhilfe, über Inklusion, Flüchtlinge, Familienstrukturen und Kontrollzwänge. Schnell war klar, dass er sich auch im vermeintlichen Ruhestand noch engagieren wird. "Es gibt in diesem Landkreis keine Schule für erziehungsschwierige Jugendliche", sagte er etwa. Deshalb müssten neun Kinder jeden Tag mit dem Bus nach Schongau fahren. "Da brauchen wir eine andere Lösung." Ruhe geben wird Merten folglich auch nach seiner Zeit als Geschäftsführer nicht. Die schönsten Worte, um seinen anhaltenden Einsatz zu beschreiben, fand Schmidbauer: "Rolf, du bist voller Wunder."