Faschings-Spektakel Der Spaß des Jahrzehnts

Zuletzt mutierte 2011 ein Misthaufen in Thanning zur anrüchigen Hochzeitslocation, als sich "Rennate von Entamboch ehemois ohne Hois" (Michael Renner) und "Christopherus voll und zua Knattergiggl" (Christine Gigl) vermählten.

(Foto: Claudia Koestler)

Die Bewohner von Thanning, das heuer 1250 Jahre alt wird, feiern in diesem Jahr den seltenen, skurrilen bayerischen Brauch einer Bettelhochzeit zu Fasching. Am 3. März werden sich "Annian Kasfritzl aus de Hoitzschnitzl" und "Kasina Faginella voll und zua Möörteldreck" ewige Liebe und Treue schwören - auf einem Misthaufen.

Von Claudia Koestler

Ausgerechnet die Braut hat an diesem Abend einen wichtigeren Termin: Statt ihre Vermählung mit dem Bräutigam zu üben, sitzt sie gerade in einer Jagdprüfung - wobei "sie" zu dem Zeitpunkt noch das falsche Pronomen ist, denn die Braut dürfte die Prüfung noch als Mann angetreten sein. Verwirrt? Mitnichten, denn es ist schließlich Fasching. Und dieser wird in diesem Jahr einen besonderen Höhepunkt erleben, nämlich in Thanning: Dort findet heuer eine sogenannte Bettelhochzeit statt, ein Vergnügen, das nur etwa alle zehn Jahre zur Aufführung kommt und zur 1250-Jahr-Feier des Dorfes, am Sonntag, 3. März, festlich begangen wird. Andreas Fagner, so der Name des Jägers in spe, stellt bei der kommenden Bettelhochzeit in Thanning die Braut dar.

Als die Veranstalter des Festkomitees unter Federführung der Thanninger Burschen jüngst den kuriosen Brauch erstmals übten, musste mit der Darstellerriege deshalb noch etwas improvisiert werden. Anwesend aber waren Anna Fritz, die den Bräutigam spielen wird, Josef Schapperer, der als Pfarrer das seltsame Paar trauen wird, sowie die Darsteller des Kirchenchores und Hochzeitslader Peter Aichler.

"Annian Kasfritzl aus de Hoitzschnitzl" und "Kasina Faginella voll und zua Möörteldreck" werden Anna Fritz und Andreas Fagner als Bettelhochzeiter heißen, wenn "Merkwürden Don Promillo" die Trauung standesgemäß auf dem Misthaufen in der Gräfin-Justitia-Straße in Thanning vornehmen wird und das Volk aufgerufen ist, die schönsten Lumpen herauszuholen und die schäbigsten Stöckelschuh' auf Hochglanz zu polieren.

"Viele der einfachen Leute konnten sich in früheren Zeiten keinen Besuch der Bälle während der Faschingszeit leisten", erklärte Korbinian Hasch, einer der Organisatoren des Thanninger Festjahres, den typisch bayerischen und vor allem lustigen, ja schrägen Faschingsbrauch. "Deshalb organisierte man eine Bettelhochzeit, bei der einfache Leute und Dienstboten ihren Spaß hatten und über die Stränge schlagen konnten." Natürlich diene eine Bettelhochzeit auch immer dazu, der Zeitgeschichte ein wenig den Spiegel vorzuhalten, sagt Hasch. Solche Belustigungen habe es bereits seit den 1880er Jahren in der Region gegeben. Überliefert sei zudem eine solche im Jahre 1949, die in dem benachbarten Weiler Feldkirchen stattgefunden habe.

Trockenübung mit viel Komik: Die Protagonisten der diesjährigen Thanninger Bettelhochzeit üben derzeit fleißig im Trachtenvereinsheim.

(Foto: Claudia Koestler)

Auch in Thanning hat die Ausrichtung des kuriosen Faschingsbrauchs eine lange Tradition: 1969 wurde dort erstmals eine Bettelhochzeit aufgeführt, die in der Regel nur alle zehn Jahre stattfindet. Allerdings gab es in Thanning zwischendurch eine kleine Unregelmäßigkeit durch einen fehlenenden Wirt, zuletzt gab es ein solches Spektakel deshalb 2011. Nun aber, pünktlich zum Jubiläumsjahr, ist der Reigen zurück in der zeitlichen Spur. Seit 15. September wird bereits von den 30 aktiven Mitgliedern des Burschenvereins sowie 20 bis 40 weiterer engagierter Thanninger alles für das bunte Spektakel organisiert, aufgebaut und geprobt. Ganz nach dem Motto: "Je schepser, umso lustiger", wie Schapperer betont. Leicht sei es hingegen laut Burschenvereinsvorsitzende Florian Lichtenegger nicht gewesen, freiwillige Darsteller für die Schau zu finden, bei der die "Damenwelt" mit herben Charme und üppigen Damenbärten punktet, die "Herren" hingegen eher zart anmuten. Dementsprechend lachen die Verantwortlichen auch herzlich auf, als die Frage nach einem Casting für die Hauptdarsteller aufkommt. "Es ist eher so, dass man jeden fragt, jeder abwinkt, und wer sich dabei am wenigsten gewehrt hat, den trifft es", lacht er. So wie die 21-jährige Anna Fritz, gelernte Zahntechnikerin und inzwischen als Almhelferin und -kaserin tätig: Gerissen habe sie sich nicht darum, den Bräutigam zu spielen. Inzwischen aber freue sie sich doch sehr auf die Gaudi. Ihre langen Haare werden hinter einem Zylinder verschwinden, einen Bart habe sie "im Internet bestellt", den Anzug leihe sie sich von ihrer Vorgängerin Christine Gigl, die 2011 die den Bräutigam "Christopherus voll und zua Knattergiggl" spielte.

Die zünftige Feier beginnt bereits um 11.11 Uhr am Sportplatz ("dem Zweitwohnsitz des Bräutigams"), von wo aus sich der Kirchenzug aufmachen wird durch das Dorf zum Misthaufen in der Ortsmitte ("beim Baur"). Kuriosum am Rande: Der Bauer, der den Misthaufen dafür mietfrei zur Verfügung stellt, trainiert laut Lichtenegger bereits seit Wochen seine Kühe für das Spektakel, so dass sie am Tag der Sause auf der anrüchigen Hochzeitslocation vor ihrem Stall keinen Stress haben werden. Auf dem Misthaufen wird sich das schräge Paar nach einer deftigen und kabarettistischen Predigt des "Pfarrers" Schapperer alias "Merkwürden Don Promillo" das Ja-Wort geben. Noch darf nichts von der narrischen Predigt verraten werden, nur so viel: Sie wird sich mit der Ortsgeschichte und typischen Thanningern beschäftigen und von den schrägen Gesängen des "Kirchenchores" begleitet werden. In den Fürbitten wiederum kriegen auch andere ihr Fett weg. Kleiner Vorgeschmack: "Herr, verschone das Sonnental Jachenau vor Schneemassen, Klopapiermangel und RTL-Reportern." "

Im Anschluss an die kuriose Trauung folgt natürlich auch ein deftiges Hochzeitsmahl. Für rund 250 närrische Gäste geht es dazu zum Gasthof Jägerwirt in Aufhofen, wo der Hochzeitsball stattfinden wird. Die Karten hierzu sind allerdings schon restlos ausverkauft. Für die Trauung selbst aber, wenn die Braut Bart trägt und der Bräutigam schäbige Stöckelschuhe, setzen die Thanninger ganz auf regen Zuspruch von Faschingsfreunden aus der ganzen Umgebung.