Von Menschen und Maschinen:Volksvergnügen in Dieselwolken

Von Menschen und Maschinen: Ein Traktor - auch Bulldog genannt - zieht einen Bremswagen im Rahmen eines Wettbewerbs, den die Oldtimerfreunde Endlhausen und Umgebung alle zwei Jahre veranstalten.

Ein Traktor - auch Bulldog genannt - zieht einen Bremswagen im Rahmen eines Wettbewerbs, den die Oldtimerfreunde Endlhausen und Umgebung alle zwei Jahre veranstalten.

(Foto: Manfred Neubauer)

Das Bulldogziagn im Eglinger Ortsteil Attenham lockt mehrere Tausend Zuschauer an, die über Stunden verfolgen, wie Traktoren einen Bremswagen über eine Wiese ziehen.

Von Claudia Koestler, Egling

Verfolgt man die nationalen und internationalen politischen Debatten um Klimaschutz und Mobilitätswende, wirkt so manches im Alltag aus der Zeit gefallen, was lokal noch immer das Leben bestimmt. Insofern nimmt es nicht wunder, dass der kleine Weiler Attenham am vergangenen Sonntag Tausende Menschen mit einem Spektakel anlockte, das ein Kräftemessen der schweren Verbrenner-Motoren war, nicht mehr und nicht weniger. Ein Volksvergnügen in Dieselwolken.

Von Menschen und Maschinen: Mehrere Tausend Zuschauer verfolgten das Spektakel am Sonntag.

Mehrere Tausend Zuschauer verfolgten das Spektakel am Sonntag.

(Foto: Manfred Neubauer)

"Bulldogziagn" nennt sich die alle zwei Jahre stattfindende Schau, bei dem sich bullige Traktoren gegen Tausende von Kilogramm stemmen, die Auspuffe röhren und Tausende Zuschauer über den Rauch hinweg jubeln und applaudieren. Grundsätzlich geht es beim Bulldogziagn darum, mit einem Traktor einen Bremswagen mit Gewichten mit bis zu 10 000 Kilogramm auf einer eigens angelegten Gras-, respektive später Erdbahn möglichst weit zu ziehen. Ein Messen von Geschicklichkeit und Fahrkönnen also - und Fragen nach CO2-Ausstoß und -Einsparungen schienen ganz weit weg.

In den USA ist das sogenannte Tractor-Pulling eine äußerst populäre Motorsportart, und auch hierzulande gewinnt es offenbar immer mehr an Boden, auch wenn der Oldtimerverein Endlhausen und Umgebung, der das heuer bereits zum achten Mal angeboten hat, damit Vorreiter im Oberland ist. Der Verein veranstaltet das Bulldogziagn im jährlichen Wechsel mit dem Oldtimertreffen - denn jedes Jahr das Gleiche anzubieten, würde auf Dauer ja langweilig werden. Dementsprechend groß war die Anziehungskraft der diesjährigen Veranstaltung auf beiden Seiten: Knapp 80 Teilnehmer brachten mit ihren Maschinen - mal hochmoderne Traktoren, mal altbewährte Gefährte - das rund 2000 Köpfe zählende Publikum auf einer Wiese hinter dem Weiler zum Staunen.

In unterschiedlichen Klassen traten die Teilnehmer gegeneinander an und waren dafür überwiegend aus dem eigenen und den umliegenden Landkreisen angereist. Chrom, Stahl und Blech blitzten in der Sonne eines eher hochsommerlich anmutenden Herbsttags. Das Fahrerlager war für jeden Interessierten offen, die Besucher konnten sich mit den Besitzern über die jeweiligen Modelle austauschen und natürlich auch das eine oder andere Erinnerungsfoto am oder auf dem Traktor schießen. Andere nutzten kleinere Modelle, um mit jüngeren Besuchern oder der Familie in gemächlichem Tempo über das Gelände zu cruisen, zu den Dieselwolken am Waldrand gesellte sich der Duft von Grillgut und Backwaren.

Von Menschen und Maschinen: Dieselwolken mischten sich mit Grillduft.

Dieselwolken mischten sich mit Grillduft.

(Foto: Manfred Neubauer)

Ungewöhnliche Konstruktionen oder gar Eigenbauten gab es dabei allerdings weniger zu bestaunen, zumindest auf dem abgesteckten Parcours für den Wettbewerb: Da ausschließlich zugelassene Traktoren, Serienschlepper und Oldtimer teilnehmen durften, waren eigengeschraubte Boliden eher schmuckes Beiwerk.

Von Menschen und Maschinen: Spazierfahrt mit Sonnenschutz: Das Publikum vergnügte sich am Rande des Wettbewerbs.

Spazierfahrt mit Sonnenschutz: Das Publikum vergnügte sich am Rande des Wettbewerbs.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die entscheidende Frage des Wettbewerbs war, welcher Traktorfahrer mit seinem Gefährt den schweren Bremswagen am weitesten über die Wiese ziehen konnte. Streckenmarkierungen zeigten den Schiedsrichtern und Zuschauern, ob jemand es mit Müh und Not gerade einmal an die 50 Meter weit schaffte, den Bremswagen zu ziehen, oder doch eher lässig bis an das 100 Meter entfernte Ziel kam- also den sogenannten "Full pull" schaffte. Klare Regeln besagten, dass der Fahrer während des Wettbewerbs den Sitz nicht zu verlassen hat, kein zusätzliches Gewicht oder Fahrer mitnehmen und auch keine Zwillingsbereifung haben darf. Kurzum, der Fahrer soll das Optimum an Leistung aus seinem Traktor zur Schau stellen.

Von Menschen und Maschinen: Bye bye Grasnarbe: Der Bremswagen mit Gewichten grub sich in die Erde.

Bye bye Grasnarbe: Der Bremswagen mit Gewichten grub sich in die Erde.

(Foto: Manfred Neubauer)

Über Stunden trotzten die Teilnehmenden dem gewichtigen Widerstand an ihrem Heck, beobachteten die Zuschauer, wie es mancher eher mit Schwung, andere mit Bleifuß versuchten. Sie sahen, wie der Bremswagen wieder und wieder über die Grasnarbe rutschte und Reifen in der Erde durchdrehten. Die drei Bestplatzierten jeder Klasse bekamen am Ende strahlende Pokale überreicht, und das Publikum ging mit jeder Menge Gesprächsstoff über die für sie pferdestarke Gaudi nach Hause.

Von Menschen und Maschinen: Am Ende gab es Preise für das fahrerische Können.

Am Ende gab es Preise für das fahrerische Können.

(Foto: Manfred Neubauer)
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