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Carsharing im Oberland:Mein Auto ist dein Auto

Carsharing Benediktbeuern

Vor eineinhalb Jahren ist das Angebot mit einem Auto gestartet. Schon bald musste ein zweiter Wagen angeschafft werden.

(Foto: Manfred Neubauer)

Ein Dutzend Menschen teilen sich in Benediktbeuern zwei Wagen - und der Verein Carsharing Pfaffenwinkel will expandieren.

Von Konstantin Kaip

Um mobil zu sein, braucht man in Benediktbeuern seit Februar 2016 kein eigenes Auto mehr: Der Verein Carsharing Pfaffenwinkel hatte der Gemeinde zunächst einen Viertürer zur Verfügung gestellt, vor einem Jahr wurde ein zweiter Kleinwagen angeschafft. Die beiden Autos, die vor dem Rathaus parken, sind gefragt: Ein gutes Dutzend Privatpersonen nutzte sie regelmäßig, sagt Martin Heinz, Geschäftsführer bei Carsharing Pfaffenwinkel. Manche von ihnen kämen auch aus Bichl und Kochel. Und auch den Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung dienten die Fahrzeuge immer wieder zur Erweiterung ihres Fuhrparks. Es gebe aber noch einige freie Zeiten, in denen die beiden Autos ungenutzt herumstünden, sagt Heinz. "Deshalb freuen wir uns natürlich über neue Interessenten."

Die will der Geschäftsführer am Dienstagabend bei einem "Carsharer-Stammtisch" erreichen. Ansprechen wolle er besonders Zielgruppen, die bislang von dem Angebot in Benediktbeuern noch kaum Gebrauch machen: Familien und Studenten. Er habe die Veranstaltung bereits auf Facebook geteilt, sagt Heinz, und auch einen Aushang bei der Studentenvertretung der Stiftungsfachhochschule gemacht. Die Rückmeldungen seien vielversprechend.

Carsharing Pfaffenwinkel wurde im Jahr 2000 in Weilheim gegründet und zählt zu den ältesten Initiativen in Südbayern. Benediktbeuern war die siebte Gemeinde, die der Verein aufnahm, inzwischen sind es mit Peißenberg acht, darunter auch die Stadt Penzberg. Wer die Autos nutze, sei je nach Standort unterschiedlich, sagt Heinz. So seien es in Bernried, wo es mittlerweile drei Fahrzeuge gebe, besonders junge Familien, die von dem Angebot Gebrauch machten. In Benediktbeuern hingegen seien die Nutzer überwiegend "Menschen, die in der Mitte ihres Lebens angekommen sind".

Um die Autos nutzen zu können, muss man einen Rahmen-Mietvertrag abschließen und 511 Euro Kaution hinterlegen. Für einen Monatsbeitrag von elf Euro kann man dann über ein elektronisches Buchungssystem oder auch telefonisch das Auto reservieren - stunden-, tages- oder wochenweise. "Es gibt durchaus Leute, die das Auto nur einmal im Jahr nehmen, um damit drei Wochen in die Toskana zu fahren", sagt Heinz. Wer das Auto nutzt, zahlt zudem 2,10 Euro pro Stunde (bei 24 Stunden 21 Euro) und 26 Cent für jeden angefangenen Kilometer. "Da ist dann aber das Benzin inbegriffen." Eine Tankkarte, mit der man überall zahlen könne, liege an Bord. Studenten und Urlauber zahlen weniger Kaution und die Monatsgebühr nur für die Monate, in denen sie tatsächlich auch fahren.

Carsharing gibt es im Landkreis sonst nur noch in Bad Tölz, wo der Verein Stattauto Isarwinkel vier Autos anbietet. In Wolfratshausen sind zwei Initiativen aus wirtschaftlichen Gründen gescheitert. Carsharing Pfaffenwinkel arbeitet nicht gewinnorientiert, aber kostendeckend, wie Heinz betont. Auch wenn es auf dem Land deutlich mehr Autobesitzer gibt als in den Ballungszentren, sieht er den Bedarf in Benediktbeuern auf jeden Fall gegeben. Zwar biete der Zug eine gute Nord-Süd-Verbindung, sagt er. "Wenn man aber nach Murnau oder nach Tölz will, wird es schwierig." Viele Kunden verzichteten bewusst auf ein eigenes Auto oder zumindest auf den in vielen Familien üblichen Zweitwagen, sagt Heinz. Der Trägerverein "ÖkoMobil Pfaffenwinkel" verstehe das Angebot daher als Teil des Umweltverbunds, zu dem auch der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs gehöre. "Das klassische Carsharing soll das Privatauto ersetzen."

Carsharer-Stammtisch, Dienstag, 24. Oktober, 19 Uhr, Gasthof Post, Benediktbeuern

© SZ vom 24.10.2017

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