Buchstabenkunst:Geschriebene Gemälde

Buchstabenkunst: Kalligrafie, die Kunst des schönen Schreibens, liegt als Gegenbewegung zur Digitalisierungswelle voll im Trend.

Kalligrafie, die Kunst des schönen Schreibens, liegt als Gegenbewegung zur Digitalisierungswelle voll im Trend.

(Foto: Sabine Pfeiffer/oh)

Seit 2005 gibt Sabine Pfeiffer Kalligrafie-Kurse am Zentrum für Umwelt und Kultur im Kloster Benediktbeuern. Im nächsten Lehrgang will sie die Teilnehmenden mit Farbenlehre und Buchstaben-Kompositionen von Paul Klee zu eigenen Werken anregen.

Von Paul Schäufele, Benediktbeuern

Mit Lametta, Engelshaar und Schwibbögen haben sich vermutlich auch die Weihnachtskarten verabschiedet, die noch per Post ins Haus kamen. Wie viele davon verkündeten handschriftlich aufgesetzte Grüße? Wahrscheinlich mehr als vor ein paar Jahren, denn Handgeschriebenes ist im Trend. Immer mehr Menschen versuchen ganz bewusst, der Dominanz des elektronischen Schreibens etwas Persönlicheres entgegenzustellen, interessieren sich für Kalligrafie und deren zeitgenössische Varianten Handlettering und "Modern Calligraphy". Das lässt sich kultivieren, zum Beispiel in dem Kurs, den Sabine Pfeiffer vom Donnerstag, 15. Februar, bis Sonntag, 18. Februar, am Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) im Kloster Benediktbeuern unter dem Titel "Kalligrafie: Inspirationen nach Paul Klee" anbietet.

Für Sabine Pfeiffer bedeutet der Kurs eine Rückkehr in vertrautes Terrain. Die Braunschweigerin unterrichtet seit einigen Jahren Kalligrafie in Benediktbeuern. Sie übernahm die Kurse 2005, nachdem eine Kollegin kurz zuvor altersbedingt aufgehört hatte. Für sie als Kalligrafin hat der Ort eine besondere Bedeutung. Schließlich wurde im Kloster Benediktbeuern der Codex Buranus gefunden, die buchgestalterisch umwerfende Anthologie zumal mittellateinischer Texte, die später unter dem Titel "Carmina Burana" berühmt wurde. Doch dass Sabine Pfeiffer seit nun beinahe zwei Jahrzehnten zwei Mal jährlich den Weg ins Oberland zurücklegt, um Schriftgestaltung zu unterrichten, liegt am Gesamteindruck. "Das ist einfach ein Ort, wo's hinpasst. Das ganze Ambiente lädt dazu ein, das ist einfach stimmig", sagt sie. "Und für mich als Norddeutsche ist es besonders schön, auch mal Berge zu sehen."

Buchstabenkunst: Sabine Pfeiffer unterrichtet seit 2005 Kalligrafie im Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) im Kloster Benediktbeuern.

Sabine Pfeiffer unterrichtet seit 2005 Kalligrafie im Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) im Kloster Benediktbeuern.

(Foto: Sabine Pfeiffer/oh)

Umso mehr freut sie sich jetzt darauf, nachdem erst die Pandemie und dann noch der Hagelschaden Kurse vor Ort im ZUK unmöglich gemacht haben. Obwohl auch die von ihr angebotenen Online-Kurse gut angenommen wurden. Teilweise sei es den Teilnehmenden so sogar leichter gefallen, die durch die Kamera aufgenommenen Schreibbewegungen genau zu studieren.

Über mangelndes Interesse kann die studierte Grafikdesignerin, die über Workshops während und nach dem Studium zur Kalligrafie gekommen ist, sich also nicht beklagen. Manche ihrer Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer sind schon seit Jahren jedes Mal dabei. Barbara Teichert etwa belegte ihren ersten Kurs vor ungefähr 10 Jahren, nachdem eine Freundin sie auf das Angebot des ZUK aufmerksam gemacht hatte. "Ach, das probierste jetzt mal aus", hat sie sich gedacht. Daraus wurde ein Hobby, das Handwerkliches und Kreatives miteinander verbindet: "Zuerst lernt man eine neue Schrift kennen und übt, diese akribisch genau zu schreiben. Später kann man dann die Fantasie spielen lassen, das ist ungeheuer meditativ", sagt die Wolfratshauserin. So hat sie dann, schon ohne Anleitung im Kurs, einen ganzen Kalender zu Papier gebracht und verschenken können.

Buchstabenkunst: Mehr als nur Schrift: Die Kalligrafie kann durchaus zum eigenständigen Kunstwerk werden.

Mehr als nur Schrift: Die Kalligrafie kann durchaus zum eigenständigen Kunstwerk werden.

(Foto: Sabine Pfeiffer/oh)

Den Aspekt des Meditativen, des Zur-Ruhe-Kommens betont auch Sabine Pfeiffer. Beim kalligrafischen Gestalten ist es nicht möglich, sich nebenbei auf Anderes zu konzentrieren. Kalligrafie in diesem Sinne hat deshalb wenig mit der schulischen Schönschrift zu tun. Zwar geht es auch hier zunächst darum, eine Schrift zu erlernen, die Formen der Buchstaben zu beherrschen, etwa die gerundeten Großbuchstaben der Unziale oder eine modernistisch geprägte Jugendstil-Schrift. Dazu kommt noch die Handhabung der Instrumente, also etwa die an der vorderen Spitze mit einer Schreibplatte ausgestattete Redisfeder. Doch keineswegs komme es immer auf besonders gute Lesbarkeit an, meint Sabine Pfeiffer. Auch hier entscheidet der Gesamteindruck, das entstandene Bild.

Im kommenden Kurs lässt man sich von den Werken Paul Klees inspirieren - eine Idee, die Pfeiffer kam, als sie an der Katholischen Akademie in Cloppenburg Kurse gab, bei denen ein Kunsthistoriker Informationen zum ästhetisch-geschichtlichen Hintergrund beisteuerte. Klee, der in engstem Kontakt mit den Künstlern des Blauen Reiters stand, hat sich ab 1916 selbst mit der (kalli)grafischen Umsetzung zumeist lyrischer Texte beschäftigt. Berühmt ist etwa das Aquarell, in dem Klee das vermutlich eigens verfasste Gedicht "Einst dem Grau der Nacht enttaucht" verarbeitete: Die Buchstaben in Farbquadrate gepflanzt, die Zeilen um eine Mittelachse zentriert. Auf den ersten Blick ist das kaum entzifferbar, doch darin liegt der Reiz - der grafische Eindruck lässt staunen. Sabine Pfeiffer nennt derlei Werke "Schrift-Bilder". Im Kurs werden die Teilnehmenden eine klassisch-ruhige Schriftart erlernen - eine Lapidar-Antiqua - und diese "zu einem Schriftteppich verweben", so Pfeiffer.

Buchstabenkunst: Meditation und Konzentration: Teilnehmerinnen eines Kalligrafie-Kurses im ZUK.

Meditation und Konzentration: Teilnehmerinnen eines Kalligrafie-Kurses im ZUK.

(Foto: ZUK/oh)

Wenn man mit Sabine Pfeiffer spricht, wird klar: Diese ruhige, geradeaus sprechende Frau lebt für die Schrift, das fantasievolle Gestalten. Ob sie auch gedruckte Briefe lesen würde? "Ja ja, sicher", sagt Sabine Pfeiffer. Sie ergänzt mit freundlichem Unterton: "Aber wenn ich eine handgeschriebene Adresse sehe, mache ich den Brief zuerst auf." Das sei schöner, außerdem könne man sicher sein, dass dann nichts Gefährliches auf einen wartet. Behördliche Schreiben sind selten kalligrafische Meisterwerke.

Kurs "Kalligrafie: Inspirationen nach Paul Klee" von Donnerstag, 15. Februar, bis Sonntag, 18. Februar. Kosten: 180 Euro, zzgl. Übernachtung und Verpflegung. Anmeldung mit Übernachtung bis 18. Januar, ohne Übernachtung bis 1. Februar. Anmeldung und weitere Informationen unter www.zuk-bb.de

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