Naturschutz Ehrenamtliche Paten könnten sich um die Flächen kümmern

Eine der Pilotgemeinden wird voraussichtlich Geretsried sein. Inken Domany, die Umweltreferentin der Stadt, erhofft sich Unterstützung durch die Planer. Sie würde gerne im neuen Gewerbegebiet Gelting Ost auf den Grünflächen zwischen den künftigen Betrieben verschiedene Saatmischungen ausprobieren, um zu sehen, was welche Insekten anlockt und welche Mischung sich längerfristig bewährt. Wie in der Gemeinde Haar könnten sich ehrenamtliche Paten um die Flächen kümmern, sie beobachten und auch Pflanzen jäten, die andere zu überwuchern drohen. Einbeziehen müsse man natürlich auch den städtischen Bauhof, sagt Domany, der müsse die Flächen ja pflegen.

Die Gemeinde Icking hat auf eigene Faust schon im vorigen Jahr damit begonnen, Flächen zu schaffen, auf denen Blumen wie Malven, Natternkopf und Hornklee sprießen, etwa auf dem Kreisverkehr, und auch die Bürger zur Anlage von Magerwiesen zu motivieren. Derartige Flächen könnten auch als ökologische Ausgleichsflächen anerkannt werden.

Was die Bauern tun können

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und die Untere Naturschutzbehörde im Tölzer Landratsamt laden Landwirte zu einer botanischen Führung in die Jachenau ein. In etwa drei Stunden können die Teilnehmer am kommenden Dienstag die Pflanzenarten kennenlernen, ein Imker erklärt ihre Bedeutung für die Bienen. Ziel ist es, dass die Besitzer artenreicher Wiesen anschließend wissen, ob sie für dafür Förderung nach dem Kulturlandschaftsprogramm "Erhalt artenreicher Grünlandbestände" bekommen können. Dazu müssen auf den Wiesen 34 verschiedene Blütenpflanzen vorkommen, von der Schlüsselblume über die Kuckucks-Lichtnelke bis hin zum Vergissmeinnicht - noch vor 30 Jahren Allerweltspflanzen, heute vielfach eine Seltenheit.

Das AELF plant außerdem eine "Wiesenmeisterschaft" in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach, bei der öffentlichkeitswirksam artenreiche Wiesen prämiert werden sollen. Weitere Maßnahmen, die das AELF den Landwirten als hilfreich ans Herz legt: Sie sollen bei der Löwenzahnblüte zwei bis drei Tage mit dem Mähen warten, damit Bienen und andere Insekten den Nektar nutzen können, sie sollen möglichst vor 9 oder nach 18 Uhr mähen, wenn die Bienen nicht mehr fliegen, und insgesamt möchte das Amt den Bauern die große Bedeutung der Wiesen und deren Mahd für Insekten nahebringen.

Auch Gärten sind ein wichtiger Lebensraum

Neben landwirtschaftlichen und kommunalen Grünflächen können auch Gärten ein wichtiger Rückzugsraum für Insekten sein. Wie das AELF erklärt, wünschen sich Bäuerinnen und Hausgartenbesitzer mehr Informationen über wertvolle Blühpflanzen, die sie dann in ihre Gärten holen wollen. Dazu will das AELF Tipps und Vorschläge zusammentragen und etwa über Gartenbauvereine und Ortsbäuerinnen verbreiten. Tappertzhofen weiß, dass all das nicht genügen wird, um die Insekten zu retten. "Es muss sich sehr viel tun, damit sich was ändert, aber es fängt halt mit den Verkehrsinseln an", sagt sie. Sie hofft auf ein langfristiges Umdenken, auch bei den Landwirten. "Das ist ein hochpolitisches Thema", sagt die LBV-Biologin.

Vom LBV gibt es Broschüren und Listen mit insektenfreundlichen Blütenpflanzen, www.lbv.de, oder bei der Geschäftsstelle in Wolfratshausen, 08171/273 03. Mehr Informationen auch unter www.bluehende-landschaft.de und www.naturgarten.org

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