Hader im Kurhaus Im Zwiegespräch mit dem lachenden Loch

Er spielt sich selbst und das nun schon im achten Jahr: Josef Hader mit seinem Programm "Hader spielt Hader".

(Foto: Manfred Neubauer)

Kabarettist Josef Hader begeistert im ausverkauften Tölzer Kurhaus. Seine Witze und Pointen sind allerdings nicht mehr die neuesten.

Von Benjamin Emonts

Es stellt sich durchaus die Frage, weshalb sich die Leute immer noch totlachen über Josef Hader. Er fläzt auf dem Klavier und sagt Sätze wie: "Ich bin echt zu alt für den Scheiß." Oder: "Für so mittelmäßiges Klavierspiel ist in Europa noch nie so viel Eintritt gezahlt worden." Spätestens jetzt würde man vielleicht vereinzelte Buhrufe erwarten. Aber bei Josef Hader? Keineswegs. Der Maestro erntet Gelächter und lauten Applaus.

Selbstverständlich ist das nicht. Josef Hader, einer der größten und beliebtesten Kabarettisten im deutschsprachigen Raum, präsentiert sein Programm "Hader spielt Hader" mit leichten Abwandlungen bereits im achten Jahr. Die meisten seiner Witze sind ehrlich gesagt alt und allmählich erschöpft. Und dennoch schafft es der gebürtige Wiener mit seiner unnachahmlichen Mimik und seiner grantigen bis depressiven "Weil-Du-Mir-Wurscht-Bist-Einstellung" auch dieses Mal von Anfang an das Publikum im ausverkauften Tölzer Kurhaus zu begeistern. Seine Schimpftiraden über die Wiener mit ihren "wassrigen Schweinsaugen" oder die Ehefrau, die ihre Katze so unfassbar fett füttert, weil sie am liebsten selbst die ganze Zeit fressen würde, funktionieren offenbar immer und immer wieder.

Haders Gesichtsausdruck, wenn er so richtig angewidert ist von Kroaten, Delfinen oder seiner Ehefrau, entschädigt nun mal für vieles. Wenn er anfängt, mit seinem Wiener Dialekt aufs Derbste über sie herzufallen, hängen ihm die Leute an den Lippen. Der "Franzos" etwa haut den ganzen Tag den fetten Käse in sich hinein, konsumiert Buttersaucen intravenös und frisst zu seinen Shrimps auch noch Speck dazu. "Viel Wein saufen, keine Fremdsprachen sprechen und unfreundlich sein." Das ist der Franzos. Es sind banale zeitlose Themen, die offensichtlich ankommen.

Seine beeindruckende Bühnenpräsenz, Hader ist auch ein erfolgreicher Regisseur und Schauspieler, lassen indes erahnen, dass der Österreicher vermutlich doch nicht zu alt für den Scheiß ist - es bräuchte vielmehr ein wenig mehr Abwechslung und ein paar neue Witze und Pointen. Auch das Klavierspiel Haders ist übrigens weitaus besser als in dessen Selbsteinschätzung. Seine bitterbösen, teilweise völlig sinnfreien Couplets, die er am E-Piano musikalisch begleitet, gehören zu den stimmungsvollsten und lustigsten Momenten seines Auftritts. Zumal Hader mit seiner Gesangsstimme zwischen der Tiefe Elvis Presleys und der Höhe einer krächzenden Hausfrau changieren kann.

Hader ist sich natürlich bewusst, dass er nicht viel Neues zu bieten hat. Er spricht gleich zu Beginn vom Kredit, den er bei den Zuschauer wohl noch habe. "Sie denken, das werd scho noch", sagt er. Aber wie in den meisten Beziehungen handele es sich um einen Irrglauben: "In zwei Stunden hamma genug voneinander. Um die Beziehung frisch zu halten, müssten Sie jetzt gehen." Die Tölzer aber bleiben, sie lachen, applaudieren und gehen später bestens gelaunt nach Hause. Womöglich sind sie Humanisten per Haders Definition. "Humanismus? Muss man nicht erklären, oder? Das ist, wenn der Wiener so sogt: Joa, passt eh!" Das Spiel mit dem Publikum beherrscht Hader ohnehin perfekt. Er gesteht den Zuschauern kurz vor Ende seines zweistündigen Auftritts, dass er gar nichts über sie wisse und sie ihm ehrlich gesagt vollkommen fremd seien. Noch schlimmer sogar. "Ich sehe Sie gar nicht", sagt er und schiebt die Schuld auf die blendenden Scheinwerfer. "Ich sehe nur ein riesiges, finsteres lachendes Loch."

Aktuellen politischen Themen geht Hader weitestgehend aus dem Weg. Als Österreicher lebe er inzwischen in einer gemäßigten Diktatur, sagt er lediglich. Und der CSU gibt er eine für ihr angekündigtes bayerisches Raumfahrtprogramm mit, das nur dazu da sei, neue Wähler auf anderen Planeten zu finden oder ausgediente Politiker dorthin zu befördern. Die alten Griechen nagelt er auf ihr "Lieblingshobby, die Knabenliebe" fest. "Da hört man bei den katholischen Priestern oft ein Aufatmen, Gott sei Dank, wir ham's ned erfunden!" Ansonsten bestimmen Selbstironie und eine lapidare Selbstreflexion Haders Auftritt. Das Publikum applaudiert begeistert, dass er abermals Delfine und Franzosen beschimpft hat.