An der Adalbert-Stifter-Straße Wo Inseln gebaut werden

So schön kann Schule sein: Lerninseln (hier an der Realschule Geretsried) schaffen eine entspannte Atmosphäre.Am Gymnasium werden sie gerade für die siebten und achten Klassen geschaffen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Das Schulzentrum Geretsried ist noch für ein paar Jahre Dauerbaustelle. Zur Generalsanierung gehört auch die räumliche Gestaltung für zeitgemäße pädagogische Konzepte.

Von Felicitas Amler

An diesem Waschbeton hängt René Beysel irgendwie. Der studierte Bauingenieur und Hauptamtsleiter im Tölzer Landratsamt ist schließlich jahrelang selbst über die damit belegten Treppen im Gymnasium Geretsried gegangen: als Schüler von 1980 bis 1990. Jetzt besichtigt er die Baustelle und berichtet, dass sich zwar vieles ändert bei der Generalsanierung des Schulzentrums, zu dem auch die direkt anschließende Realschule gehört. Aber vom völlig unzeitgemäßen Waschbeton soll schon noch ein bisschen was bleiben. So ist es beschlossen.

Am Waschbeton lässt sich das Alter des Schulzentrums gut ablesen. Das Material ist heutzutage out, es war in den Sechzigern und Siebzigern beliebt - der Bau an der Adalbert-Stifter-Straße datiert aus dieser Zeit. Richtfest war 1971, im Herbst desselben Jahres begann der Unterricht. Nach Zunahme der Schülerzahlen, Provisorien und Auslagerungen wurde 1994 erstmals angebaut. Das war seitdem immer wieder nötig, und die aktuelle Baustelle wird auch noch ein paar Jahre anhalten. Seit 2016 steht ein Interimsgebäude vor dem Zugang zum Haus, das noch bis 2024 gebraucht wird. Seit 2017 läuft die Generalsanierung der in die Jahre gekommenen Schulbauten. Derzeit wird im Gymnasium in Bauabschnitt II gearbeitet.

Die Klassenbereiche der siebten und achten Jahrgangsstufen im ersten Stock sind gerade dran. Alles wurde entkernt, weil die Räume mit Blick auf moderne pädagogische Konzepte neu geordnet werden. "Lerninseln" heißt das Zauberwort. An der Realschule haben sich diese Inseln bereits bestens bewährt, und im Interimsgebäude werden sie auch schon mit den fünften und sechsten Klassen des "Gym Ger" erprobt. Selbständiges und gemeinsames Arbeiten statt Frontalunterricht kennzeichnet das Insel-Leben. Von einem meist farbenfroh gestalteten "Marktplatz" aus geht es ohne Türen in verschiedene Zimmer. Die Kinder sollen sich in offener Atmosphäre hin- und herbewegen, um nach eigener Einschätzung unterschiedliche Lernsituationen und -materialien zu nutzen.

Das Schulzentrum erhält derzeit außerdem eine fröhlichere Fassade.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

So wird die Schule nach und nach räumlich wie pädagogisch modernisiert. Das eine wie das andere kostet Geld. Die Generalsanierung des Schulzentrums Geretsried ist beim zuständigem Träger, dem Landkreis, inzwischen mit rund 45 Millionen Euro angesetzt. Erst vor Kurzem sind wieder 2,3 Millionen Euro dazugekommen, weil das Raumprogramm angepasst werden musste. Mehr Schüler machen mehr Klassen und damit mehr Räume erforderlich: War man bei der Genehmigung vor drei Jahren noch von einem Bedarf von 29 Klassen für die Realschule und 32 beim Gymnasium ausgegangen, wird nun mit 30 Klassen für die Realschule und 39 fürs Gymnasium gerechnet. Zu den Neuerungen gehört auch ein "Lernhaus" in der Realschule, in dem Schüler gemeinsam arbeiten können. Es ist im Jahr 2021 geplant. Der Schul- und Bauausschuss des Kreistags hat dies alles kürzlich gebilligt.

Die Bauarbeiten in der Schule werden regelmäßig mit der Leitung abgestimmt. Insbesondere wenn viel Lärm zu erwarten ist, muss Rücksicht genommen werden. So habe während der Abiturprüfungen ein Arbeitsstopp gegolten, berichtet Beysel: "Da durfte nicht mal ein Dübel in die Wand gebohrt werden."

Unterm Dach entsteht eine neue Lüftungsanlage.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Ein Großteil der Baustelle ist für die meisten in der Schule gar nicht zugänglich: Unterm Dach befindet sich die Technik der neuen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Ein großer Fortschritt für die Schule, ebenso wie die neue Fassade mit Dämmung entsprechend der Energieeinsparverordnung.

Neben dem Gymnasium wächst derzeit noch ein anderer Bau in die Höhe - ein viel, lang und strittig diskutiertes Projekt: die neue Dreifachturnhalle. Im Jahr 2006, so erinnert sich Beysel, sei erstmals darüber beraten worden; von damals datiere die erste Bedarfsanfrage an die Regierung von Oberbayern. Im März dieses Jahres ging's dann endlich los. Im Kreistag und seinen Gremien war zuvor alles rauf und runter besprochen worden: Zwei-, Drei- oder Vierfachhalle. Nun errichtet der Landkreis für rund elf Millionen Euro eine 27 mal 45 Meter große Dreifachhalle mit Foyer und Nebenräumen wie Besuchertoiletten, Kleingeräteabteilen, Stuhllager. Vor allem aber ist auch eine Zuschauertribüne vorgesehen - der dringende Wunsch nicht zuletzt der Geretsrieder Sportvereine, welche die Halle mitbenutzen können. Auch für Schulveranstaltungen ist die Halle geeignet, dazu kann eine mobile Bühne mittig gegenüber den Tribünen aufgestellt werden. Für 30. September ist das Richtfest vorgesehen; im Jahr darauf soll die Halle fertig sein.