Wohnen für alle:Ein Betriebswirt, der wieder auf die Beine kommen will

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Er absolviert gerade einen Deutschkurs, B1. Wenn er ihn besteht, soll er laut der Definition des Sprachniveaus in Gesprächen unter anderem "die Hauptinformationen verstehen können, wenn klare Standardsprache verwendet wird und wenn es um vertraute Dinge geht" und "über Erfahrungen und Ereignisse berichten und Träume, Hoffnungen und Ziele beschreiben können". Seinen Traum kann er aber auch jetzt schon benennen. Einen Schulabschluss machen und danach eine Ausbildung, zu Hause in Syrien hat er als Automechaniker gearbeitet. Deutschkurs, Fitness, 17 Uhr nach Hause, Dusche, Abendessen, Bett - so sehen seine Tage jetzt aus.

Die Hausgemeinschaft müsse sich erst finden, sagt Baders Nachbar Dieter Wäldin. Es gebe noch nicht so viele Berührungspunkte, die kämen aber sicher bald, wenn die Waschräume eingerichtet sind und die Dachterrasse eröffnet ist. Vier Gemeinschaftsräume gibt es, mit Kicker, Tischtennisplatte und Küchenzeilen. Auch Wäldin ist froh, dass er wieder eine eigene Wohnung hat. "Pures Glück", sagt er, "eine Woche nach der Besichtigung kam die Zusage." Vor zwei Jahren habe er wegen Umstrukturierungen in der Firma seinen Job verloren, erzählt der studierte Betriebswirt; drei Wochen später warf ihn ein Motorradunfall aus der Bahn. Sein zertrümmertes Knie wurde zwar operiert, doch es folgte eine Infektion, inzwischen hat sein Knie keinen Knorpel mehr.

Wohnen für alle: Willkommen im neuen Heim: Alsalin Bader lädt seinen Nachbarn Dieter Wäldin auf einen Kaffee ein.

Willkommen im neuen Heim: Alsalin Bader lädt seinen Nachbarn Dieter Wäldin auf einen Kaffee ein.

(Foto: Stephan Rumpf)

Zur gleichen Zeit ging seine Partnerschaft in die Brüche, er fand eine neue Wohnung, aber nur für ein Jahr, und landete schließlich in einem Clearinghaus. Ein Zimmer mit mehreren Mitbewohnern in einem Männerwohnheim wäre der nächste Abwärtsschritt gewesen, hätte er nicht die Wohnung am Dantebad bekommen. Hier will er wieder auf die Beine kommen. Im Wortsinn: Nach Ostern steht noch eine Operation an, er erhält ein neues Knie. Und im übertragenen Sinn: Er hofft, dass er mit etwas Hilfe von außen wieder ins Leben findet und auf Jobsuche gehen kann, sobald sich sein Gesundheitszustand gebessert hat. Auf seinen linken Unterarm hat er sich nach dem Unfall sein Lebensmotto tätowieren lassen: "Never give up", steht da, gib niemals auf.

Auch Dominik Metzler hat ein Tattoo am linken Unterarm: das Stadtwappen. "Ich bin ein Münchner Kindl", sagt er. Im Moment kann er sich nicht vorstellen, von hier wegzugehen. Doch als Azubi verdiente er zu wenig, um sich im teuren München eine Wohnung leisten zu können. Also blieb er erst mal bei seiner Mutter in Neuperlach, wo er aufgewachsen ist. Als er nach der Ausbildung übernommen wurde, bewarb er sich beim Wohnungsamt - und bekam den Zuschlag. Jetzt freut er sich darauf, seine Bude einzurichten. "Ich will es mir so gemütlich machen wie möglich."

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