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Problem Wildpinkler:Die Pinkelbeete - eine einzigartige Idee aus München

Eßig will einen anderen Weg gehen, sie will die Fans nicht abschrecken, sondern ihnen in ihrer Not ein niedrigschwelliges Angebot machen. Im Fall der mobilen Klokübel bestünde dieses aus einem 1,20 Meter hohen und 1,50 Meter breiten Kunststoffkasten, aus dem Blümchen oder auch ein Baum herauswachsen könnten. Wer ihn benutzen will, müsste seitlich eine Klappe öffnen, ansonsten wäre auf den Seitenwänden auch Platz für die Werbung von Sponsoren. Gefüllt werden könnte der Kübel etwa mit Toilettenstreu und Rindenmulch. Fassen könnte er 250 Liter Urin; veranschlagt man eine Blasen-Entleerungsmenge von im Durchschnitt 450 Millilitern, könnten in einen Kübel also etwa 550 Fans urinieren, bevor er geleert werden muss.

Dass sich diese Idee in der Praxis bewähren kann, zeigt sich gerade in Frankreich: Dort hat eine Firma parallel zu den Münchnern ein ähnliches Konzept erarbeitet. Die Franzosen sind aber bereits etwas weiter: In Paris sind bereits Bieselkübel-Prototypen im Testeinsatz, sie heißen "Uritrottoirs". Die zweite Idee der Münchner, die Pinkelbeete, sind dagegen einzigartig.

Zwischen der U-Bahn-Station Fröttmaning und Allianz Arena gibt es nur eine Toilette. Ein Grund, warum etliche Passanten an Mauern urinieren.

(Foto: Catherina Hess)

Das Wort "Beete" dürfe man dabei nicht missverstehen, sagt Natalie Eßig. Es werde darauf nichts angebaut, es handle sich einfach nur um Flächen, auf die man sich erleichtern dürfe, sagt sie. In den Entwurfzeichnungen sind diese Beete zum Sichtschutz mit Stelen oder einer Wand ausgestattet und über Rohre mit Klärteichen verbunden. Das sei eine ökologische Lösung, sagt Eßig. Solange die Teiche komplett unter Wasser lägen, würde man auch nichts riechen. In Fröttmaning böte sich für solche Beete vor allem die Grünfläche vor der Wand der Brücke zur U-Bahn an.

Langfristig ließe sich die Idee auch noch weiter denken, denn betroffen ist ja nicht nur das Stadion der Bayern, und das Problem ist auch nicht allgemein auf Fußballstadien oder auf München beschränkt. Öffentlich ruchbar wird der Ärger mit Wildbieslern zwar selten, aber es gibt ihn in jeder Großstadt, in der sich Menschen zum Feiern treffen. Zum Beispiel in Köln: Dort verzweifelten die Anwohner im vergangenen November geradezu an den Fluten von Urin, die sich an Hauswände und auf Parkplätze ergossen. Oder in Ulm: Dort erleichterten sich Besucher von Volksfesten und Weihnachtsmärkten so lange ans Münster, bis die Kirche über Schäden an der Bausubstanz klagte und zur Abschreckung Kameras und starke Lampen installierte. Paradebeispiel sei aber der Berliner Tiergarten, sagt Eßig. Bei großen Fußball-Turnieren führt eine riesige Fanmeile durch den Park, und dieser ächzt daraufhin jedes Mal wieder unter Tausenden Hektolitern Urin. Mit harmlosem Blumengießen hat das wenig zu tun, es ist zu viel. Die Fans trampeln Pfade ins Grün, und ihr Urin schädigt die Pflanzen, er entzieht ihnen Wasser.

Pinkelbeete wären womöglich auch hier eine kostengünstige und ökologische Lösung. Eßig und ihre Partner setzen aber zunächst auf Fußballstadien. "Es wäre schade, wenn man in Deutschland keine Stadionbetreiber fände, die so etwas gerne umsetzen würden", sagt die Professorin. Ihr Partner Jochen Lerche, einer der Geschäftsführer von Companeer, ist aber guter Dinge. Er habe die Idee bereits der Kommission der Stadionbetreiber vorgestellt, sagt er. Das Konzept sei dort sehr gut angekommen. In Köln, in München, in Gelsenkirchen lägen die Pläne nun auf dem Tisch. Bis dahin wolle man Prototypen bauen. Jetzt suche man verstärkt nach Sponsoren.

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