Wiesn Halbzeit-Bilanz: Ein Oktoberfest zum Flanieren

"Zelte-Hopping ist wieder möglich, die Stimmung ist entspannt und heiter", sagt Wiesn-Chef Josef Schmid.

(Foto: dpa)
  • Münchens Zweiter Bürgermeister und Oktoberfestchef Josef Schmid (CSU) zieht nach der ersten Wiesnwoche eine positive Bilanz.
  • Die Besucherzahl wird nach den ersten neun Tagen auf drei Millionen geschätzt.
  • 2016 lag sie zur Halbzeit zwischen 2,8 und 2,9 Millionen.
Von Franz Kotteder

"Einfach a scheene Wiesn!": Mit diesen Worten brachte der Zweite Bürgermeister und Oktoberfestchef Josef Schmid (CSU) seine Halbzeitbilanz auf den Punkt. Auf drei Millionen schätzt seine Festleitung die Besucherzahl nach den ersten neun Tagen, das sind etwa so viele wie 2015, als die letzte große Wiesn stattfand. Im vergangenen Jahr hatte es wegen des alle vier Jahre stattfindenden Zentrallandwirtschaftsfestes nur eine sogenannte "kleine Wiesn" gegeben, die Besucherzahl lag damals zur Halbzeit zwischen 2,8 und 2,9 Millionen.

Sieht also so aus, als ob der seit 2014 zu beobachtende Rückgang der Besucherzahlen gestoppt wäre. "Es ist Platz zum Flanieren mit der ganzen Familie und mit Freunden", sagte Schmid am Sonntagmittag bei der Bilanzpressekonferenz im Museumszelt der Oiden Wiesn, "Zelte-Hopping ist wieder möglich, die Stimmung ist entspannt und heiter." Stark rückläufig sind in diesem Jahr lediglich die Zahlen bei der Oiden Wiesn. Dort kamen bislang 75 000 Besucher weniger als zuletzt im Jahr 2015.

Fast drei Millionen Gäste und 60 verspeiste Ochsen

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Die Festleitung zählte dort 190 000 zahlende Besucher. Schmid vermutet, das liege auch an der Stimmung auf der normalen Wiesn: "Die Oide Wiesn war ja bislang immer deshalb so beliebt, weil es dort etwas ruhiger zuging. Vielleicht sind die Leute jetzt mit der Flanierwiesn schon zufrieden."

Auch sonst ist Normalität Trumpf. Die Wirte sagen, der Umsatz bei Bierausschank und Küche liege etwa auf Vorjahresniveau, das "klassische Dreigespann Hendl, Brezen und Bier" (Schmid) liege nach wie vor sehr im Trend. In der Ochsenbraterei wurden bislang 60 Ochsen verspeist, fünf mehr als 2015, in der Kalbsbraterei war es mit 21 Kälbern eins weniger als 2015.

Nach den wettermäßig etwas schlechteren ersten Tagen zieht inzwischen auch der Straßenverkauf an. "Die klassische Leberkässemmel erlebt eine Renaissance!", sagt Schmid. Die Marktkaufleute sind ebenso wie die Schausteller mit der ersten Woche zufrieden.

Auch Polizei-Pressesprecher Marcus da Gloria Martins zog eine insgesamt positive Bilanz: "Es gibt keine Gemeinde, die sicherer ist als das Oktoberfest, was die Kriminalität angeht." Zwar habe es 919 Einsätze gegeben, 71 mehr als im vergangenen Jahr. Das liege aber wohl auch daran, dass die Videoüberwachung ausgeweitet wurde: "Es gibt inzwischen kaum noch einen toten Winkel auf dem Gelände, in den wir nicht hineinsehen können."

Dadurch könne man auch mehr Straftaten registrieren und aufklären als früher. Die Zahl der Diebstähle ging insgesamt zurück, besonders der von Taschen, weil die ja nicht mehr auf das Festgelände kommen, wenn sie etwas größer sind. Diebe konzentrieren sich deshalb jetzt auf Kleidungsstücke. Da Gloria Martins: "Die Jacke ist die neue Handtasche." Deutlich zugenommen haben die erfassten Sexualdelikte, vor allem wohl wegen der Verschärfung des Sexualstrafrechts, von 17 im Jahr 2016 auf heuer schon 34, darunter eine versuchte Vergewaltigung.

Abgenommen hat die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen (32 statt 47) und damit auch die der Masskrugschlägereien (18 statt 21). Einen deutlichen Anstieg gibt es bei den Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz: von 97 im Jahr 2016 auf inzwischen 150 - auch dies wohl ein Ergebnis der ausgeweiteten Videoüberwachung.

Leicht zurückgegangen ist die Zahl der Alkoholvergiftungen, so berichtete Peter Behrbohm vom Bayerischen Roten Kreuz. 337 Fälle waren es, neun weniger als 2015, halbiert hat sich dabei die Zahl der Bierleichen unter 16 Jahren: Es waren in diesem Jahr nur vier. Insgesamt mussten 3303 Personen medizinisch behandelt werden.

Im Wiesn-Fundbüro, so Bürgermeister Schmid, sind Kleidungsstücke und Ausweise der Renner (jeweils 350), auch zwei Eheringe, ein Napoleonhut und eine Mönchskutte wurden gefunden. Weiter auf der Suche ist man nach dem aktuellen Wiesn-Hit. Schmid: "Da zeichnet sich momentan noch überhaupt nichts ab."

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