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Wiesn-Anstich ohne Claudia Roth:Armes Dirndl

Die frühere Grünen-Chefin Claudia Roth darf nicht mehr zur Wiesneröffnung kommen. Das hat der Ältestenrat der Stadt entschieden. (Archivbild)

Sie saß schon mit dem Dalai Lama beim Tee, bei der Einladungsliste für den Wiesn-Anstich spielt das aber keine Rolle: Claudia Roth, einst Grünen-Chefin und Stammgast in der Stadtratsbox, muss in diesem Jahr draußen bleiben. Die Begründung des Ältestenrats ist eindeutig.

Für die Wiesn 2013 hatte Claudia Roth sich ein Dirndl, Typ Lirium, in Bamberg gekauft; im Kaufhaus Schrill, das aber schon vorher so hieß. Es ist anzunehmen, dass im Kleiderschrank der früheren Grünen-Chefin schon längst das Wiesn-Dirndl 2014 hängt, vermutlich ein knallbuntes mit einer Sonnenblume im Knopfloch der Trachtenbluse. Was das wieder für prächtige Fotos gegeben hätte in der Stadtratsbox des Schottenhamel-Zeltes beim Wiesn-Anstich. Ja, hätte. Claudia Roth kann heuer ihr Dirndl auf dem Cannstatter Wasen tragen, in die Stadtratsbox auf der Theresienwiese darf sie nicht mehr. Der Ältestenrat des Münchner Stadtrates hat diese unbarmherzige Entscheidung getroffen.

Mein Gott, sie saß schon mit dem Dalai Lama bei Tee an einem Tisch, und jetzt reicht es nicht mehr für die Wiesn. Warum diese Watschn, die zu Füßen der Bavaria schlimmer bewertet wird als der Gang zum Schichtl? Man wolle den Tag der Oktoberfest-Eröffnung möglichst münchnerisch halten und hätte auch schon gleichlautende Anfragen von anderen Persönlichkeiten abgelehnt, lautet die Begründung des Ältestenrates. Denn die Kriterien für eine Einladung zum Anstich in die Stadtratsbox stehen seit ewigen Zeiten fest: Neben Stadträten sind dies Politiker, die in einem Münchner Wahlkreis gewählt worden sind.

Claudia Roth kandidiert in Augsburg. Nun gut, dass Claudia Roth kein Münchner Kindl ist, sieht man aber bereits daran, dass man sie öfter im Dirndl antrifft als eine Kreisbäuerin im Oberland. Aber was man sich unter "möglichst münchnerisch" vorstellen soll, darüber lässt sich der Ältestenrat mit keinem Wort aus. Ist es bereits münchnerisch genug, wenn man Haare trägt, golden wie Wiesnbier und den legendären Bayern-Spieler "Bulle" Roth in der Jugend zum Idol hatte?

Anscheinend nicht, denn selbst Oberbürgermeister Dieter Reiter konnte nach eigenen Worten nichts an der Ausladung der Grünen-Politikerin ändern. Wobei man eigentlich nicht von Ausladung sprechen kann, denn Claudia Roth war zwar Stammgast in der Stadtratsbox und hat bisher dem Rest der Box stets die Schau gestohlen, aber eingeladen dazu war sie nie, zumindest nicht offiziell.

Reiters Vorgänger Christian Ude war es, der auf Bitten von Hep Monatzeder (Grüne) Claudia Roth stets zur Wiesn eingeladen hatte. Ein kleiner Freundschaftsdienst unter Koalitionspartnern halt. Aber das Leben ist hart, und die Grünen sind kein Koalitionspartner mehr. Und Reiter ist nicht Ude. Und Claudia Roth ist nicht mehr eingeladen. Die Bundespolitikerin selbst will sich zu dem Thema nicht äußern. Aber offenbar hat sie der Rauswurf kurz vor Beginn der Wiesn arg getroffen. "Sie hielt das zuerst für ein Missverständnis und hat nachgefragt", verriet Margarete Bause, die Fraktionschefin der Grünen im Bayerischen Landtag. Bause spricht von einer Provinzposse. "Das ist schon ein bisschen billig", sagt sie.