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Wiedereröffnung des Lenbachhauses:Museum verhandelt über Rückgabe von NS-Raubkunst

Das renovierte Lenbachhaus am Königsplatz mit dem Neubau: Kurz vor der Wiedereröffnung des Museums wird verhandelt, ob Paul Klees "Sumpflegende" an die rechtmäßigen Erben der einstigen Besitzerin zurückgegeben wird.

Den Nazis diente Paul Klees Gemälde "Sumpflegende" einst als Beispiel für Geisteskrankheit, die Besitzerin wurde enteignet. In den achtziger Jahren kaufte das Münchner Lenbachhaus das Bild - und weigerte sich bislang, die Raubkunst an die rechtmäßigen Erben zurückzugeben.

In drei Wochen wird das Münchner Lenbachhaus nach langem Umbau wieder eröffnen, ein Museum, in dem sich die künstlerischen Avantgarden beispielhaft studieren lassen. Die Münchner werden das feiern, die Touristen hinströmen. Der Aufbruch der Künste im frühen 20. Jahrhundert, die explodierenden Formen und Farben der frühen Abstraktion, das steht seit der Nachkriegszeit für das bessere, das moderne Deutschland. Für ein Land, das sein Selbstverständnis nach dem NS-Regime auch auf das kreative Potenzial der verfolgten Künstler gründete.

Vielleicht aber werden die Kuratoren kurz vor der Eröffnung noch einmal umhängen müssen, um eine Lücke an der Wand zu verdecken. Vielleicht nämlich gehört Paul Klees "Sumpflegende" von 1919 dann schon nicht mehr dem Museum und der Münter-Stiftung. Die Erben der Vorbesitzerin Sophie Lissitzky-Küppers fordern das verspielt-abstrakte Bild zurück, weil die Nazis die private Leihgabe erst aus dem Hannoveraner Provinzialmuseum abzogen und dann 1941 unter Missachtung ihrer eigenen Rechtslage verkauften. Die Stadt München weigerte sich bislang hartnäckig, den Anspruch der Erben anzuerkennen.

Jetzt aber verhandeln die beiden Parteien, auf dringendes Anraten des Landgerichts München. Am 24. April könnten erste Ergebnisse vorliegen. Zu erwarten ist, dass die "Sumpflegende" früher oder später herausgegeben wird, wenn nicht freiwillig, dann auf Druck der Gerichte. Vieles spricht dafür, dass der Fall gegen den Konsens der Washingtoner Erklärung von 1998 verstößt, wonach in der Nazizeit gestohlenes Kulturgut an die Erben der Opfer zu restituieren, also zurückzugeben ist.

Die "Sumpflegende" war schon einmal in München ausgestellt. Damals diente das Gemälde als Beispiel für Geisteskrankheit und, wie Adolf Hitler sagte, "Kulturzersetzung". Die "Sumpflegende" hing 1937 in der Schau "Entartete Kunst" in den Hofgartenarkaden knapp über Kniehöhe an einer Wand, auf die spöttisch ein Spruch des Künstlers George Grosz geschmiert war: "Nehmen Sie Dada ernst - es lohnt sich".

Die Kunsthistorikerin und Händlerin Sophie Lissitzky-Küppers war ihrem zweiten Ehemann, dem Maler El Lissitzky, 1926 in die Sowjetunion gefolgt und geriet dort als Deutsche später in sibirische Verbannung. Als sie nach dem Krieg in Hannover nach ihren Leihgaben fragte, hieß es, die seien verschollen. 1982 aber, vier Jahre nach dem Tod der rechtmäßigen Eigentümerin, erstand die Stadt München gemeinsam mit der Gabriele-Münter- und Johannes-Eichner-Stiftung die "Sumpflegende" auf dem freien Markt. Lissitzky-Küppers' Sohn konnte erst 1991 aus Russland ausreisen und musste sich in München sagen lassen, man habe das Bild besten Gewissens erstanden - obwohl die unglückliche Herkunft zum Kaufzeitpunkt bekannt war, wie ein Brief belegt.

Leider ist die Beweislage in den wenigsten Fällen so lückenlos wie in diesem. Nur selten werden Gemälde der NS-Aktion "Entartete Kunst" zurückgefordert, die längst über alle Museen und viele Privatsammlungen verteilt sind. Gestritten wird in der Regel über Werke, die verfolgte jüdische Sammler und Händler in der NS-Zeit verloren. Ermutigt durch die Washingtoner Erklärung und die Recherchen der Museen fordern Kinder und Kindeskinder nun zurück, was einst der Familie gehörte.